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Spring. Spring einfach. Es wird alles so viel leichter machen. Spring jetzt, Coco. Spring!
Nichts. Nichts passierte. Ich wollte doch! Ich wollte so sehr!
Okay, Coco. Hol tief Luft, geh in die Knie!
Mein rasendes Herz drängte gegen meine Rippen, als wollte es vor mir den Absprung wagen.
Jetzt, Coco! Jetzt!
Ich nahm Anlauf, stand schon auf den Zehenspitzen.
Du wirst fliegen!
Die Hände umschlossen meine Hüften, fingen mich auf und hoben mich hoch in die Lüfte. Ein gelöstes Lächeln glitt über meine Lippen und ich streckte den Rücken durch.
Geschafft! Du hast es geschafft!
Doch dann, im selben Moment als ich glaubte, der Bann sei gebrochen, krampften meine Muskeln. Wie Fesseln schlangen sie sich um meinen Körper und schnürten mir die Luft zum Atmen ab. Die Spiegel rings um uns wurden dunkel. Ein helles, viel zu helles Licht leuchtete in mein Gesicht und die Hände, die mir eben noch Halt gegeben hatten, fühlten sich an wie Krallen, die mich gen Abgrund zogen. Ein Stechen wanderte mein Rückgrat hinab und die Panik schlug schwer über mir zusammen. Einige Sekunden versuchte ich noch mich zu beherrschen, kämpfte gegen den Schmerz, der meine Glieder zittern ließ und meine Gedanken vor Entsetzen lähmte.
»Aufhören!«, rief ich. »Lass mich runter, Dorian!« Kaum, dass ich die Worte ausgesprochen hatte, stand ich schon wieder auf dem Boden. Mein Herz pochte rasend im Takt zu den immer gleichen Vorwürfen.
Du kannst es nicht. Du kannst es einfach nicht …
»Coco? Alles okay?«
Nicht mehr …
»Okay?«, wiederholte ich und wischte über meine brennenden Augen. »Was glaubst du, Dorian? Ist alles okay, wenn man nicht mal mehr … Verdammt!«
Das Zittern in meinen Beinen war so stark geworden, dass ich unfreiwillig in die Knie ging.
»Hey! Fall mir nicht um!« Schon stand er neben mir und griff nach meinem Arm. Verärgert wich ich aus.
»Ich komme zurecht!«, sagte ich harscher als beabsichtigt. Ich stützte die Hände in die Seiten und nahm einige tiefe Atemzüge. Langsam ließ das Zittern in meinen Beinen nach und ich gewann wieder die Kontrolle über meinen Körper zurück. Ich spürte, wie die Anspannung Stück für Stück abebbte und meine Gedanken schließlich ruhiger wurden. Ich blickte hinüber zu Dorian, der mich mit sorgenumwölkter Stirn musterte.
»Tut mir leid«, sagte ich zerknirscht.
»Du musst dich nicht entschuldigen«, erwiderte er. »Du brauchst einfach nur … noch ein wenig mehr Zeit.«
»Genau! Ein wenig Zeit, Übung und Geduld. Mehr ist es nicht, ganz bestimmt«, antwortete ich und nickte mit dem Kopf, mehr für mich selbst als für meinen Tanzpartner.
»Es ist völlig normal, Angst zu haben«, sagte Dorian mitfühlend. »Jeder würde nach so einer …«
»Ich habe aber keine Angst!«, unterbrach ich ihn und das eiskalte Gefühl, das mich dabei durchzuckte, strafte meine Worte Lügen. »Es ist nur mein Rücken, okay! Mein Rücken und … und die Beine.«
»Coco, ich bitte dich!« Jetzt war es Dorian, der mich streng ansah. Ich kannte den Ausdruck in seinen dunklen Augen nur zu gut. Es war der gleiche, mit dem er mich früher um Mitternacht aus dem Trainingssaal geholt hatte. »Übertreib es nicht, Coco! Geh endlich schlafen, Coco. Morgen kannst du immer noch dein Grand Jeté perfektionieren.« Nur dieses Morgen hatte sich leider in Rauch aufgelöst. Große Sprünge waren inzwischen mein kleinstes Problem.
»Wir versuchen es noch einmal, ja?«, sagte ich mit zusammengebissenen Zähnen. »Nur noch einmal.«
»Ich glaube, du weißt ganz genau, dass nicht nur dein Körper verrücktspielt …«
»Was soll das jetzt heißen?«, fragte ich scharf. »Wenn