: Diana Ladner, Georgina Brandenberger
: Tiergestützte Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen Hund und Pferd therapeutisch einbeziehen
: Ernst Reinhardt Verlag
: 9783497614127
: & tier
: 2
: CHF 21.70
:
: Angewandte Psychologie
: German
: 181
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Kinder und Jugendliche haben eine besondere Beziehung zu Tieren. Das kann man in der Therapie von psychischen Erkrankungen nutzen. Das Buch vermittelt dazu die notwendigen Grundlagen: Wie kann man Hund und Pferd gezielt einsetzen? Wann ist die Arbeit mit Tieren sinnvoll? Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Auf Basis des aktuellen Forschungsstandes werden Therapieziele und Interventionen vorgestellt. Dabei wird die tiergestützte Arbeit in den verschiedenen Therapierichtungen - von Verhaltenstherapie zu systemischer und tiefenpsychologisch fundierter Therapie - beschrieben. Fallvignetten zu den wichtigsten Störungsbildern schaffen den Bezug zur Praxis. Ein Serviceteil mit Ansprechpartnern, Verbänden und Ausbildungsinstitutionen schließt das Buch ab.

Diana Ladner, Tägerwilen (Schweiz), Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Fachkraft für tiergestützte Therapie (ESAAT) sowie pferdegestützte Psychotherapie (IPTh). Sie bietet tiergestützte Behandlungen in ihrer eigenen Praxis an. Dr. med. Georgina Brandenberger, Oetwil am See (Schweiz), Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie (FMH), Reittherapeutin (SG-TR), Psychotherapeutin mit eigener Praxis. Sie ist im Fachbeirat der Zeitschrift mensch& pferd international.

2 Häufige Störungsbilder in der Kinder- und Jugendpsychiatrie

2.1 Internalisierende Störungen

2.1.1 Emotionale Störungen

Die emotionalen Störungen stellen eine eigene Kategorie der Störungsbilder für Kinder und Jugendliche dar. Es wird ein Entwicklungsbezug hergestellt und davon ausgegangen, dass eine emotionale Störung im Kindesalter nicht unbedingt zu psychopathologischen Auffälligkeiten im Erwachsenenalter führen muss. Es werden nach dem ICD-10 (Dilling et al. 2015) folgende emotionale Störungen unterschieden:

˜˜˜˜● mit Trennungsangst

˜˜˜˜● phobische Störung

˜˜˜˜● mit sozialer Ängstlichkeit

˜˜˜˜● mit Geschwisterrivalität

˜˜˜˜● sonstige emotionale Störung (z. B. Depression und Angst gemischt, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation …)

˜˜˜˜● generalisierte Angststörung des Kindesalters

Therapie: Die Behandlung von emotionalen Störungen richtet sich nach der vorherrschenden Symptomatik. Dies können sowohl Ängste als auch depressive Symptome oder Schwierigkeiten in der Emotionsregulation sein.

2.1.2 Angststörungen

FALLBEISPIEL

Salome wurde mit sechs Jahren eingeschult. Kurz zuvor erfolgte der Umzug der Familie in einen Nachbarort und Salome äußerte, nicht umziehen zu wollen. Sie stellte viele Fragen zum Thema Tod. Eines Tages kam sie weinend nach Hause mit Bauch- und Kopfweh, Atem- und Schluckbeschwerden, sowie mit der Angst, sterben zu müssen. Sie konnte nicht mehr alleine schlafen, ging nicht mehr zu den Pfadfindern, wollte von der Mutter auf den Schulbus und später bis in die Schule begleitet werden. Zuletzt ließ sie die Mutter nicht mehr nach Hause gehen, sodass diese mit ihr im Schulzimmer bleiben musste.

Angststörungen gehören zu den häufigsten psychischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter. Die Angaben zur Prävalenz (Anzahl erkrankter Menschen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung) schwanken von fünf bis zwanzig Prozent. Mindestens fünfzig Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden noch unter anderen Störungen wie Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden. Mädchen sind häufiger betroffen als Knaben, was wahrscheinlich mit der geschlechtsspezifischen Sozialisation zusammenhängt. Es besteht eine familiäre Häufung von Angststörungen.

Unter klinisch bedeutsamen Angststörungen wird eine ganze Gruppe von Erkrankungen eingeordnet, die unterschiedliche Auswirkungen auf den Alltag haben und auch spezifische Behandlungen erfordern. Angst ist ein menschliches Grundgefühl, das das Überleben des Menschen im Laufe der Evolution ermöglicht hat, d. h. Angst sichert das Überleben. Sie gehört zum Leben wie Freude, Liebe, Trauer und Wut. Jede Veränderung kann Ängste auslösen, es sind Kräfte, die zu jeder Entwicklung gehören.

Angst wird zum Großteil körperlich auf derphysiologischen Ebene erlebt. Diese körperlichen Empfindungen sind unangenehm, aber harmlos und verschwinden mit Abklingen der Angst wieder, wirken aber auf die betroffenen Menschen außerordentlich bedrohlich und können Todesangst auslösen. Mit der katastrophisierenden Bewertung wird die Angst weiter hochgeschaukelt („Teufelskreis der Angst“).

Angst ist eine angeborene Reaktionsbereitschaft, die bei Bedrohung über den Sympathikus den Körper auf Höchstleistung vorbereitet: Kampf oder Flucht. Bei der nachfolgenden Anpassungsreaktion, die vom Parasympathikus gesteuer