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Ihre goldenen Locken liegen übers Kopfkissen ausgebreitet, und ihre Haut schimmert hell im flackernden Licht des Hitzegewitters draußen hinter den Pecanbäumen. Eine heiße und drückende Nacht, am Himmel Wolken wie ans Firmament gepinselte Pferdeschweife. Über dem Golf rollt der Donner, als würde ein Apfel auf dem Boden eines leeren Holzfasses hin und her kullern, und schon klatschen die ersten Regentropfen gegen den Ventilator am Fenster. Sie schläft auf der Seite, das Laken umschmeichelt ihre Schenkel, ihre geschwungene Hüfte, ihre Brust. Im Wetterleuchten wirken die Sommersprossen auf ihrer Schulter wie braune Einsprengsel im Marmor einer Skulptur.
Plötzlich birst die Vordertür unter einem Brecheisen und fliegt aus den Angeln; zwei Männer in schweren Stiefeln stürmen ins Haus, die Vorderschaftrepetierer nach unten gerichtet. Der eine ist ein baumlanger Haitianer, der andere ein Latino, dessen Haar in öligen Locken vom Kopf hängt. Ohne ein Wort bauen sie sich am Fußende des Doppelbetts auf, in dem sie alleine schläft. Sie erwacht mit geöffnetem Mund, die Augen weit aufgerissen und ausdruckslos. Ihr Gesicht ist noch traumwarm, und sie kann die beiden Gestalten, die sie nur stumm anstarren, nicht von ihren Schlafbildern unterscheiden. Dann sieht sie, wie die beiden einen Blick austauschen und mit den Schrotflinten aus nächster Nähe auf ihre Brust zielen. Als sie meinen Namen herausschreit, trüben sich ihre Augen, und der Schrei erstirbt wie eine Luftblase, die an der Wasseroberfläche zerplatzt, in ihrer Kehle. Sie wickelt das Laken um ihre Hände, presst es vor die Brüste, als ob es sie vor den zwölfkalibrigen Rotwildgeschossen und den groben Rehposten schützen könnte.
Sie schießen los, und der Raum explodiert förmlich im Rauch und Mündungsfeuer ihrer Schrotflinten, ist plötzlich erfüllt von Patronenteilchen, zerrissener Matratzenfüllung, Holzspänen des Bettgestells, Fetzen der Lampenschirme und herumwirbelnden Glassplittern. Die beiden Killer überlassen nichts dem Zufall. Sie haben die Sportsman-Stopfen aus ihren Flinten entfernt, sodass jetzt fünf Schuss ins Magazin passen, und sie hören nicht auf zu feuern und rauchende Hülsen auf den Fußboden auszuwerfen, bis die Schlagbolzen auf leere Kammern klicken. Dann laden sie mit der Gelassenheit von Waidmännern, die gerade aus der Deckung getreten sind und auf einen Schwarm Enten angelegt haben, ihre Waffen nach.
Das Laken ist zerfetzt, mit ihrem Blut durchtränkt, in ihre Wunden eingedrungen. Die Männer sind nun fort, und ich sinke neben meiner Frau auf die Knie, küsse die Augen, die nie mehr sehen werden, streichele ihr Haar und ihr fahles Gesicht, führe ihre Finger an meinen Mund.
Ein einzelner Blutstropfen rinnt vom zertrümmerten Kopfbrett des Bettes herab und sammelt sich auf meiner Haut. Im abgeernteten Feld hinterm Haus schlägt krachend ein Blitz ein. Mein Kopf füllt sich mit einem feuchten Schwefelgestank, und wieder höre ich meinen Namen, als würde er wie eine lange eingesperrte Luftblase vom sandigen Grund eines Tümpels aufsteigen.
Es war vier Uhr in der Frühe, und es regnete heftig, als ich in einem Motel am westlichen Stadtrand von Baton Rouge aus meinem