Kapitel 2
Robert blickte abwesend auf seine teure Armbanduhr.
Feierabend. Wochenende.
»So, ich mache mich auf den Weg. Bis Montag«, verabschiedete er sich von seinen Kollegen, die auch bereits anfingen, ihre Sachen zusammenzupacken.
Im Normalfall hätte sich Robert noch gerne zu seinen Kollegen gesellt, um mit ihnen zu quatschen. Aber heute ging das nicht. Heute hatte er es eilig. Dieser Tag würde nämlich sein gesamtes Leben verändern und es war äußerst wichtig, dass er alles richtig und schön machte. Schließlich würde er noch lange daran zurückdenken.
Er nahm den Fahrstuhl und fuhr mit einigen anderen Leuten aus seiner Abteilung direkt in die Tiefgarage, wo er immer parkte. Er überlegte dabei, dass er mit seinen knappen 30 Jahren beinahe all das erreicht hatte, was er sich vorgenommen hatte. Einen tollen Job, eine süße Freundin und ein schickes Auto hatte er bereits. Jetzt war er endlich bereit, den nächsten wichtigen Schritt zu wagen.
Robert stieg in sein Auto und verließ das Gebäude, in dem sich das Verwaltungszentrum des großen Autoherstellers, für den er während seines Studiums angefangen hatte zu arbeiten, befand. Bisher war ihm noch nicht in den Sinn gekommen, diesen Job gegen einen anderen zu tauschen. Auch wenn Saskia, seine Freundin, ihn viel lieber in einer führenden Rolle sehen würde. Aber sie würde schon sehen – bald würde er sich die Karriereleiter hocharbeiten.
Obwohl er für den bevorstehenden Schritt mehr als bereit war, so überkam ihn doch eine seltsame Art von Nervosität, je näher er seinem Ziel kam. Er nahm einfach an, dass das normal war, schüttelte das komische Gefühl ab und fädelte sich geschmeidig in den Berufsverkehr ein. Er hatte noch ein gutes Stück zu fahren, konnte sich also sammeln. Gut, dass es noch nicht schneite, obwohl der Wetterbericht schon lange ankündigte, dass es bald so weit sein würde. Robert fuhr nicht gerne bei Eis und Glätte. Da stieg er dann schon lieber auf die S-Bahn um, obwohl er es als unheimlich beengend empfand, sich mit Horden von Menschen in einen Zug zu stopfen. Es war ihm einfach zu stickig.
Auf der Autobahn ging es wider Erwarten recht zügig voran und Robert konnte sein Auto früher als gedacht in die ruhige Seitenstraße lenken, in der er mit Saskia in einem hübschen Reihenhäuschen wohnte. Es gehörte Saskias Vater, was ein Detail war, das Robert manchmal störte. Aber so konnte er sein Geld erst einmal schön beiseitelegen, um sich dann irgendwann ein eigenes Haus zu leisten.
Robert betätigte den Garagenöffner, parkte sein Auto vorsichtig, stieg dann aus und langte in die Manteltasche. Gut. Noch alles da, wo es sein sollte.
»Saskia?«, rief er bereits aus der Garage, von der eine Treppe direkt ins Haus führte.
»Robby, wir sind oben!«
Robert hasste es, wenn Saskia ihn Robby nannte. Das hatte er ihr auch schon eine Million Mal gesagt, und Saskia versuchte es sich wirklich abzugewöhnen. Letztendlich blieb es aber dabei: Für Saskia war er Robby.
Wir? Hatte sie eben »wir« gesagt? Das passte aber gar nicht in seine Pläne.
»Hallo, Schatz!«
»Hi, du. Wie war dein Tag?«
Wir, das waren offenbar Saskia und deren Mutter Mareike. Robert umarmte Saskias Mutter freundlich distanziert. So sehr er sich auch bemühte, mit ihr wurde er nicht so richtig warm. Er fragte sich manchmal, ob das an Mareikes ausschweifendem Lebensstil lag. Sie hatte sich von Saskias Vater scheiden lassen, als ihre Tochter vier Jahre alt gewesen war, und war … nun ja … nicht gerade ein Kind der Traurigkeit, wenn man das so sagen konnte.
»Gut. Wir haben zusammen die diesjährige Weihnachtsdeko geplant«, gab Saskia Auskunft. »Mutti meint, dass ich viel mehr traditionellen Weihnachtsschmuck brauche. Wir haben die letzten Jahre ja echt nur modernes Zeug zusammengekauft.«
Puh. Weihnachtsschmuck. Damit war Robert vollkommen überfordert. Ihm war es eigentlich ziemlich egal, was Saskia zu diesem Thema mit ihrer Mutter ausgetüftelt hatte. Dennoch machte er ein interessiertes Gesicht, sein Kopf war dabei aber ganz woanders. Hoffentlich verabschiedete sich Mareike bald. Er hatte heute noch eine Menge vor.
»Und deshalb wollen wir gleich noch zum Christkindlmarkt in die Stadt fahren«, fügte Saskia hinzu.
»Aber heute ist doch Freitag. Da