: Ines Thorn
: Die Buchhändlerin
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644008656
: Historischer Frankfurt-Roman
: 1
: CHF 10.00
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bücher und Schicksale: Die Geschichte einer starken Frau, Liebe und Literatur in den 1940er Jahren. Frankfurt, kurz nach dem 2. Weltkrieg: Christa bricht enttäuscht ihr Germanistikstudium ab, weil sie als Frau an der Universität nicht für voll genommen wird. Zunächst aus Verlegenheit fängt sie an, in der Buchhandlung ihres Onkels auszuhelfen, die dieser nach der Enteignung durch die Nationalsozialisten nun wieder aufbaut. Bald schon wird das Bücherverkaufen für Christa zur Passion - und die Buchhandlung zu einem Ort, an dem sich Gleichgesinnte treffen, an dem Freundschaften entstehen und sogar Liebe. Doch noch sind die Wunden der Kriegszeit nicht verheilt, und Christa muss all ihre Klugheit und Tatkraft einsetzen, um die Buchhandlung und ihr eigenes Glück zu bewahren.

Ines Thorn wurde 1964 in Leipzig geboren. Nach einer Lehre als Buchhändlerin studierte sie Germanistik, Slawistik und Kulturphilosophie. Sie lebt und arbeitet in Nordhessen und schreibt seit Langem erfolgreich historische Romane.

TEIL 1


Prolog


Frankfurt, 1941

Es klingelte Sturm. Christa stand von ihrem Schreibtisch auf, öffnete das Fenster und schaute auf die Berger Straße hinaus. Unten stand ihr Onkel Martin, winkte und rief zu ihr hoch: «Komm schnell runter, das musst du dir unbedingt angucken.» Christa sah von oben, dass ein Ehepaar vor dem Schaufenster der Buchhandlung Schwertfeger stehen geblieben war. Sie lachten. Der Mann klopfte Martin auf die Schulter, dann eilten sie weiter.

Frau Lehmann von der Metzgerei Lehmann schräg gegenüber drohte Martin spielerisch mit dem Finger. Aber auch sie tat es lachend. Der Pfarrer der St.-Josefs-Gemeinde fuhr mit wehender Soutane auf dem Fahrrad vorbei und rief fröhlich: «Am Ende sind Sie doch ein gottgefälliger Mann, lieber Herr Schwertfeger.»

Martin war der jüngere Bruder ihres Vaters, gerade einunddreißig Jahre alt. Er war nach dem Abitur direkt an die theologisch-philosophische Ordenshochschule der Jesuiten in Frankfurt-Oberrad gegangen. Nicht nur, um dort zu studieren, sondern um ein Ordensmann, ein Mönch, zu werden. Christa hatte das nie verstanden. Natürlich gingen sie an Weihnachten und an Ostern in die Kirche, aber sie konnte sich nicht erinnern, dass in ihrer Familie jemals über Gott gesprochen worden war. Auch Martin hatte offenbar eingesehen, dass er nicht ins Kloster gehörte. Kurz vor den ewigen Gelübden hatte er Orden und Hochschule verlassen und führte seither die Buchhandlung Schwertfeger, schon in der dritten Generation.

In der Wohnung über dem Laden lebten mittlerweile der Onkel, die Mutter und sie. Früher hatte Christa mit ihren Eltern über dem Onkel gewohnt, doch jetzt war Krieg, und das hieß, dass sie alle ein wenig zusammenrücken mussten. In ihrer ehemaligen Wohnung im zweiten Stock lebten zwei ausgebombte Familien, und Mutter und sie waren hinunter zu Martin in den ersten Stock gezogen. Der Vater war gleich zu Beginn des Krieges eingezogen worden. Er war Fernmeldetechniker und an der Front dienlicher als zu Hause.

«Was hast du gemacht?», rief Christa.

Martin