: Burkhard Bohne
: Die Botschaft der Pflanzen Was wir von der Natur lernen können und wie sie uns heilt
: Rowohlt Verlag Gmbh
: 9783644008274
: 1
: CHF 14.00
:
: Natur und Gesellschaft: Allgemeines, Nachschlagewerke
: German
: 256
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was haben Pflanzen uns zu sagen? Sehr viel, weiß Burkhard Bohne - denn Pflanzen sind ein perfektes Beispiel für kollektive Intelligenz. Bohne plädiert für mehr Achtsamkeit im Umgang mit der Natur: Wer sich Pflanzen zuwendet, wird anders auf unseren gemeinsamen Lebensraum schauen, denn sie bilden die Grundlage für fast alle Lebensprozesse auf der Erde. Doch es scheint, als hätten wir den Bezug zu ihnen verloren. Dabei liefern uns Pflanzen Nahrungsmittel, Heilmittel, Energie und vieles mehr. Grund genug, höchste Wertschätzung zu zeigen und sich den Pflanzen wieder anzunähern - und zu verstehen, was ihre Botschaft an uns Menschen ist.

Burkhard Bohne, geboren 1962 in Northeim, ist Gärtnermeister und seit 1990 Technischer Leiter des Arzneipflanzengartens der TU Braunschweig. Er arbeitet zudem als freiberuflicher Autor für verschiedene Tageszeitungen und Gartenmagazine, ist Reiki-Lehrer, Autor einiger Gartenbücher und arbeitet als Gartenplaner mit dem Schwerpunkt Kräuter- und Nutzgärten. 2011 gründete er die erste Kräuterschule Braunschweigs und 2016 die Kräuterschule Berlin. Er lebt mit seiner Familie in Braunschweig.

Bäume und ihre Geheimnisse


Als Kind habe ich fast nur draußen gespielt und so mit den Jahreszeiten gelebt. Wenn im Spätwinter langsam der Schnee taute, gab es kein Halten mehr, augenblicklich ging es hinaus in den Wald. Es roch wunderbar, und der würzig-aromatische Duft feuchter Walderde steckt noch heute in meiner Nase. Am meisten freute ich mich über Laubbäume, die teilweise sehr alt werden und sich vom Frühjahr bis zum Winter ständig wandeln. Im Winter mochte ich sie am meisten, denn sie waren unbelaubt, sodass kein Blatt die Sicht auf ihre einzigartigen Formen störte. Stamm, Rinde, Äste und Zweige waren sehr genau zu erkennen, und in der Dämmerung und im Nebel hatte das einen ganz besonderen Reiz. Ich glaubte, in der Rinde dicker Stämme Gesichter zu erkennen, und stark verzweigte Wurzelsysteme sahen für mich wie Höhlen von Zwergen aus. Ich nahm die Bäume stets als freundliche Wesen wahr, weshalb ich mich im Wald geborgen fühlte. Irgendwie ahnte ich auch, dass Bäume großen Einfluss auf uns Menschen haben, ohne dass ich dies genauer beschreiben konnte. Erst viel später realisierte ich, dass ein ausgiebiger Waldspaziergang ausgesprochen wohltuend für unsere Seele ist.

Der Wald ist natürlich zu jeder Jahreszeit schön, insbesondere aber im Frühling. Ich sah die Sonne die noch lichten Baumkronen durchfluten, und es gab auf dem Boden wunderbare Schattenspiele. Die Vögel fingen an, sich zu paaren, sie bauten Nester und flatterten zwischen den Bäumen hin und her, als diese wieder lebendig wurden und die im Winter ruhenden Knospen zu treiben begannen. Der Waldboden wurde langsam trockener und roch nun nach frischem Humus. Frühlingsblumen wie Buschwindröschen, Maiglöckchen oder Waldmeister blühten üppig, und Insekten schwärmten aus. Sie steuerten die frühen Blüten an und sammelten ihren ersten Pollen.

Im Frühlingswald gab es ständig Neues zu entdecken. An vielen Stellen sah ich zahlreiche Eicheln und Bucheckern keimen. Ich beobachtete sie schon länger und registrierte, dass als Erstes ihre durchnässten, holzigen Wände aufplatzten und starke Wurzeln in den Boden wuchsen. Als Nächstes entwickelten sich Sprosse, die senkrecht Richtung Himmel strebten. Erst als die Wurzeln fest im Boden verankert waren, entfalteten sich die ersten Blätter. Sie waren zunächst cremefarben oder gelb und wurden nach einigen Tagen grün. Sehr viele Keimlinge hatten sich zwischen alten, großen Baumwurzeln angesiedelt. Wahrscheinlich hatten Tiere im Herbst die Früchte gesammelt und hier als Wintervorrat versteckt. Perfekt, denn so wurden Eicheln und Bucheckern auch an Orte gebracht, die weit entfernt von dem Baum lagen, an dem sie heruntergefallen waren. War es nicht so, dass es besonders viele Früchte im Herbst gab, wenn der anschließende Winter lang und kalt wurde? So hatten die Tiere g