Maila ließ ihren Kopf auf den Küchentisch sinken. Sie fühlte sich völlig erschöpft. Was hatte sie jetzt schon wieder angestellt? Zwar hatte ihre Hexenfreundin Ophelia Mondfink ihre Mädchengestalt zurück und musste nicht mehr in Onkel Justus’ fettem Körper herumlaufen. Doch gleichzeitig hatte Maila den mächtigen Zauberer Luzian Morchelstiel in eine kleine Plastikfigur verwandelt! Und das war eine Katastrophe …
»Jetzt komm, Maila«, versuchte Ophelia Maila zu trösten. »Es war doch nur ein Versehen! Und es lässt sich bestimmt wieder rückgängig machen.«
Maila hob müde den Kopf. Durch das Küchenfenster schien die Morgensonne. Maila sah, wie draußen im Garten der Pegasus graste. Ein friedliches Bild. Mailas Menschenfreundin Emily Steigerwald hatte ihm eine alte Decke umgelegt, die seine Flügel verbarg. So sah der Pegasus wie ein normales weißes Pferd aus.
»Alles, was ich anfasse, geht schief«, klagte Maila mit dünner Stimme. Ihre Nase war verstopft.
»Unsinn!« Emily reichte ihr ein Papiertaschentuch, und Maila schnäuzte sich. »Du bist eine wundervolle Hexe, Maila!«
»Ja, du hast mich gerettet!«, betonte Ophelia. »Ich weiß gar nicht, wie ich dir danken kann, Maila! Ich bin an dem ganzen Mist schuld! Wenn ich nicht so erpicht gewesen wäre, diese Ohrenschwinger auszuprobieren, dann wäre das Ganze nicht passiert.«
»Genau genommen ist Robin schuld«, murmelte Maila dumpf. »Er hat dich als Versuchskaninchen benutzt, obwohl er genau wusste, dass seine Erfindung noch nicht ausgereift ist.«
Die Grenze zwischen der Hexen- und der Menschenwelt ließ sich normalerweise nur überwinden, wenn man mit den Ohren wackeln konnte. Das vermochten nur wenige. Maila zum Beispiel und ihre Oma Luna. Mailas 16-jähriger Bruder Robin besaß dieses Talent nicht, und das wurmte ihn gewaltig. Deswegen hatte er nach einer Lösung gesucht und eine Art Kopfhörer erfunden. Mittels zweier Klammern, die an den Ohren befestigt wurden, war das Gerät in der Lage, auch bewegungsarme Lauscher zum Wackeln zu bringen. Ophelia hatte den Ohrenschwinger testen sollen. Aber anstatt in die Menschenwelt zu reisen, war sie in eine düstere Zwischenwelt geraten, in der es vor Gefahren nur so wimmelte.
Maila spürte, wie sich etwas Schweres auf ihren linken Oberschenkel legte. Sie sah nach unten. Beppos dicker Kopf ruhte auf ihrem Bein. Der große Hund blickte sie treuherzig an.
»Sei nicht traurig, Maila«, brummte er mit seiner tiefen Stimme. »Alles wird gut! Ich hab dich lieb!«
»Ich hab dich auch lieb!« Unwillkürlich musste Maila lächeln. Durch ihren Zauber konnte Beppo sprechen, aber nur Hexen konnten ihn verstehen. Und natürlich Emily, seine Besitzerin!
Emily kraulte Beppos dichtes Fell. »Ich wünschte, du hättest recht, Beppo! Und ich wünschte, wir hätten schon eine Lösung für unsere Probleme.« Sie seufzte tief. »Maila und Ophelia, ich muss euch leider allein lassen. Es ist höchste Zeit für mich. Meine Mutter wird verrückt, wenn sie mich wecken will und ein leeres Bett vorfindet