Kapitel 1
Eine Frau muss ins Kleid passen!
»Blödes Ding, geh doch zu«, murmelte ich gepresst und versuchte, meinen Bauch noch weiter einzuziehen. Gleich würde mein Nabel an der Wirbelsäule andocken.
»Kann ich Ihnen helfen?«
Eine perfekt manikürte Hand schob sich zwischen den Vorhang.
»Nein!«, zischte ich.
Die Hand zog sich sofort zurück.
Sollte die Verkäuferin es auch nur wagen, einen Blick in die Kabine zu werfen, bevor ich es geschafft hatte, den Reißverschluss an der Seite des Kleides hochzuziehen, dann würde ich sie mit meinem BH erdrosseln. Okay … Vielleicht nicht gleich erdrosseln, schließlich war ich überzeugte Pazifistin, aber … aber ich würde ihr mindestens einen dicken, fetten Pickel mitten auf ihre perfekte kleine Nase wünschen! Was zugegebenermaßen ziemlich kindisch war.
»Ich kann das Kleid auch eine Nummer größer bringen. Soll ich?«, ließ sie nicht locker, obwohl sie mir vorhin davon abgeraten hatte, nachdem sie mit einem Röntgenblick meine Figur taxiert hatte. Umso mehr wollte ich ihr beweisen, dass es passte.
»Nein danke!«, knurrte ich, während sich Schweißperlen auf meiner Stirn bildeten. Es gab für mich eine Grenze, was Kleidergrößen betraf, und die durfte ich nicht überschreiten. Auch nicht für dieses Kleid. Sonst würde ich irgendwann völlig aus der Form laufen. Das musste ich unbedingt vermeiden. Ein kurzer Blick in den Spiegel, und ich erschrak über die bedenkliche rote Farbe, die mein Gesicht vor Anstrengung inzwischen angenommen hatte. Trotzdem würde ich auf keinen Fall aufgeben! Nur noch etwa sieben Zentimeter, dann hätte ich es geschafft. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, versuchte, mich noch ein klein wenig mehr zu strecken, die Luft anzuhalten und – Bingo! Mit einem energischen letzten Zug glitt der kleine Schieber ganz nach oben.
Ja! Ich ballte die Sieger-Faust, als hätte ich einen Marathon gewonnen. Und irgendwie fühlte es sich fast genauso an. Zumindest hatte ich das dringende Bedürfnis, mich auf den Boden zu werfen und hechelnd nach Luft zu schnappen, während ich mir eine Flasche Wasser über den Kopf goss und mir irgendjemand anerkennend auf die Schulter klopfte. Egal in welcher Reihenfolge das dann ablaufen würde.
Nun setzte ich die Brille auf und wagte es, mich ganz im Spiegel zu betrachten. Das, was ich sah, es war … nun ja …ehrlich gesagt war es all die Mühe nicht wert gewesen.
Verdammt!
Aus meiner Kehle kam ein enttäuschtes Glucksen.
Das traumhafte Etuikleid, um das ich seit einer Woche herumschlich und bei dem ich mir sicher war, dass ich darin einfach nur fantastisch aussehen würde, quetschte meinen üppigen Kö