: Meddi Müller
: Fahrgemeinschaft Ein Frankfurt-Krimi
: Verlag edition krimi
: 9783946734918
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Eine Obdachlose wird am Mainufer tot aufgefunden. In der Frankfurter Polizei will man den Fall schnell zu den Akten legen, da die Kapazitäten knapp sind und man den Tod als selbstverschuldet ansieht. Allein die Kommissarin Sabine Grotewohl will diese Gleichgültigkeit nicht hinnehmen. Sie hat berechtigte Zweifel an einem Unfalltod der Frau und überzeugt schnell auch ihren Partner Christian Köhler von der Theorie. Schon bald wird ihr Verdacht bestätigt: Die unbekannte Frau wurde ermordet. Es stellt sich heraus, dass die Ermordete aus gutem Hause stammt und ihr Tod dem einen oder anderen Familienmitglied gar nicht so ungelegen kommt. Shaft und Grotte ermitteln in ihrem zweiten Fall in den höchsten Kreisen und stechen damit in ein Wespennest aus Eifersucht, Gier und Intrigen.

Feuerwehrmann, Schriftsteller, ehemaliger Verleger, Radiomoderator, Comedian und Filmemacher, all das ist der Frankfurter Kultautor Meddi Müller. Bereits acht historische Frankfurt-Romane sind aus seiner Feder entstanden. Er gehört zu den meistgelesenen Autoren der Stadt. Durch seine skurrilen Kurzgeschichten schafft er es regelmäßig, sein Publikum zu begeistern. In seiner eigenen Radioshow auf Radio Rüsselsheim, 'Meddis Nähkästchen', lädt er einmal im Monat bekannte und weniger bekannte Künstler aus der Region zum Plausch ein.

Wertloses Leben?


Christian Köhler war froh, endlich wieder im Büro zu sein. Er hasste Urlaub. Es war ihm zuwider, auf der faulen Haut zu liegen. Bei seinem Kontostand wäre es ihm zwar vergönnt, trotz seiner jungen Jahre den Rest seines Lebens in Saus und Braus auf einer eigenen Insel zu verleben, aber das wollte er nicht. Er war Polizist aus Überzeugung. Dies war sein Anteil an einer funktionierenden und gerechten Gesellschaft. Dafür stand er gerne morgens auf. Gut, er gönnte sich auch ein paar Extravaganzen. So zum Beispiel seinen Mercedes DB 300 SL W 198, Baujahr 1957 in Lackschuhschwarz, den er über alles liebte und wie seinen Augapfel hütete. Auch sein exklusiver Kleidungsstil zeichnete ihn aus: Maßanzüge, Maßschuhe und Socken, in die seine Initialen eingearbeitet waren. Selbst maßgeschneiderte Unterhosen fanden sich in seinem Schrank.
Trotz alledem lebte er noch immer bei seiner Mutter im Stadtteil Harheim im ländlichen Frankfurter Norden. Hier galt er mit seiner Hautfarbe auch im einundzwanzigsten Jahrhundert als Exot, denn in diesem Stadtteil waren schwarze Menschen ebenso selten wie gesunde Tauben auf der Zeil.
Köhler stand in der Raucherecke auf einem schmucklosen Balkon im Frankfurter Polizeipräsidium. Es war noch sehr früh an diesem Spätsommermorgen. Fröstelnd schlug er den Kragen seines Jacketts hoch und rieb sich die Oberarme.
»Na«, ertönte die Stimme seines Kollegen Schmidt. »In Afrika ist es nicht so kalt.«
»Keine Ahnung, ich war noch nie in Afrika«, gab Köhler ungerührt zurück und nahm einen Zug aus seiner Zigarette. Über den latenten Rassismus sah er geflissentlich hinweg. Ansprachen wie diese gehörten zu den alltäglichen Frotzeleien unter Kollegen. Köhler schoss sogleich zurück: »In Texas sind es jetzt bestimmt dreißig Grad.«
Schmidt, der im Begriff war, sich ebenfalls eine Zigarette anzuzünden, hielt mitten in der Bewegung inne und schien nachzudenken. Köhler half ihm dabei, indem er den Blick auf die Cowboystiefel seines Kollegen richtete.
»Blödmann«, murmelte Schmidt und vollendete das Entzünden der Zigarette.
»Ich hab nicht angefangen.«
Schmidt inhalierte den ersten Zug bis in die letzten noch funktionsfähigen Alveolen, blies den Rauch aus und fragte: »Und? Wie war der Urlaub?«
»Zu lang.«
Schmidt schüttelte den Kopf. »Du bist echt der Einzige, den ich kenne, der seinen Urlaub als Zwang empfindet.«
»Ich mag es halt nicht.« Köhler nahm einen letzten Zug und drückte die Kippe im Aschenbecher aus.
»Du könntest dir die ganze Welt ansehen«, bohrte Schmidt weiter. Sehnsuchtsvoll ließ er seinen Blick in die Ferne schweifen. »Wenn ich deine Kohle hätte …«
»Hast du aber nicht«, warf Köhler ein.
»Aberwenn ich sie hätte …«
»Was dann?«
»Würde ich mir die Welt anschauen.«
»Mach doch!«
Schmidt warf Köhler einen tadelnden Blick zu. »Hast du mir nicht zugehört?«
»Du bist Polizeibeamter im gehobenen Dienst. Dein monat