1.
Maci
Der Wind schlug mir entgegen, als ich auf den leeren Landeplatz zulief. Ich hielt mir den Unterarm vor die Augen, um sie vor Kies, kleinen Ästen und Blättern zu schützen. Es war, als wollte der Sturm in einem letzten Aufbäumen, bevor er vollständig vorüberzog, mich daran hindern weiterzulaufen. Doch mich konnte nichts aufhalten. So wie nichts den Schmerz und die Angst um Trevor aufhalten konnte. Meine Beine bewegten sich wie von selbst. Schritt für Schritt. Tränen strömten über mein Gesicht, als ich die Plattform überquerte. Nichts deutete darauf hin, dass hier in den letzten zwei Tagen ein Hubschrauber gelandet wäre. Trotzdem lief ich weiter und weiter.
Ich steuerte auf die Klippen zu. Von dort oben hatten wir den Sprung in die Tiefe gewagt. Seine Worte von damals hallten in meinem Kopf wider:
Wenn wir es schaffen, über diese Klippe zu springen, ist unsere Zukunft ein Klacks. Dann können wir alles bewältigen.
Welch höhnische Worte! Ich fühlte mich so schwach wie noch nie zuvor in meinem Leben.
Meine Schritte wurden dennoch nicht langsamer, während ich mich den Klippen näherte, bis sich vor mir das raue Meer ausbreitete. Die Wellen schaukelten meterhoch und waren genauso gewaltig und dunkel wie die Gefühle in mir.
Der Wind blies an den Klippen noch stärker. Er rauschte um mein Gesicht und peitschte mein Haar nach hinten. Jede Faser meines Körpers wollte da hinunter. Ich wollte zurück zu dem Moment, als ich Hand in Hand mit Trevor über diese Kante gelaufen war. Den freien Fall ein zweites Mal fühlen und vom Meer verschluckt werden. Es war für Trevor und mich ein so bedeutender Moment gewesen. Er hatte uns enger zueinander gebracht. Nur würde ich dieses Mal in keinen ruhigen klaren Ozean eintauchen. Das hier war der sichere Tod.
Ein Hauch von einem Sprung entfernt kam ich am Abhang zum Stehen. Steine rieselten lautlos die Klippen hinunter. Der Sturm übertönte alles. Auch mein lautes Schluchzen, das meine Brust erbeben ließ und in einen lauten Schrei überging.
Es war, als könnte ich erst hier und jetzt endlich alles herauslassen, was sich in mir angestaut hatte, was ich im Bunker zurückgehalten hatte. Wir waren gefangen gewesen unter der Erde, zu fünft eingepfercht in viel zu kleine Räume. Am Ende hätten wir noch alle den Verstand verloren.
»Maci!« Karlees Stimme drang durch den Sturm zu mir durch.
Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und drehte mich zu ihr um. In ihren großen Augen spiegelte sich das blanke Entsetzen.
Ich