Rainer Peters holte tief Luft, als er die enge, steile Bergstraße von Mayrhofen nach St. Christoph hinauffuhr. Er drosselte die Geschwindigkeit und schaltete in den zweiten Gang zurück, denn die zahlreichen Serpentinen forderten seine ganze Aufmerksamkeit.
Trotzdem genoss er die klare, reine Bergluft und war froh, den Rat seines Hausarztes angenommen zu haben. Hier konnte er seit vielen Wochen endlich wieder tief durchatmen, ohne gleich husten zu müssen.
Rainer Peters kam aus einer Pastorenfamilie aus Linz. Sein Vater stammte aus Norddeutschland und hatte sich damals in eine österreichische Urlauberin verliebt. Diese Liebe war so stark, dass Lars Peters seiner Ursel nach Linz gefolgt war. Ein Zugeständnis hatte Ursel ihm aber machen müssen, die Urlaube wurden an der Nordsee verbracht.
Der Vater hatte damals eine evangelische Gemeinde in Linz übernommen, und Rainer hatte sich dadurch schon früh mit den Fragen des Glaubens auseinandergesetzt. Er war jedoch kein Streber, das wusste niemand so gut wie seine Schwester Ursel, die ihn bei so manchem Streich gedeckt hatte.
Rainer war in die Fußstapfen seines Vaters getreten und inzwischen selbst evangelischer Pastor. Im kommenden Herbst sollte er die Nachfolge seines Vaters antreten, mit dem er schon längere Zeit in der Gemeinde zusammenarbeitete.
Aus Ursel war eine erfolgreiche Innenarchitektin geworden, die ihren Bruder damit überrascht hatte, »seine« Kirche ganz neu gestalten zu wollen.
Rainer fuhr am Ende eines Waldstücks in eine Parkbucht und stieg aus. Es duftete nach Harz und frischen Nadeln, und der Boden strömte den leichten, feuchten Geruch von Moder aus.
Der junge Pastor sah sich um. Vor ihm lag in einer Senke St. Christoph, sein Ziel.
Wieder atmete er tief durch. Ja, in diesem idyllischen Dorf würde er hoffentlich die lästige Bronchitis ausheilen können. Es hatte im Herbst begonnen. Rainer hatte stark gehustet, und sein Hausarzt hatte eine akute Bronchitis festgestellt. Er hatte ein Antibiotikum verschrieben und gemeint, dass der Husten schnell wieder verschwinden würde.
Das war in der Regel richtig, und es war Rainer auch bald besser gegangen. Doch nachdem er das Medikament abgesetzt hatte, hatte nach zwei Wochen der Husten wieder begonnen. Und dann hatte keine Behandlung mehr richtig angeschlagen.
Rainer war immer wieder geröntgt und untersucht worden. Schließlich hatte ihm sein Hausarzt dringend empfohlen, den Sommer in den Bergen zu verbringen. Bergluft wäre das Beste für die angegriffenen Lungen, und er hatte auch eine Adresse parat.
Bei einer Medizinertagung hatte er Dr. Martin Burger aus St. Christoph im Zillertal kennen und schätzen gelernt. An ihn hatte er Rainer überwiesen, und Rainer hatte mit seinem Vater gesprochen.
In diesem Sommer hatte der junge Pastor noch keine verbindlichen Verpflichtungen in der Gemeinde, denn der Vater ging ja noch nicht so schnell in den Ruhestand. Also stand einem längeren Aufenthalt in den Tiroler Bergen nichts im Wege.
Dr. Burger hatte Rainer, der ungern im Hotel wohnen wollte, ein Ferienhäusl am Rande von St