: Frank Martela
: Das Leben ist wunderbar Was eine sinnvolle Existenz ausmacht
: Karl Blessing Verlag
: 9783641274603
: 1
: CHF 17.90
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: Philosophie
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Generatio en von Gelehrten haben sich über den Zweck des menschlichen Daseins und darüber, wie das Leben gelingen kann, Gedanken gemacht. Der Philosoph Frank Martela bietet eine einzigartige Perspektive auf die Frage nach dem Sinn des Lebens und untersucht, was unserem Dasein Bedeutung verleiht, warum wir zur Unzufriedenheit mit der Gegenwart und einer Sehnsucht nach Höherem neigen. Auf einer unterhaltsamen und humorvollen Reise durch die Geistesgeschichte - von Seneca und Aristoteles bis hin zu Woody Allen und Yuval Harari - und deren Abgleich mit der Gegenwart findet er zu einer so simplen wie sensationellen Antwort: Es geht nicht um den Sinndes Lebens sondern um den Sinnim Leben - und diesen zu generieren haben wir selbst in der Hand.

Frank Martela, geboren 1982, ist Professor für Philosophie an der Universität von Helsinki und Dozent für Psychologie an der Universität von Tampere. Er lebt mit seiner Familie in Helsinki.



Da wir den Kontakt zu den großen Erzählungen verloren haben, mit denen unsere Vorfahrinnen und Vorfahren einst ihr Verlangen nach Sinn stillten, haben wir die menschliche Existenz psychologisiert und auf ein einfaches Modell der Schmerzvermeidung und Lustmaximierung reduziert. Glück hat den Raum gefüllt, der zuvor von transzendenten Werten als einzig erstrebenswertes Lebensziel besetzt war. So hat sich Glück zu einem der beliebtesten Lebensziele der modernen westlichen Kultur entwickelt. Es ist auch ein lukratives Geschäft: Wurden im Jahr 2000 nur fünfzig Bücher zu dem Thema veröffentlicht, so ist die Zahl acht Jahre später auf knapp viertausend angewachsen.22 Inzwischen stellen fortschrittliche Unternehmen »Chief Happiness Officers« ein, die sich um das Wohl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sollen, und Produkte wie Softdrinks oder Parfums werden als abgefülltes Glücksversprechen vermarktet.

Selbst Regierungen schenken dem Thema zunehmend Beachtung. DerWorld Happiness Report, der rund 156 Länder danach bewertet, für wie glücklich ihre Bürgerinnen und Bürger sich halten, ist erstmals 2012 erschienen und wird seitdem jährlich mit Spannung erwartet. Seit den 1970er-Jahren proklamiert das im Himalaja gelegene Bhutan, die Regierung des kleinen Königreichs lege ihr Augenmerk darauf, das Bruttonationalglück zu steigern, nicht das Bruttoinlandsprodukt. Wo man auch hinsieht, geht es um das Thema: in Magazinen, Büchern, Liedern, Werbespots und Marketingkampagnen und auch in wissenschaftlichen Publikationen. Man kann mit Recht sagen, dass sich die egalitäre Vorstellung von einem jederzeit und überall verfügbaren Glück zu einer Obsession entwickelt hat, die nicht ausschließlich als persönliches Recht verkauft wird, sondern auch als persönliche Verantwortung.

Das englische Worthappiness, welches sich von dem mittelalterlichen Begriffhap, etwa »Glück« oder »Zufall«, ableiten lässt, bezog sich ursprünglich eher auf günstige Fügungen des Schicksals und gutes Gelingen als auf einen inneren Zustand von Wohlbefinden.23 Vom Italienischen bis zum Schwedischen bezeichneten die europäischen Wörter für »Glück« ursprünglich das Ergebnis günstiger Umstände, inklusive Finnisch, wo das Wort für Glück,onnellisuus, vom selben Wort abstammt wieonnekkuus, zu Deutsch »Glück haben«. Die deutsche Sprache hat der Welt das WortGlück geschenkt, welches sich bis heute auf beides beziehen kann: »glücklich sein« und »Glück haben«. Diese Herleitungen zeigen, dass man unter Glück eher etwas Zufälliges verstand, etwas, das man nicht unter Kontrolle hatte; etwas, das in den Händen der Götter oder des Schicksals alias Fortuna lag, wie der Mönch in ChaucersCanterbury-Erzählungen sagt: »So wird Fortunas Rad herumgeschwungen; Und heute weint, wer gestern noch gelacht.«