: Wolff-Christoph Fuss
: Geisterball Meine irre Reise durch verrückte Fußballzeiten - Das neue Fuss-Ball-Buch
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641277628
: 1
: CHF 3.60
:
: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
: German
: 208
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Deutschlands beliebtester Fußballkommentator über die wohl denkwürdigste Bundesliga-Saison aller Zeiten

Auch in Zeiten von Corona wird Fußball gespielt. Doch die Fans müssen größtenteils draußen bleiben aus den Stadien. Aber wenn kaum jemand auf der Tribüne sitzen darf, gibt es besonders viel zu erzählen: neue Geschichten, neue Dramen, neue Pannen, neue Lacher, neue Tränen. Deutschlands populärster Fußball-Kommentator Wolff-Christoph Fuss ist von Geisterspiel zu Geisterspiel gereist und berichtet von leeren Arenen, Dramen auf dem Rasen und drumerherum und einem Traumfinale in der Champions League. Mit Mund-Nasen-Schutz, aber ohne Maskerade zeigt er, warum der Fußball gerade jetzt für uns alle so wichtig ist. Ein Fuss-Ball-Buch mit Witz, mit Charme, mit Inhalt.

Wolff-Christop Fuss gilt als populärster TV-Fußballkommentator des deutschsprachigen Raums. Seine Kommentare wurden mehrfach ausgezeichnet und sind, teils zu geflügelten Worten geworden, bei Fans und Zuschauern in aller Munde. Er ist seit über 20 Jahren fürs Fernsehen tätig: DSF, Sport1, Premiere, Sat.1, seit 2012 für Sky. 2014 veröffentlichte er den Bestseller »Diese verrückten 90 Minuten. Das Fuss-Ball-Buch«.

Das Ende

FREITAG, 13. März 2020. Das Derby Dortmund gegen Schalke, das ich am nächsten Tag kommentieren sollte, ist also abgesagt. Noch am Tag zuvor hatte es geheißen, alles finde wie geplant statt. Ohne Zuschauer, versteht sich, aber ja, es finde statt. Noch am Vormittag des 13. mussten sämtliche persönliche Daten für die Akkreditierung im Dortmunder Stadion hinterlegt werden. Das kannte ich für gewöhnlich nur von Champions League Finals oder großen Turnieren. Und dort waren eher Sicherheits- als Gesundheitsaspekte der Grund. Die Frage »Hast du Fieber?« war mir durchaus schon im Rahmen von Fußballübertragungen gestellt worden. Allerdings eher während oder nach, nicht aber vor den Spielen. Jedenfalls war auch geplant, jeden der circa 350 handverlesenen Anwesenden einer Fiebermessung zu unterziehen und beim kleinsten Anhaltspunkt für erhöhte Temperatur einen unmissverständlichen Platzverweis zu erteilen. Aber mit Pauken und Trompeten. Vielleicht würde man auch umgehend festgenommen und beim Gesundheitsamt Dortmund in einem Kellerverlies in Gewahrsam genommen. Bei Brot und Wasser gehalten, und in regelmäßigen Abständen kommt einer in Imker-Montur vorbei und misst die Temperatur. Wer weiß das schon? Und das alles nur wegen ein paar mutierter chinesischer Fledermäuse, die über Ischgl nach Heinsberg kamen. Warum auch immer, und wie auch immer. Geflogen, wahrscheinlich. Der Kreis Heinsberg liegt nicht weit weg von Dortmund. VieleBVB-Fans wohnen dort, auch Schalker, auch Gladbacher. Am vorangegangenen Samstag spielte Mönchengladbach gegen Dortmund. Vor Zuschauern. Ausverkauft, klar, weil Borussia-Duell, weil Meisterschaftsduell. Trotzdem wurde es Zuschauern aus dem Kreis Heinsberg freigestellt, das Spiel zu besuchen. Sie durften ihre Karten zurückgeben, umtauschen, bekamen ihr Geld zurück oder erhielten stattdessen Gutscheine für ein kommendes Spiel ihrer Wahl. Viel Kulanz und viel Tamtam um einen Schnupfen. Dass das durchaus seine Berechtigung hatte, war im Kreis Heinsberg da bereits klar, weil dort schon tagelang Menschen von Medizinern in voller Vermummung getestet, untersucht und behandelt wurden. Unter Quarantäne standen, sich in häuslicher Isolation befanden, intensivmedizinisch versorgt werden mussten, an den Folgen verstarben. Von wegen Schnupfen.

Ich kommentierte am Mittwoch vor dem Derby Paris Saint-Germain gegen Borussia Dortmund. In der Champions-League-Konferenz für Sky. Vor Geisterkulisse. Es gab in der schwarz-gelben Delegation nicht wenige, die das für übertrieben hielten. Einige tausend Anhänger vonPSG versammelten sich rund um den Parc des Princes. Vorschriftsmäßig mit Bengalos im Turnbeutel. Dicht an dicht. Bereit, den Viertelfinaleinzug mit der Mannschaft zu feiern. Die Polizei übte sich in deeskalierender Zurückhaltung. Im Stadion verzweifelte die Dortmunder Mannschaft am Schweigen von den Rängen. Ein teilnahmsloser Ritt des Dortmunder Ensembles. Bei einer Atmosphäre wie beim Feierabendkick auf der Betriebssportanlage. Durchaus ergebnisorientiert, aber mit deutlich größerem Interesse nach einem langen Tag an Hochgeistigem nach Abpfiff. Dortmund schlich erst durchs Spiel und dann von dannen. Paris unter Trainer Thomas Tuchel stürmte erst durchs Spiel und dann in den Stadionumlauf, um mit den ab diesem Zeitpunkt endgültig eskalierenden Fans den Viertelfinaleinzug zu feiern. Erstmals seit vier Jahren. Im Parallelspiel an diesem Abend empfing derFC Liverpool zeitgleich Atlético Madrid. Das Stadion an der Anfield Road war randvoll. In vielen Belangen. Die Anhänger des Titelverteidigers waren bereit für eine magische Nacht und will