: Martin Cruz Smith
: Die Spur des Bären Ein Arkadi-Renko-Thriller
: C.Bertelsmann Verlag
: 9783641262839
: 1
: CHF 2.70
:
: Spannung
: German
: 272
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»›Die Spur des Bären‹ zeigt Cruz Smith in Bestform: grandios erzählt, mit lakonischen Dialogen und einem zwar leicht ergrauten, aber mutigen Helden.« Financial Times

Der legendäre Moskauer Ermittler Arkadi Renko ist in größter Sorge um seine ehemalige Geliebte Tatjana. Die mutige Enthüllungsjournalistin ist nicht planmäßig aus Sibirien zurückgekehrt. Dort wollte sie den politischen Dissidenten Kusnezow porträtieren – einen charismatischen, aber auch skrupellosen Mann, der das ehrgeizige Ziel verfolgt, die Dauerherrschaft Putins zu brechen. Getrieben von bösen Vorahnungen, aber auch rasender Eifersucht, begibt sich Renko auf eine riskante Reise. Er merkt schnell, dass in der unwirtlichen, eisigen Natur Sibiriens ganz eigene Gesetze herrschen. Doch erst eine grausame Bärenjagd, von der er sich wichtige Insider-Informationen verspricht, führt ihm vor Augen, in welche gefährlichen politischen Fänge Tatjana geraten ist …

Martin Cruz Smith, 1942 in Philadelphia geboren, gelang mit dem Thriller"Gorki Park" ein Welterfolg, der auch in der Verfilmung mit William Hurt und Lee Marvin ein Millionenpublikum begeisterte. Seither hat der russische Ermittler Arkadi Renko eine große Fan-Gemeinde. Martin Cruz Smiths Romane wurden bereits in 14 Sprachen übersetzt.

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Saschas Augen saßen in einem dicken Kopf, der rund war wie ein Topf, und er musterte Arkadi wie jemanden, der an seinem Elend Anteil haben könnte. Der Bär war eine turmhohe Bestie, aber sein gewohntes Brüllen war geschwächt durch Alkohol. Sein Weibchen, Mascha, saß auf dem Hintern und drückte eine halb leere Champagnerflasche an die Brust. Auf einer Plakette am Geländer des Zoogeheges stand: »Sascha und Mascha. Amerikanische Braunbären (Ursus arctos horribilis)«. Das klang halbwegs richtig, fand Arkadi.

Jemand hatte die Bären befreit und ein Plakat hinterlassen, das verkündete: »Wir sind auch Tiere.« Arkadi hatte nicht vor zu widersprechen.

Um vier Uhr morgens verwandelte die Dunkelheit all das Märchenhafte des Parks in etwas Groteskes. Aus Statuen wurden Ungeheuer, Schatten bekamen Flügel. Löwen knurrten leise, und Eisbären tappten stumpfsinnig hin und her.

Arkadi war Ermittler für Spezielle Fälle, und wenn ein Bär, der im Herzen Moskaus frei herumlief, kein spezieller Fall war, wusste er nicht, was einer war. Viktor, sein Partner, war ein ausgezeichneter Detektiv, wenn er nüchtern war.

Als sie ankamen, hatte die Zoodirektorin Sascha und Mascha bereits mit barbituratgefüllten Betäubungspfeilen beschossen, die in Kombination mit dem Champagner einen berauschenden Cocktail ergaben, selbst für einenUrsus arctos horribilis.

Mascha war gegen eine Mauer gesackt. Jeder Rülpser von Sascha war eine faulige Luftblase, jedes Schnarchen dröhnte wie eine kaputte Trommel. Er hockte gerade noch träge da, zuckte dann im nächsten Augenblick hoch und fuhr mit einer massigen Pranke durch die Luft. Ein halbes Dutzend junge Zoowärter hielten Stangen wie Lanzen vor sich und umringten die Bären aus gebührendem Abstand.

Arkadi und sein Partner wurden von Viktors Schwester Nina begrüßt, der Zoodirektorin, einer zupackenden Frau in Mütze und Mantel aus Schaffell und mit einem Betäubungsgewehr.

Sie schüttelte Arkadi kräftig die Hand.

»Haben Sie weitere Hilfe gerufen?«, fragte er.

»Ich will nicht, dass die Polizei auf dem Gelände herumrennt«, sagte sie. »Deshalb habe ich euch gerufen.«

»Ichbin die Polizei«, sagte Viktor.

»Ha!«

So schätzte Nina ihren Bruder ein.

Dreißig Meter weit entfernt schwankten Sascha und Mascha auf den Karren eines Eisverkäufers zu. Gemeinsam schüttelten sie ihn, bis der Griff abbrach, dann wippten sie den Karren hin und her, bis er umfiel. Entmutigt kehrten sie mit schwerfälligem Schritt zu ihrer Mauer zurück und ließen sich zu Boden fallen.

Arkadis Vater, General Renko, hatte Bären gejagt. Er hatte ihn davor gewarnt zu glauben, man könne ihnen laufend oder kletternd entkommen. »Solltest du einem begegnen, lauf nicht weg. Ein Bär ist schneller«