Abbottabad, Pakistan – 1. Mai 2011
Es war eine ruhige Nacht mit einer leichten Brise bei sternklarem Himmel in der Vorstadt von Abbottabad im Nordosten Pakistans. Schwach schimmerte das Mondlicht und warf seinen fahlen Schein auf eine anmutige Landschaft mit kleinen bebauten Feldern, schnell fließenden Flüssen und frühlingshaft blühenden Bäumen. Die Straßen waren menschenleer, die Fensterläden geschlossen, und die Bewohner lagen in tiefem Schlaf.
Die meisten Anwesen in diesem Bezirk hatten eine stattliche Größe und eine solide Bausubstanz. Sie gehörten Akademikern, wohlhabenden Händlern und reichen Unternehmern. Es war eine beliebte, begehrte und dennoch ziemlich unauffällige Gegend.
Doch etwas war seltsam in dieser langweilig gleichförmigen Vorstadt. Am Ende eines Feldwegs und etwas abseits von den Nachbarn gelegen, fiel ein Anwesen aus der Reihe. Es bestand aus mehreren kleineren, über ein weitläufiges, dreieckiges Grundstück verstreuten Gebäuden. Sie waren alle aus denselben Materialien gebaut und ähnelten den Häusern auf den Nachbargrundstücken weitestgehend.
Aber es waren die Details, durch die sich die Gebäude unterschieden. Die zur Abwehr von Dieben mit Stacheldraht versehenen Außenmauern waren höher, als man es üblicherweise für nötig hielt; sie erreichten stellenweise fünfeinhalb Meter.
Auch das Hauptgebäude war größer als üblich, selbst bei Großfamilien, wie sie für die pakistanische Kultur typisch sind. Vor wenigen Jahren war ein zweites Stockwerk mit einem separaten Balkon aufgesetzt worden. Die Besitzer schienen großen Wert auf Privatheit zu legen. Das Hauptgebäude hatte nur wenige Fenster, und die, die es gab, wurden selten geöffnet.
Die Bewohner verließen das Anwesen nur sporadisch und nahmen nicht am Leben der Gemeinde teil. Sie redeten nicht mit den Nachbarn, ließen ihre Kinder nicht zum Spielen nach draußen und keine Fremden herein.
DasWaziristan Haveli, wie man das Anwesen hinter vorgehaltener Hand nannte, war einer jener Orte, die Spekulationen und Klatsch anheizten. In der Nachbarschaft wurde von dunklen Geschäften, illegalem Drogenhandel undGeldwäsche gemunkelt. Manche verstiegen sich sogar zu der wilden Theorie, dass das Anwesen einem berühmten Schauspieler oder Prominenten als diskreter Rückzugsort diente.
Doch alle Spekulationen brachten nichts. Die Bewohner vonWaziristan Haveli mochten unnahbar und geheimnisvoll sein, aber sie ließen sich nichts zuschulden kommen, nichts, was ihre Nachbarn gegen sie aufgebracht hätte.
Sollen sie doch in Ruhe hinter ihren hohen Mauern leben, wenn sie das wollen, lautete das philosophische Urteil der Männer in den örtlichen Teestuben.Jeder hat das Recht auf Privatsphäre. Und solange er keinen Ärger macht, geht es keinen was an.
Keiner von ihnen hat wissen können, dassWaziristan Haveli, noch bevor die Nacht zu Ende ging, einer der bekanntesten und berüchtigtsten Orte der Welt werden würde.
Es begann mit einem leisen, rhythmischen Klopfen aus nordwestlicher Richtung, das zunäc