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Akazie. Intuitiv, zurückhaltend und dezent. Diese naturgegebenen Eigenschaften öffnen alle Türen. Sie sucht eine tiefe Verbindung mit allem, was sie umgibt, weckt Gefühle und Emotionen. Sie ist eine sensible Beobachterin und für alles empfänglich.
In Paris ist kein Tag wie der andere.
Der Satz prangte in elegant geschwungenen Lettern auf der nüchternen Fassade des Gebäudes in Montparnasse, in dem sich der neue Sitz der Parfümerie Absolue befand. Ein Meisterwerk der modernen Architektur, Wände aus Stahl und Glas, so dick, dass die wärmenden Strahlen der Morgensonne sie nicht durchdringen konnten.
Die großzügig geschnittenen Räume im Erdgeschoss waren lichtdurchflutet, das Eingangsportal war von Kübeln mit Hortensienbüschen flankiert.
Abwesend betrachtete Elena Rossini die vorbeischlendernden Passanten durch die breite Schaufensterfront. Es stimmte, was der Claim behauptete: Paris war eine magische Stadt.
Sie selbst wusste das nur zu gut, denn sie hatte hier die Liebe ihres Lebens kennengelernt, Caillen McLean. Und hier wuchs auch ihre gemeinsame Tochter Beatrice auf, die sie liebevoll Bea nannten.
Die Stadt und ihr Charme standen nicht zur Debatte. Sondern etwas ganz anderes.
Ihre Geschäftspartnerin Monique Duval hatte einen Stararchitekten mit der Einrichtung der Parfümerie beauftragt. Massive Tische aus dunklem Holz und Edelstahlelementen hatten den alten Tresen ersetzt, der an anderer Stelle einen Ehrenplatz bekommen hatte. Auch das in die Jahre gekommene Sofa mit dem verwaschenen Überzug war verschwunden. Die Kunden konnten sich jetzt auf grazile Bänke setzen und verschiedene Düfte durchprobieren.
So schwebte es Monique vor.
Von der Decke hingen schwarze schalenförmige Designerleuchten, die kaltes Licht spendeten, damit es nicht mit den Düften um die Aufmerksamkeit der Kunden buhlen konnte. Die wenigen Bilder an den Wänden stammten von namhaften Malern und waren die einzigen Farbkleckse in all dem Weiß, Schwarz und Braun.
Modern, funktional, ausdrucksstark.
Eine Parfümerie auf der Höhe der Zeit.
Elena hasste diesen Ort. So sehr, wie sie ihre alte Parfümerie in der Rue du Parc-Royal im Marais geliebt hatte.
Doch ihr verträumter Laden, den sie vor sieben Jahren, drei Monaten und zwölf Tagen eröffnet hatte, war nur mehr eine ferne Erinnerung. Und das konnte sie niemandem vorwerfen, das hatte sie allein zu verantworten.
»Was hältst du davon, wenn wir einen Tee trinken?«, fragte sie Monique und trat neben sie.
Ihre Freundin seufzte: »Das würde ich gern, aber ich habe zu viel um die Ohren. Du weißt nicht zufällig, wo ich die Geschäftszahlen des letzten Quartals finde?«
Elena überlegte, dann fiel ihr ein, dass sie eine Kopie auf dem Laptop gespeichert hatte. Sie deutete auf einen Ordner auf dem Desktop. »Hier, schau mal.«
Monique hatte bereits alle E-Mails abgearbeitet, zu deren Beantwortung sie gestern nicht mehr die Zeit gefunden hatte. Auf dem Schreibtisch wartete eine beträchtliche Menge Briefe darauf, endlich verschickt zu werden.
»Danke, Chérie.«
»Die Unterlagen sind beim Steuerberater. Lass sie dir doch einfach schicken. Brauchst du sonst noch etwas?«
Endlich hörte Monique auf zu schreiben und hob den Kop