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Ein toter Mann
Natürlich sagten die Leute in den Cause-Häusern Sportcoats Tod schon seit Jahren voraus. In jedem Frühjahr, wenn die Bewohner des Projects aus ihren Löchern krochen und wie Murmeltiere zurück auf die Plaza kamen, um frische Luft zu schnappen – oder was es davon im Causeway District noch gab, sie war weitgehend vergiftet von der nahen Kläranlage –, sahen sie Sportcoat, nach einer Saufnacht bei Rufus mit dessen King-Kong-Fusel oder nachdem er sein letztes Geld beim Whist in Silky’s Bar drüben in der Van Marl Street verspielt hatte, nach Hause torkeln und sagten: »Der iss fertig.« Als ihn damals, ’58, die Grippe erwischte, die das halbe Haus 9 niederstreckte und Diakon Erskine vom Mighty Hand Gospel Tabernacle zum Himmel hinaufschickte, erklärte Schwester Bum-Bum: »Jetzt iss er erledigt.« Als ihn ’62 der Krankenwagen nach seinem dritten Schlaganfall holte, murmelte Ginny Rodriguez aus Haus 19: »Der iss am Ende.« Im selben Jahr gewann Miss Izi von der puerto-ricanischen Souveränitäts-Gesellschaft bei einer Tombola Karten für ein Spiel der New York Mets im Polostadion. Sie sagte voraus, dass die Mets, die in dem Jahr hundertzwanzig Spiele verloren hatten, gewinnen würden, und das taten sie, was Miss Izi zwei Wochen später dazu ermutigte, Sportcoats Tod vorauszusagen. Dominic Lefleur, die haitianische Sensation, war gerade aus Port-au-Prince zurück, nach dem Besuch bei seiner Mutter, und Miss Izi sah, wie Sportcoat direkt vor seiner Wohnung im vierten Stock zusammenbrach, nachdem ihn Dominics merkwürdiges Virus erwischt hatte. »Flatsch-platsch lag er da!«, rief sie. Der war fertig. Weg. Abgemeldet. Und dann kam abends auch noch der schwarze Wagen von der städtischen Leichenhalle, um einen Toten aus dem Haus zu holen, was ihr Beweis genug war und sie es gleich am nächsten Morgen weiterverbreitete, nur dass sich rausstellte, es war der Bruder der haitianischen Sensation gewesen, El Haji, der zum Islam konvertiert war, damit seiner Mutter das Herz gebrochen hatte und am ersten Tag als Fahrer eines City-Busses mit einem Herzinfarkt zusammengebrochen war. Am ersten Tag, nachdem er drei Jahre versucht hatte, beim New York Transit reinzukommen. Stell sich das einer vor.
Trotzdem, Sportcoat schien todgeweiht. Selbst die gut gelaunten Seelen von der Five Ends Baptist – wo Sportcoat Diakon und Präsident des Five-Ends-Verbands der Grand-Brotherhood-of-the-Brooklyn-Elks-Loge Nr. 47 war, dem für die erkleckliche Summe von sechzehn Dollar fünfundsiebzig (jährlich zu zahlen, bitte nur per Anweisung) von den obersten Bossen der Five Ends Baptist garantiert wurde, »sämtliche Logenmitglieder der Brooklyn Elks, die ein letztes Gebet brauchen, unter die Erde zu bringen, zum Selbstkostenpreis natürlich«, mit Sportcoat als Ehren-Sargträger – selbst diese gut gelaunten Seelen sagten seinen Tod voraus. »Sportcoat«, meinte Schwester Veronica Gee von den Five Ends nüchtern, »ist ein kranker Mann.«
Sie hatte recht. Mit seinen einundsiebzig litt Sportcoat unter so gut wie allen dem Menschen bekannten Krankheiten. Er hatte Gicht. Er litt unter Hämorrhoiden und rheumatischer Arthritis, die ihn an bedeckten Tagen wie einen Buckligen dahinhumpeln ließ, so sehr schmerzte sein Rücken. An seinem linken Arm hatte er eine zitronengroße Zyste, und ein Bruch bescherte ihm eine orangengroße Schwellung in der Leiste. Als sie grapefruitgroß wurde, empfahlen die Ärzte eine Operation. Sportcoat hörte nicht auf sie, und ein freundlicher Sozialarbeiter im örtlichen Gesundheitszentrum schickte ihn zu jeder erdenklichen alternativen Therapie. Sie versuchten es mit Akupunktur, Magn