: Ta-Nehisi Coates
: The Beautiful Struggle Der Sound der Straße
: Karl Blessing Verlag
: 9783641275822
: 1
: CHF 3.60
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: Biographien, Autobiographien
: German
: 304
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ta-Nehisi Coates wächst in den 1980er-Jahren in Baltimore auf - als die Stadt am Abgrund taumelt: Armut und Drogenkriminalität prägen den Alltag, Chaos und Gewalt stellen für den schwarzen Jungen eine permanente Bedrohung dar. Er muss schnell lernen, sich in dieser feindlichen Umgebung zu behaupten - und sein Vater Paul ist ihm ein guter Lehrer: Der Black-Panther-Aktivist und autodidakte Verleger lehrt Ta-Nehisi wie man auf den Straßen von Baltimore überlebt, wie man vorankommt im Leben und es schließlich sogar bis an die Universität schafft.

THE BEAUTIFUL STRUGGLE ist eine bewegende Vater-Sohn-Geschichte über die Herausforderungen der gesellschaftlichen Realität, in die wir hineingeboren werden, und über die Liebe, die uns davor beschützt.

Ta-Nehisi Coates, geboren 1975 in Baltimore, ist einer der angesehensten Intellektuellen der USA. Mit seinem EssayPlädoyer für Reparationenstieß er eine landesweite Diskussion zur Aufarbeitung der Sklaverei an. Zwischen mir und der Welt, für das er 2015 den National Book Award erhielt, ist in den USA eines der meistverkauften Bücher der vergangenen Jahre. In seinem EssayWe Were Eight Years In Power. Eine amerikanische Tragödie (2017) stellte Coates die These auf, dass es sich bei Donald Trump um den ersten weißen Präsidenten der USA handele, da seine ganze Politik in klarer Abgrenzung zu Obama stehe. Coates schreibt regelmäßig fürThe Atlantic, größtenteils zum Thema struktureller Rassismus und »White Supremacy«.Der Wassertänzer ist sein erster Roman. Er lebt mit seiner Familie in New York.

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There lived a little boy who was misled …1

Sie stellten uns unten auf der Charles Street, und sie waren genau so, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Sie schwenkten keine Fahnen, trugen keine Amulette, gaben sich keine geheimen Zeichen. Und trotzdem spürte ich ihren furchtbaren Namen aus Legenden aufsteigen. Sie waren der Wahnsinn. Trugen Hollis-Stetsons, aber kein Gold, ihre Schatten riesig, so als könnten sie dich aus einem Block Entfernung mit drei Hieben auf die Matte schicken – Jab, Uppercut, Jab. Sie hatten keine Augen. Sie brüllten, johlten, feuerten sich gegenseitig an, tanzten wie wild herum und riefen: Rock ’n’ Roll is here to stay. Der Mond duckte sich in seinen schwarzen Mantel, als die Murphy Homes anrückten und die Fell’s-Point-Dilettanten auf uns zustiefelten.

Schon ihre Zahl verriet sie – die anderen tauchten nie in solchen Rudeln auf. Sechs, acht um uns herum und Trupps an jeder Kreuzung. Ich war mit den Gedanken wie immer woanders, irrte durch die Caves of Chaos oder war noch ganz gebannt davon, wie Optimus Prime sich in einen Truck verwandelt hatte. Es dauerte, bis ich einigermaßen klar wurde. Big Bill sah sie von Weitem, wurde nervös, aber ich kapierte nichts, selbst dann nicht, als sie meinem älteren Bruder einen rechten Haken verpassten, wenn auch so ungeschickt, dass ich ihn für eine Begrüßung hielt.

Ich bekam erst mit, was abging, als seine Fäuste Löcher in die Luft boxten. Bill war k.o.; und Murphy Homes gingen auf mich los.

Baltimore war in jenen Tagen gespalten, aufgeteilt unter Gangs, die wie die örtlichen Bürgervereinigungen hießen. Walbrook Junction hatten das Sagen, bis sie es mit North und Pulaski zu tun bekamen, die einen feige und ehrlos vor der eigenen Freundin fertigmachen konnten.

Murphy Homes aber thronten über allen. Das Maß ihrer Skrupellosigkeit machte sie zum Mythos. Wo sie auch auftauchten – in der Old Town, im Shake& Bake oder im Hafen –, zertrümmerten sie Knie, schlugen Fressen ein. Im ganzen Land hatte ihr Name einen Klang: Murphy Homes verprügelten Nigger* mit Tankstutzen. Murphy Homes rissen dir das Rückgrat raus und streuten Salz in die Wunden. Murphy Homes hatten ihre Augen überall, kamen lautlos wie auf Fledermausschwingen und feierten schwarze Messen auf Druid Hill.

Ich wollte zu Bill, aber sie schnitten mir den Weg ab. Ein Goblin löste sich aus der Meute –

Fuck, wo willst du hin, Pussy?

– und hätte mich mit seiner Rechte fast ausgeknockt. Im selben Moment wurden meine Converse zu Stollenschuhen; ich schoss los, trat Dellen und Riefen in den Beton. Das Straßenlicht flackerte, wogte um mich herum, während ich ein paar Knöchel brach, vorbeiflog, und als die Banditen nach mir langten, mich aufhalten wollten, war ich bloß noch Wunschvorstellung und Lufthauch. Ich rannte zurück zum Lexington Market. Von Bill keine Spur. Ich schaffte es zu einer Telefonzelle.

Dad, sie sind hinter uns her.

Okay, Sohn, such dir einen Erwachsenen. Bleib möglichst in seiner Nähe.

Ich steh vorm Lexington Market. Hab Bill verloren.

Sohn, ich bin unterwegs.

Ich hatte eine Grenze überschritten, was schlimmer war als Dads schwarzer Ledergürtel – ich wusste, wie das enden würde. Aber ich schwör’s bei Tuckers Kobolden, das, was da in Kohorten kam, das warenlost boys, die nichts zu verlieren hatten, die in Rudeln um die Blocks zogen, überall Randale machten, eine echte Meute, grausam und wahllos. Und als könnten Lebensjahre mich schützen, stellte ich mich zu einem Mann in Dads Alter, der an der Bushaltestelle wartete. Er musterte mich ungerührt und blickte dann wieder i