: Caren Benedikt
: Das Grand Hotel - Die mit dem Feuer spielen Roman
: Blanvalet Verlag
: 9783641243562
: Die Grand-Hotel-Saga
: 1
: CHF 8.90
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: German
: 512
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Rache, Liebe und Verrat: Die Geschichte um Bernadette von Plesow, der Inhaberin des Grand Hotels auf Binz, und die ihrer Kinder geht weiter.

Bernadette von Plesow hat schon viel durchmachen müssen, aber das letzte Jahr hat ihr fast zu viel abverlangt. Von ihrem prächtigen Hotel konnte sie alle Schäden abwenden, nicht jedoch von ihre Familie: Ihr Sohn Alexander ist tödlich verunglückt. Die Trauer lastet schwer auf ihr, besonders da sie im Unguten auseinandergegangen sind. Unterstützung erhält sie von ihrer Tochter Josephine, jedoch fällt es Bernadette nicht leicht, sich wieder mit aller Kraft dem Hotel zu widmen. Und plötzlich steht auch noch ein Mann vor der Tür, den sie nur von einer alten Fotografie kennt …
Bernadettes anderer Sohn Constantin, Eigentümer des verruchten Hotels Astor in Berlin, geht hingegen ganz anders mit der Trauer um seinen Bruder um. Er weiß, dass er die Schuld an dessen Tod trägt, wollte sich doch der Kopf der Frankfurter Unterwelt damit an ihm rächen. Constantin kann und will das nicht hinnehmen. Er hat sich einen perfiden Plan ausgedacht, wie er es dem Mörder seines Bruders zurückzahlen könnte und lässt sich damit auf ein gefährliches Spiel ein …

Die Grand-Hotel-Trilogie:

< >Das Grand Hotel. Die nach den Sternen greifen.
Das Grand Hotel. Die mit dem Feuer spielen.
Das Grand Hotel. Die der Brandung trotzen.

Caren Benedikt ist das Pseudonym der SPIEGEL-Bestsellerautorin Petra Mattfeldt. Sie liebt den Norden, eine steife Brise und das Reisen an die Orte, über die sie schreibt. Nach einer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten arbeitete sie als freie Journalistin. Inzwischen ist die Schriftstellerei ihr Hauptberuf. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in der Nähe von Bremen.

Prolog


Binz, 08. Februar 1912


»Ein Leben, das nicht meines ist. Oder doch das, das mir immer vorherbestimmt war? Ich weiß es nicht. Doch ich weiß, dass ich zugreifen werde. Ich muss es einfach tun.«

HANS MEGERLEIN

Ich kann es nur rückblickend zusammenfassen, wenngleich mein Erinnerungsvermögen sich weigert, mir jedes Detail der Ereignisse zu offenbaren, die sich an jenem schicksalhaften Tag im April des Jahres 1879 zugetragen haben. Womöglich ist es gut so, eine Art Schutz meiner damals erst siebzehnjährigen Seele. Und doch bleiben immer diese Fragen und Zweifel. War es richtig, wie ich mich verhalten hatte?

Noch am Morgen hatte ich geglaubt, dass es einer der glücklichsten Tage, wenn nicht gar derglücklichste Tag meines Lebens würde, denn all die Mühen und das viele Lernen hatten sich am Ende bezahlt gemacht. Ja, es war genauso gekommen, wie Leopold von Plesow es vorausgesagt hatte: Sohn eines Knechts oder Sohn eines Gutsherrn – jeder konnteBildung erlangen, wenn er nur wissbegierig und fleißig genug war.

Und ich hatte es geschafft. Ich, Hans Megerlein, einfacher Sohn eines Knechts und einer Magd, die schon lange nicht mehr am Leben waren. Wie sehr hätte Mutter es geliebt, mich an diesem Tage so sehen zu können! Ich trug einen Anzug, einen richtigen Anzug, der eigens für mich geschneidert worden war. Leopold und Felicitas von Plesow hatten ihn für mich anfertigen lassen, und ich sollte ihn als Geschenk erhalten, wenn es mir gelänge, meine Prüfungen zu bestehen und den ersehnten Abschluss zu erhalten. Nun durfte ich ihn tragen, zur feierlichen Übergabe der Urkunde. Ich konnte mein Glück, vor allem aber auch die Großzügigkeit der von Plesows kaum fassen. Menschen wie sie gab es wohl kein zweites Mal auf dieser Welt, und ihr Verhalten und ihre Art, mit Untergebenen umzugehen, wurden mir zum Wegweiser, der mich mein ganzes Leben lang begleiten sollte.

Ich hatte die von Plesows nie anders kennengelernt denn als gütige Menschen mit einem reinen Herzen, die dankbar waren für das, was der Herrgott ihnen im Leben geschenkt hatte. Ich wusste nicht viel über die Geschichte der Familie, nur dass bereits die Großeltern und, wenn ich mich richtig erinnere, auch deren Eltern schon auf dem prächtigen Gutshof mit dem weitläufigen Anwesen in der Nähe von Teterow gelebt hatten. Es war ein stattliches Haus, das sich in einem freundlichen Gelb über das satte Grün des Geländes erhob. Der Anblick hatte für mich stets etwas Friedvolles gehabt und trotz der immensen Größe nichts Einschüchterndes, was womöglich daran lag, dass ich wusste, welche herzensguten und freundlichen Menschen hinter den Fenstern und Mauern lebten.

Auch meine Eltern, die als Magd und als Knecht im Dienste der von Plesows standen, hatten stets nur gut über die Herrschaften zu sprechen gewusst. Und als es erst meine Mutter und kurze Zeit später auch meinen Vater dahinraffte, hatten die von Plesows nicht lange überlegt, was mit mir, einem damals erst achtjährigen Jungen, geschehen sollte. Ganz selbstverständlich sorgten sie dafür, dass ich aus dem Gesindetrakt ins Haupthaus wechselte, gleichwohl sie hierzu keinerlei Verpflichtung gehabt hätten. Hätte es die von Plesows nicht gegeben, wäre ich in einem der vielen Armenhäuser gelandet, die zu jener Zeit wie Pilze aus dem Boden schossen und über die die schlimmsten Geschichten erzählt wurden. Kaum vorstellbar, was die Kinder dort zu erdulden hatten.

Ich weiß nicht, ob die von Plesows irgendein wie auch immer geartetes Potenzial in mir sahen. Der Nutzen, den ich ihnen in Zukunft bringen würde, war – wenn überhaupt – mehr als überschaubar. Nein, es lag wohl einfach in ihrer Natur zu helfen, ohne die Hoffnung, hierfür selbst etwas zu erhalten. Und so nahmen sie mich auf, und ich lebte bei ihnen, Seite an Seite mit Karl, ihrem einzigen Sohn, und tatsächlich fühlte es sich fast so an, als wäre er mein richtig