: Rainer Stoerring
: Und ich gab ihm mein Versprechen Jedes Leben hat seine Geschichte
: R.G. Fischer Verlag
: 9783830195962
: 1
: CHF 14.40
:
: Romanhafte Biographien
: German
: 250
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Bösartiger Krebs' und 'aggressiv', das waren die Worte, die keiner von uns hatte hören wollen. Mit allem hatten wir gerechnet, doch damit nicht. Urplötzlich waren wir mit einer schier ausweglosen ­Situation konfrontiert, die Entscheidungen forderte. Einig mit sich selbst, den Kampf gegen den Krebs aufzunehmen, bat mich mein Vater, ihn auf dieser seiner letzten Wegstrecke zu ­begleiten. Ohne jegliche Erfahrung, welche Aufgabe vor mir lag, ­welche Herausforderungen sich stellen würden und welche schmerzlichen Entscheidungen letztendlich zu treffen wären, nahm ich seine Bitte an - 'und ich gab ihm mein Versprechen'. Ein sehr emotionales Buch über Ängste und Verzweiflung, über ­Zuversicht und Hoffnung. Mit viel Feingefühl und nahezu grenzen­losem Verständnis gibt diese Geschichte Einblick in das Leben eines krebskranken Menschen und die Empfindungen der Menschen an seiner Seite. Hier wird schnell klar, dass jede Zeit des ­Lebens auch ein Teil der eigenen Geschichte ist.

Rainer Stoerring wurde 1966 in Frankfurt am Main geboren. Nach einem Sabbatical-Jahr in den USA wurde er mit der Krebskrankheit seines Vaters konfrontiert. Anstatt in seinen Beruf als Bankkaufmann zurückzukehren, nahm er die Möglichkeit an, seine Eltern zu unterstützen. Durch die Erfahrungen dieser Zeit engagiert er sich heute, neben seinem Mandat im Vor­stand der Katharina-Stumpf-Stiftung, ehrenamtlich in gemeinnützigen und humanitären Einrichtungen und Organisationen.

»Das stimmt. Ich hatte noch nie Probleme dich zu verstehen. Vielleicht habe ich dir dies nicht immer gezeigt. Viele Worte haben wir zwei sowieso nie über etwas gesprochen. Manches Mal habe ich mich nicht besonders gut damit gefühlt. Doch habe ich dann gesehen, dass es dir gut geht, war ich sehr froh darüber. Welche Worte hätte ich dann noch finden müssen oder können.«

»Manches Mal hast du dich nicht besonders gut damit gefühlt. Sonderbar, manches Mal hätte ich wohl mehr erzählen müssen. Ich weiß nicht, ob wir es an dir oder mir festmachen müssen. Uns beiden wäre es wohl besser gegangen, wenn wir mehr miteinander geredet hätten. Vielleicht wäre da auch die eine oder andere Gemeinsamkeit entstanden. Ich war einfach der zweite Sohn. Dein Erstgeborener war eben vor mir da. Mein großer Bruder. Für deine Mutter, meine Großmutter, war er der erste Sohn des Sohnes. Selbst der früher geborene Sohn deiner Schwester konnte nicht viel an Land gewinnen. Mein Cousin und ich haben uns mit der Zweitrolle abgefunden. In dieser Rolle ging uns beiden nichts verloren. Er hatte die Eltern seines Vaters. Bei ihnen war er der Erstgeborene des Sohnes. Dort hatte er seine Bühne und seinen Wirkungskreis. Ich hatte meine Mutter. Ich denke schon, dass sie gemerkt hat, wer welche Zuwendungen von wem bekommt. Darum schloss sie mich so intensiv in sich. Du warst immer so stolz auf deinen großen Sohn. Warum auch nicht. Ihr zwei hattet die gleichen Hobbys. Viel Zeit habt ihr miteinander verbracht. Eure Interessen hatten einfach mehr Parallelen.«

»Das war mir nie bewusst. Ich dachte immer, dass wir einfach zu unterschiedlich sind. Du warst immer so gefestigt in allem, was du getan hast. Niemals dachte ich, dass dir etwas fehlt. Das tut mir so unendlich leid. Warum habe ich das nie erkannt.«

»Nein Papa. Das muss dir nicht Leid tun. Mir hat doch nichts gefehlt. In meinen Großeltern hatte ich die besten dieser Welt. Nichts war je ein Problem für sie, wenn es um ihre drei Enkel ging. Immer haben sie Alles für uns getan. Dass eine intensivere Zuwendung zu meinem großen Bruder bestand, war zu spüren. Benachteiligt hätten sie mich aber niemals. Die erste Bezugsperson in meinem Leben war schon immer meine Mutter. Doch gab es bei ihr auch Grenzen. Die Dinge, die sie mir nicht mit auf den Weg geben konnte, habe ich doch von dir bekommen. Deine und meine Gespräche waren in einer Zahl ausgedrückt nicht viele. Dass heißt aber nicht, dass sie nicht wichtig und wegweisend waren. Mache dir bitte keine Gedanken darüber, dass du dich falsch oder ungerecht verhalten hättest. Das war nie so gewesen. Nie hätte ich das auch nur im Geringsten so empfunden. Wir hatten einfach zu wenige gemeinsame Themen.«

Eine kurze Pause