: Marco Malvaldi
: Der geheime Auftrag Roman. »Ein grandioser, frischer Blick auf Leonardo da Vinci.« Corriere della Sera
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641251475
: 1
: CHF 4.50
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein Mailand voller Geheimnisse. Ein toter Münzfälscher. Ein unerwarteter Auftrag für Leonardo da Vinci.

Leonardo da Vinci, der als genialer Künstler schon weit über die Alpen hinweg berühmt ist, sitzt in der Klemme: Ludovico Sforza, Herzog von Mailand und sein wichtigster Auftraggeber, fordert ihn auf, den Tod eines Münzfälschers schnellstmöglich aufzuklären. Sollte Leonardo dieser »Bitte« nicht nachkommen, könnte man seine nächtlichen Leichenstudien nicht länger geheim halten. In Sorge, an den Pranger gestellt zu werden, macht sich Leonardo an die Ermittlungen. Doch er ahnt schon bald, dass er mit der Lösung des Falls auch selbst in Verdacht geraten wird …

Der Bestsellerautor Marco Malvaldi erweckt das Mailand der Renaissance mit seinen Intrigen am Hof, den neuesten Errungenschaften des Kreditwesens sowie dem epochalen Streben nach Erkenntnis mit erzählerischer Kraft anschaulich zum Leben. Mit spannenden Details und erfrischendem Humor zeigt er das Universalgenie Leonardo in einem neuen Licht.

»Ein faszinierender, kenntnisreicher aber auch sehr humorvoller historischer Roman!« Rai Cultura

Marco Malvaldi, geboren in der Toskana, hat Chemie studiert und arbeitete zunächst als Wissenschaftler. 2007 veröffentlichte er seinen ersten Toskana-Krimi mit dem Barbesitzer Massimo der"Bar Lume", der sofort zu einem großen Erfolg wure. Zahlreiche weitere Bände folgten. Sein Roman über Leonardo da Vinci, für den der Autor jahrelang recherchierte, stand in Italien monatelang an der Spitze der Bestsellerlisten und fand auch international große Beachtung.

Zwei

»Oh, Messer Leonardo, welch eine Freude, Euch zu sehen.«

Ludovico il Moro stand inmitten des weiten Hofes, der als Waffenplatz bekannt war, und winkte Leonardo zu sich. Neben ihm stand, hager und gnatzig, der herzogliche Steuereinnehmer, Cavalier Bergonzio Botta, dem stets ein dickes Hauptbuch unter dem Arm klemmte.

»Eurer Herrlichkeit zu Diensten«, antwortete Leonardo zögerlich. Man wusste nie genau, weshalb Ludovico einen einberief. Es konnte Begeisterung sein, wie an dem Tag nach dem Paradiesfest, als der Herr von Mailand Leonardo vor versammeltem Hofstaat mit Lobeshymnen überschüttet hatte, oder aber das genaue Gegenteil.

»Kommt nur, kommt«, sagte Ludovico mit heiterem Lächeln. »Herr Schatzmeister, ich glaube, der Kämmerer ruft nach Euch.«

Das wiederum war eine nicht allzu renaissancehafte Art, den Herrn Kammerschatzmeister aufzufordern, die Fliege zu machen, da der Herr von Mailand mit Leonardo unter vier Augen plaudern wollte. Nach einer Verbeugung, bei der er sich bereits rückwärts zu entfernen begonnen hatte, wandte sich Bergonzio Botta um und ging in Richtung Santo Spirito davon. Schweigend ließ Ludovico den Blick umherwandern, ohne Leonardo anzusehen, dann schritt er gemächlich auf das mächtige Südportal zu und bedeutete Leonardo, ihm zu folgen.

»Eure Herrlichkeit scheinen heute Morgen besonders frohgemut zu sein«, versuchte Leonardo die Stimmung seines Brotgebers zu ergründen.

»Das bin ich, Messer Leonardo, das bin ich«, entgegnete Ludovico noch immer lächelnd und ohne innezuhalten. »Und wisst Ihr, weshalb?«

»Ich hoffe, Eure Herrlichkeit haben die Güte, mir den Grund Eures Frohmuts mitzuteilen.«

»Der ist kein Geheimnis«, erwiderte der Moro. »Nicht mehr. Kaiser Maximilian I. erweist uns die Ehre, unsere innig geliebte Nichte Bianca Maria zur Heiligen Weihnacht heimzuführen. Das Geschlecht der Sforza vereint sich mit dem Kaiser, Messer Leonardo.«

Na bitte. Seit Monaten versuchte Ludovico, dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Bianca Maria Sforza unterzujubeln, und umschmeichelte ihn mit fortwährenden Freundschaftsbezeigungen und vor allem mit einer schwindelerregenden Mitgift. Das höfische Bettgeflüster sprach von vierhunderttausend Dukaten, was mehr als die Hälfte der Jahreseinkünfte des Herzogtums ausmachte. Das wäre ungefähr so, als würde der heutige Wirtschaftsminister seine Tochter dem Präsidenten der Vereinigten Staaten versprechen und ihr die Hälfte des italienischen Steueraufkommens als Heiratsgut mitgeben – was in die Milliarden ginge.

»In den ersten Novembertagen werden wir mit dem Hochzeitszug aufbrechen, Messer Leonardo. Und es wird gewiss nicht schwer sein, den Aufbruch der Braut vorzubereiten und unsere Herzensbindungen, unsere Schätze und unser Gefolge hier im Kastell zu versammeln, ein wahres Kinderspiel. Und wisst Ihr, warum?«

Oh, oh!

Selbst für einen Herrn seiner Zeit hatte Ludovico il Moro eine überaus hohe Bildung erfahren, obschon die griechische Philosophie ein wenig zu kurz gekommen war. Dennoch schien er die sokratische Dialektik recht mühelos verinnerlicht zu haben, anhand derer man seinem Gegenüber die gewollte Antwort schlicht dadurch entlockt, dass man ihn in die Enge treibt. Wenn der Moro deinen Nacken mit zärtlichen Küssen bedeckt, dann sieh dich vor, pflegte man bei Hofe zu sagen: Gleich reißt er dir von hinten das Kleid hoch.

»Nein, Eure Herrlichkeit.«

»Weil wir diesen großartigen Hof haben«, sagte Ludovico und deutete mit einer ausholenden Handbewegung auf den vom Kastell umsäumten Waffenplatz.« Diesen wunderbar weiten, geräumigen Platz. Und gegenüber …« Mit der offenen Ha