: Sophia Farago
: Die perfekte Braut Die Lancroft Abbey Reihe
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962153717
: Die Lancroft Abbey Reihe
: 1
: CHF 6.20
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: Historische Romane und Erzählungen
: German
: 350
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der sechste Band bringt ein Wiedersehen mit allen liebgewonnenen Mitgliedern der Familie Barnett. Bertram, der achte Viscount Panswick, kehrt nach sieben Jahren in Preußen nach England zurück, um die Verwaltung von Lancroft Abbey zu übernehmen. Da er bisher kein Glück in der Liebe hatte, bittet er seine Angehörigen ihm passend Bräute vorzustellen. Diese dürfen auf keinen Fall seinen Verflossenen ähneln, weder eine Herzogstochter sein, noch blonde Locken und vergissmeinnichtblaue Augen haben. Eliza, die als Dreizehnjährige ihren Vater und Bertram zum Wiener Kongress begleitet hatte, ist seit sieben Jahren heimlich in den Viscount verliebt. Da sie eine Herzogstochter, blond und blauäugig ist, denkt niemand daran, sie als perfekte Braut ins Rennen zu schicken. Also muss sie selbst tätig werden. Die beiden kommen sich näher, auch wenn gewisse Umstände Eliza dazu verleiten, Bertram vorzugaukeln, sie sei verlobt. Bis eines Tages der erfundene Verlobte auftaucht ...

Sophia Farago liebt England und nennt die englische Geschichte des beginnenden 19. Jahrhunderts ihre Zeit. Nachdem sie als junges Mädchen die Regency-Romane von Jane Austen und Georgette Heyer verschlungen hatte, begann sie die Hintergründe genau zu recherchieren und Berge von Büchern zusammenzutragen: alles über das Königshaus, Mode, Gepflogenheiten, Städte, Fächer, Kutschen, Grabsteine... Mehr als fünfzig Reisen führten sie durch London und die gesamte Insel. 2001 hat sie stilecht über dem Amboss in Gretna Green geheiratet. Als vor nunmehr 25 Jahren imaginäre Heldinnen und Helden in ihrem Kopf zu sprechen begannen, schrieb sie ihren ersten Roman 'Die Braut des Herzogs'. Inzwischen sind dreizehn weiter dazugekommen. Sie erklomm damit höchst erfolgreich die Bestsellerlisten und zählt zu den erfolgreichsten Regency-Autorinnen im deutschsprachigen Raum.

Kapitel 2


Vier Wochen vorher

Januar 1822

Hillcroft Place, in der Nachbarschaft von Lancroft Abbey, Kent

„Mein lieber Freund, hören Sie gut zu, jetzt wird es interessant …“

Bevor Bertrams Mutter, die verwitwete Viscountess Panswick, den letzten Absatz des Briefes ihres Sohnes vorlesen konnte, nahm sie zuerst den Zwicker von der Nase, um ihn mit einem Taschentuch aus feinem Batist zu reinigen, das sie aus der eingenähten Tasche ihres flaschengrünen Tageskleids gezogen hatte. Zum einen galt es, Fingerabdrücke zu entfernen, die das Lesen erschwerten, zum anderen beabsichtigte sie damit, die Dramatik ihres Vortrags noch weiter zu steigern.

„Also, ich fand bereits Panswicks Schilderungen über die Zustände in Preußen durchaus interessant“, meinte ihr Gegenüber, Baron Glanshowe, und klopfte mit seiner emaillierten Schnupftabakdose dreimal auf die Platte des kleinen Tischchens neben seiner Armlehne. Dann öffnete er die Dose routiniert mit dem linken Daumennagel und entnahm ihr eine Prise, die er geräuschvoll in eines seiner Nasenlöcher zog. „Ich bedaure es immer noch, dass er nicht bereits im letzten Jahr Lancroft Abbey einen Besuch abgestattet hat, wie er dies ursprünglich geplant hatte. Ich hätte den jungen Spund herzlich gern hierher eingeladen, um ihm ins Gewissen zu reden. Wie lange will er Sie denn noch so über Gebühr belasten, meine Teure? Es ist doch unerträglich, dass er keine seiner Pflichten wahrnimmt und sich …“

Ein strenger Blick ließ ihn den Satz nicht vollenden. Stattdessen murmelte er ein begütigendes: „Ich weiß. Ich bin ja schon still, meine Liebe.“

Er tätschelte ihre Hand und freute sich, dass sie ihn gewähren ließ. Nach dem Tod seiner Gattin vor einigen Monaten waren die Besuche von Lady Panswick der einzige Lichtblick in seinem Leben. Sie zu erzürnen war daher das Letzte, was er im Sinn hatte. Außerdem hatten sie diese Unterhaltung über ihren Sohn schon mehrmals geführt, und immer wieder hatte die Viscountess darauf bestanden, dass es ihre eigene Entscheidung gewesen war, ihrem Ältesten die diplomatische Laufbahn zu ermöglichen. Und dass sie es nicht schätzte, wenn man diese in Zweifel zog.

„Vor sieben Jahren war er noch zu jung und zu unerfahren, um Lancroft Abbey zu leiten“, fühlte sie sich zu einer Erklärung veranlasst. „Seine Unruhe und sein Entdeckergeist mussten erst befriedigt, sein Urteilsvermögen gestärkt werden, bevor er hier Verantwortung übernehmen konnte.“

Das hatte sie Glanshowe bereits mehrmals erklärt. Obwohl er sie vor sieben Jahren, als Panswick die Insel in Richtung Kontinent verließ, noch gar nicht gekannt hatte, durchschaute er sie in der Zwischenzeit gut genug, um zu wissen, dass auch sie damals noch nicht bereit gewesen war, die Zügel aus der Hand zu geben. Er hoffte inständig, dass dies mittlerweile der Fall sein würde, und tätschelte abermals liebevoll ihre Hand. „Ich wünsche mir nur, dass Sie künftig mehr Zeit für mich haben, das ist alles, meine Teuerste. Sie wissen, ich würde Sie am liebsten den ganzen Tag um mich haben.“

Bei diesen Worten schlich sich ein zartes Rot über Lady Panswicks Wangen. Wäre eines ihrer Kinder anwesend gewesen, ihm wären wohl vor Erstaunen die Augen aus den Höhlen gefallen.

Vom Erröten abgesehen, hätte ein unbeteiligter Beobachter die Gesprächspartner für Geschwister halten können. Beide waren weißhaarig, was der Tatsache entsprach, dass sie längst in der zweiten Hälfte ihres Lebens standen. Sie waren groß und hager und dem Landleben entsprechend praktisch gekleidet. Der Leinenrock seiner Lordschaft war, ebenso wie die altmodischen Kniebundhosen, ganz in Schwarz gehalten, was ihn deutlich als Witwer auswies. Seit Kurzem trug er jedoch die Weste in einem satten Violettton, als Zeichen dafür, dass der Tod seiner Gattin nun schon länger als ein halbes Jahr zurücklag und er die strenge Trauerzeit als beendet betrachtete.

Das Ehepaar Glanshowe war, begleitet von der Schwester der Baronin, vor wenigen Jahren in die Nachbarschaft von Lancroft Abbey gezogen. Die Viscountess hatte einen Anstandsbesuch absolviert und war, wie die selige Baronin es in dem ihr eigenen Humor auszudrücken pflegte, „fortan quasi auf Hillc