: Kira Diana Glückert
: Der Lernkulturwandel als Chance zum selbstgesteuerten Lernen. Wie Ermöglichungsdidaktik und Lerncoaching die Methodenkompetenz im Unterricht stärken
: Grin Verlag
: 9783346329240
: 1
: CHF 36.20
:
: Schulpädagogik, Didaktik, Methodik
: German
: 312
: kein Kopierschutz/DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB/PDF
Masterarbeit aus dem Jahr 2020 im Fachbereich Pädagogik - Schulpädagogik, Note: 1,7, Technische Universität Kaiserslautern (DISC - Distance& Independent Studies Center), Veranstaltung: Schulmanagement, Sprache: Deutsch, Abstract: Seit Jahren vollzieht sich durch Technisierung und Digitalisierung ein Lernkulturwandel. Für das Unterrichten bedeutet das eigentlich, dass Schüler*innen neben Fachinhalten auch Fertigkeiten, also Methoden und Strategien, erlernen müssen, durch die sie sich selbstgesteuert neues Wissen erschließen und dadurch lebenslang lernen können. Zurzeit liegt der didaktische Fokus noch wenig auf dem Erwerb von Methodenkompetenz, obwohl sich heute bereits abzeichnet, dass erlernte Fachinhalte veralten können, Methodenkompetenz jedoch eher nicht. Welche schulischen Veränderungen müssen mit dem Lernkulturwandel einhergehen? Welche Ansätze unterstützen den Erwerb überfachlicher Methodenkompetenz? Mit welchen überfachlichen Methoden und Strategien sind Schüler*innen für ihr bevorstehendes (Berufs-)Leben gerüstet? Wie können sie sich diese systematisch und nachhaltig aneignen? Die Autorin Kira Diana Glückert setzt sich mit dem aktuellen Thema der Aneignung überfachlicher Methodenkompetenz auseinander und geht anhand ihres Konzepts des Ermöglichungscoachings - das sie aus den Ansätzen der Ermöglichungsdidaktik und des Lerncoachings abgeleitet hat - der Frage nach, wie sich die Selbststeuerung von Schüler*innen dadurch anbahnen und festigen lässt. Lebensnahe Unterrichtsmaterialien mit 65 Methoden und Strategien liefern Anleitungen für die konkrete praktische Umsetzung im Unterricht.

Nach dem Abitur, das sie im Jahr 1999 in der Nähe von Darmstadt ablegte, absolvierte Kira Diana Glückert ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Behindertenseelsorge in Mainz. Danach folgte das Studium des Sonderschullehramts an der PH in Heidelberg und das Referendariat am Staatlichen Seminar in Heidelberg. Ihre Ausbildung schloss sie 2008 mit dem zweiten Staatsexamen ab. Anschließend arbeitet sie viele Jahre als Sonderschullehrerin an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung bei Heidelberg. Seit September 2021 ist sie an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen in Eberbach tätig. Aus großem Interesse und Freude an ihrem Beruf begann sie 2018 mit dem Fernstudium des Schulmanagements an der TU Kaiserslautern, das sie 2020 mit dem Masterabschluss beendete. Mit großer Begeisterung widmet sie sich im Unterrichtsalltag der Didaktik und Methodik. Vor allem die lebenspraktischen Themen - besonders die der Berufsorientierung - liegen ihr dabei am Herzen. Kira Diana Glückert wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Heidelberg.

4 Perspektivenwechsel: Ermöglichungsdidaktik und Lerncoaching


 

Diese wesentlichen Themen werden nun beleuchtet: Didaktik, Konstruktivismus, Lernen, Lehr- und Lernarrangements sowie Rahmenbedingungen in der Schule, Beratung und Gesprächsführung, Menschbild, Lehrperson/Coach und Schüler*in/Coachee

 

4.1 Didaktik


 

4.1.1 Ermöglichungsdidaktik


 

Die ED versucht, die größtmögliche Selbstständigkeit von Schüler*innen zu gewährleisten. Dabei werden die Lernvoraussetzungen der Schüler*innen miteinbezogen und kontinuierlich reflektiert, da sich diese stets weiterentwickeln.[108] Beim Lernen handelt es sich um eine selbst konstruierte Kognition, die individuell und einmalig ist[109]. Das von der ED anvisierte selbstgesteuerte Lernen bedarf eines gewissen Maßes an Fremdsteuerung, um in Gang zu kommen und zu bleiben[110]. Selbstgesteuertes Lernen bedeutet nämlich nicht, dass der Frontalunterricht ausgedient hat. Allerdings wandelt sich dieser von der traditionellen, nahezu alleinigen Unterrichtsform mit Allzweckcharakter zu einer Unterrichtsphase, die in ein Gesamtkonzept schüleraktiven – und in großen Teilen selbstgesteuerten – Unterrichts eingebettet sein soll.[111] Als zentrale ermöglichungsdidaktische Konsequenz ergibt sich die Notwendigkeit, sich von der Offenheit und Nichtlinearität von Lernprozessen leiten zu lassen[112]. Schüler*innen sollen Lösungen für ihre Herausforderungen beim Lernen nicht vorweggenommen, sondern auf deren Fähigkeiten vertraut werden, eigene Ideen für ihre Lernvorhaben entwickeln zu können. Eine solche Sichtweise orientiert sich an den Potentialen der Schüler*innen, die nach Möglichkeit ausgebaut werden. Mit dem veränderten ressourcenorientierten didaktischen Blick wandeln sich die bisherigen Ansichten über die Bedeutung von Methoden und Medien im Lernarrangement sowie die Rolle von Lehrpersonen.[113] Wird an die Lernkräfte von Individuen angeknüpft, ist eine neuartige didaktische Professionalität notwendig.[114]

 

4.1.2 Lerncoaching


 

In ihrem Anspruch ist die allgemeine Didaktik umfassend, das LC hingegen ist eng und personen- bzw. gegenstandszentriert. Die curricularen Vorgaben und Überlegungen stehen beim LC weniger im Fokus, dafür aber die personalen Komponenten im Vermittlungs- und Aneignungsprozess.[115] Beim LC befasst man sich vornehmlich mit Ressourcen und Lösungspotentialen des Individuums[116]. Traditionell wird das Coaching nicht als Didaktik bezeichnet[117]. Allerdings bietet es sich an, das Coaching als didaktische Methode zu denken, genauer[118][…] als lernanregende bzw. -ermöglichende Interaktion zwischen zwei […] Parteien, wobei der Anlass und das Ziel dieser Interaktion darin besteht, dass die eine Seite der anderen hilft, durch selbstorganisiertes Lernen ein bestimmtes Problem zu lösen oder eine bestimmte Herausforderung zu bewältigen.“[119] Wird das Coaching als didaktische Methode verstanden, rückt es konzeptionell in unmittelbare Nähe zur ED[120].

 

4.1.3 Resümee


 

4.1.3.1 Übereinstimmendes

 

Mittels ED und LC werden die Lernenden in ihren Lernprozessen von Lehrenden unterstützt, sodass sie durch zu ihnen passende Methoden immer mehr Wissen selbstständig erwerben. ED und LC beschäftigen sich mit gelungenen und individuell zugeschnittenen Vermittlungs- sowie Aneignungsprozessen und leisten Hilfe zur Selbsthilfe. Da die eben genannten Prozesse in den Bereich der Lehrkunst fallen, zählt auch das LC zur Didaktik, unabhängig davon, dass die Settings – Unterricht bzw. Beratungsgespräch – verschieden sind. Beide Ansätze gehen davon aus, dass Lernende genügend Potential in sich tragen, um Herausforderungen rund um das Lernen erfolgreich zu meistern.

 

4.1.3.2 Sich Ergänzendes

 

Die ED sieht vor, dass Lehrpersonen ihre Schüler*innen mit Themen aus den Bildungsplänen konfrontieren und sich die Schüler*innen je nach Lernvoraussetzungen selbstständig Inhalte bzw. Lösungen zu Aufgaben erarbeiten. Beim LC rückt die Persönlichkeit des Coachees mit seiner Biographie und damit verbundenen Lernherausforderungen in den Vordergrund. Während in der ED ein selbsttätiges Lernen an vorgegebenen Inhalten stattfindet, steht beim LC die lernende Person mit einem aus ihr heraus entstandenen und zu bearbeitenden Thema im Fokus. Das LC kann als didaktische Methode die ED in ihrer Ausdifferenzierung unterstützen: Die Lernmethoden und -strategien des Lernenden werden analysiert, es wird sich also mit seinen persönlichen Lernprozessen intensiv beschäftigt – auf diese Weise kann zur Optimierung seines Lernens, seiner Selbsttätigkeit sowie Selbstständigkeit beigetragen werden. Da sich das LC auf Lernprozesse konzentriert und es dabei weniger darum geht, dass s