: Karin Schneider-Ferber
: Kleine Geschichte des Gardasees
: Verlag Friedrich Pustet
: 9783791761954
: Kulturgeschichte
: 1
: CHF 12.60
:
: Regional- und Ländergeschichte
: German
: 176
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Sehnsuchtsziel ist der Gardasee zu allen Zeiten gewesen. Seit der Antike wurde er wegen seiner idyllischen Lage zwischen Alpenkamm und mediterranem Süden geschätzt und geliebt. 'Niemals sah ich eine schönere Gegend', schwärmte die kunstsinnige Isabella d'Este Gonzaga 1514. 'Ich sah den schönen See, die herrlichen Weinberge und Ländereien, die alle wie Gärten aussahen.' 'Ein köstliches Schauspiel, der Gardasee', pflichtet ihr Goethe auf seiner Italienreise bei, 'den wollte ich nicht versäumen.' Doch die Beschaulichkeit täuschte über seine wahre Bedeutung hinweg: Italiens größter See stand stets auch im Fadenkreuz politischer Interessenlagen. An seinen Ufern tummelten sich nicht nur Poeten und Künstler, sondern ebenso Tyrannen und Diktatoren. Er erlebte Kriege, Invasionen, Teilung und Armut: ein bewegter Schauplatz der Geschichte.

Karin Schneider-Ferber, geb. 1965, lebt als freie Autorin in Berlin. Sie schreibt u.a. für die Zeitschrift G/Geschichte; zahlreiche Publikationen zu historischen Themen.

Mildes Klima, fruchtbarer Boden: Der Mensch entdeckt den Gardasee


Die Geschichte vor der Geschichte: »Ötzi« am Gardasee


War bereits »Ötzi« am Gardasee? Hat der »Mann aus dem Eis«, der zwischen 3359 und 3105 v. Chr. im Alter von 46 (+/– fünf) Jahren in einer Senke am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen an einem kalten Tag im Frühsommer gewaltsam ums Leben gekommen ist, den zwischen den Alpen und der Po-Ebene gelegenen See aufgesucht, vielleicht sogar sein mildes Klima genossen? Man weiß es nicht, wird es auch nie erfahren. Zwar ist die älteste erhaltene Feuchtmumie der Welt, die am 19. September 1991 von einem Nürnberger Ehepaar bei einer Wanderung zur Similaunhütte zufällig im aufgetauten Eis des Gletschers entdeckt wurde, mittlerweile auch die wahrscheinlich bestuntersuchte Leiche der Welt, die eine Vielzahl an Informationen über das Leben der Menschen in der späten Jungsteinzeit und der frühen Kupferzeit geliefert hat, doch die Umstände seines eigenen Lebens bleiben für alle Zeit ein Geheimnis.

Gleichwohl spricht manches dafür, dass »Ötzi« den Gardasee zumindest gekannt hat. Bei der Untersuchung seiner Knochen und seines Zahnschmelzes ermittelten Forscher im Jahr 2003, dass der Mann aus dem Gletscher in den Tälern und Bergen bis zu 60 km südlich seines Todesortes zuhause war und im heutigen Südtirol sein Leben verbracht hatte. Als Kind –