: Gerda Melchior, Volker Schütz, Christopher Posch
: Die Welpenmafia Wenn Hunde nur noch Ware sind
: hansanord Verlag
: 9783940873590
: 1
: CHF 6.20
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: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
: German
: 100
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Es beginnt für Rechtsanwalt Christopher Posch wie ein ganz normaler Fall: Der frisch erworbene Welpe eines jungen Paares ist erkrankt und braucht dringend tierärztliche Hilfe.
Die Verkäuferin des Welpen weigert sich, die Kosten zu übernehmen und Anwalt Posch muss Klage einreichen. Bei seinen Recherchen stößt er auf Entsetzliches: Täglich werden in ganz Europa Hunderte mit teils gefährlichen Krankheiten infizierter Hundewelpen an ahnungslose Menschen verkauft. Bei den skrupellosen Vermehrern gilt ein Hundeleben nicht viel, die Welpenmütter sind bloße Gebärmaschinen und leben unter den unglaublichsten Bedingungen.
Die Welpen werden mit vier Wochen ihren Müttern entrissen, Verluste beim Transport durch ganz Europa sind einkalkuliert. Denn der illegale Welpenhandel ist ein Millionengeschäft.
Die Leidtragenden sind nicht nur die Menschen, die einen solchen Welpen aus Unkenntnis, aus falsch verstandener Tierliebe oder einfach aus Geiz erwerben. Die Welpen aus Vermehrerstationen sind häufig ein ganzes Hundeleben lang gesundheitlich und psychisch geschädigt wenn sie die ersten Tage bei ihren neuen Besitzern überhaupt überleben.
Aber Anwalt Posch und seine Koautoren prangern nicht nur die Machenschaften zwielichtiger Hundehändler an. Künftige Hundebesitzer finden Tipps, worauf beim Kauf eines Welpen geachtet werden muss. Und an drei Beispielen wird gezeigt, woran man seriöse Zuchtbetriebe erkennt.

Kapitel 11


Die Vermehrerfarmen


von Birgitt Thiesmann

Lange war dieser Begriff für mich etwas völligAbstraktes.

Meinen VIER PFOTEN-Kollegen und mir war natürlich klar, dass die Welpen, die auf den Märktenund im Internet angeboten werden, aus furchtbaren Haltungen kommen müssen. Das stumpfe Fell, die durch Würmer aufgedunsenen Bäuche und der oftmals unerträgliche Geruch, der von den Welpen ausgeht, sprechen fürsich. Doch wie diese Haltungen genau aussehen und wie katastrophal sie wirklich sind, sollte icherst im dritten Jahr der Kampagne erfahren undendlich auch dokumentieren können.

Nach den zahlreichen Recherchen auf verschiedenen osteuropäischen Welpenmärkten stellte ich mir immer wieder die brennende Frage, wie ich es bewerkstelligen könnte, an die „Quellen” zu kommen. Sollte ich versuchen, einem dieser Händler nach Marktschluss zu folgen? Nein, vielzu gefährlich. In den ländlichen und sehr über-schaubaren Gegenden würde es sofort auffallen,wenn sich ein fremdes Auto stundenlang an die Stoßstange des Vorausfahrenden heftet. Nicht zu vergessen: Viele dieser Vermehrer sind alles andereals unbeschriebene Blätter und nicht gerade zim-perlich. Auf ihre nähere Bekanntschaft lege ichverständlicherweise keinen großen Wert.

Aber was dann?

Wer kann mir weiterhelfen?

Und dann lernte ich Bea kennen. Sie wandte sichan mich, weil sie sich für Hunde in Polen einsetzt. Mittlerweile hat die zierliche Frau in Eigenregieschon vielen Hunden – insbesondere Dalmatinern – das Leben gerettet und ihnen ein schönes Zuhause verschafft. Bea ist gebürtige Polin, lebt aberschon seit vielen Jahren in Deutschland. Über siebekam ich schließlich den entscheidenden Kontakt: Gregor, ein polnischer Tierschützer, öffnetemir die Türen zur Unterwelt der Hundemafia. Daer einen eingetragenen Tierschutzverein leitet,kann er als sogenannter „Inspector” Razzien undBeschlagnahmungen durchführen und dazu auf der Stelle Polizei und Amtsveterinäre anfordern. Wir lernten einander 2011 kennen.

Gregor ist ein Bär von einem Mann: Über zwei Meter groß und kräftig gebaut. Allein schon seine Gestalt und sein selbstsicheres Auftreten sindRespekt einflößend. Gregor ist Tierschützer ausLeidenschaft. Wo Hilfe gebraucht wird, ist er zurStelle, rund um die Uhr. 

Seit über einem Jahr hatte er einen Vermehrer imVisier. Dann war es schließlich soweit: Er hatteBeweise genug, ihn endlich hochgehen zu lassen. Zusammen mit dem FOCUS TV-Team machten wir uns auf den Weg. Nach stundenlanger Fahrt hielten wir an einem Waldrand. Wir waren jetztganz nahe dran. Und erst im allerletzten Momentverständigte Gregor die Polizei und den Amtsveterinär, um zu vermeiden, dass der Vermehrerirgendwie gewarnt werden könnte. Und obwohl das nicht Gregors erste Beschlagnahmung war, war er aufgeregt. Er weiß ja nie, was ihn erwartet und wie dieseskrupellosen und oft einschlägig vorbestraften