2 Häufige Störungsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie
2.1 Internalisierende Störungen
2.1.1 Emotionale Störungen
Die emotionalen Störungen stellen eine eigene Kategorie der Störungsbilder für Kinder und Jugendliche dar. Es wird ein Entwicklungsbezug hergestellt und davon ausgegangen, dass eine emotionale Störung im Kindesalter nicht unbedingt zu psychopathologischen Auffälligkeiten im Erwachsenenalter führen muss. Es werden nach dem ICD-10 (Dilling et al. 2015) folgende emotionale Störungen unterschieden:
● mit Trennungsangst
● phobische Störung
● mit sozialer Ängstlichkeit
● mit Geschwisterrivalität
● sonstige emotionale Störung (z. B. Depression und Angst gemischt, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation …)
● generalisierte Angststörung des Kindesalters
Therapie: Die Behandlung von emotionalen Störungen richtet sich nach der vorherrschenden Symptomatik. Dies können sowohl Ängste als auch depressive Symptome oder Schwierigkeiten in der Emotionsregulation sein.
2.1.2 Angststörungen
FALLBEISPIEL
Salome wurde mit sechs Jahren eingeschult. Kurz zuvor erfolgte der Umzug der Familie in einen Nachbarort und Salome äußerte, nicht umziehen zu wollen. Sie stellte viele Fragen zum Thema Tod. Eines Tages kam sie weinend nach Hause mit Bauch- und Kopfweh, Atem- und Schluckbeschwerden, sowie mit der Angst, sterben zu müssen. Sie konnte nicht mehr alleine schlafen, ging nicht mehr zu den Pfadfindern, wollte von der Mutter auf den Schulbus und später bis in die Schule begleitet werden. Zuletzt ließ sie die Mutter nicht mehr nach Hause gehen, sodass diese mit ihr im Schulzimmer bleiben musste.
Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Die Angaben zur Prävalenz (Anzahl erkrankter Menschen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung) schwanken von fünf bis zwanzig Prozent. Mindestens fünfzig Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden noch unter anderen Störungen wie Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden. Mädchen sind häufiger betroffen als Knaben, was wahrscheinlich mit der geschlechtsspezifischen Sozialisation zusammenhängt. Es besteht eine familiäre Häufung von Angststörungen.
Unter klinisch bedeutsamen Angststörungen wird eine ganze Gruppe von Erkrankungen eingeordnet, die unterschiedliche Auswirkungen auf den Alltag haben und auch spezifische Behandlungen erfordern. Angst ist ein menschliches Grundgefühl, das das Überleben des Menschen im Laufe der Evolution ermöglicht hat, d. h. Angst sichert das Überleben. Sie gehört zum Leben wie Freude, Liebe, Trauer und Wut. Jede Veränderung kann Ängste auslösen, es sind Kräfte, die zu jeder Entwicklung gehören.
Angst wird zum Großteil körperlich auf derphysiologischen Ebene erlebt. Diese körperlichen Empfindungen sind unangenehm, aber harmlos und verschwinden mit Abklingen der Angst wieder, wirken aber auf die betroffenen Menschen außerordentlich bedrohlich und können Todesangst auslösen. Mit der katastrophisierenden Bewertung wird die Angst weiter hochgeschaukelt („Teufelskreis der Angst“).
Angst ist eine angeborene Reaktionsbereitschaft, die bei Bedrohung über den Sympathikus den Körper auf Höchstleistung vorbereitet: Kampf oder Flucht. Bei der nachfolgenden Anpassungsreaktion, die vom Parasympathikus gesteuer