: Friedrich Ani, David Wagner, Kat Kaufmann, David Safier, Selim Özdogan, Manfred Theisen, Moritz Rink
: Alexander Broicher
: UNBEHAUSTE 1 23 Autoren über Fremdsein und Identität
: fine Books Verlag Alexander Broicher
: 9783948373245
: 1
: CHF 7.10
:
: Erzählende Literatur
: German
: 204
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Fragen nach Herkunft, Identität, Zugehörigkeit ziehen sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte und finden in der heutigen Zeit eine Relevanz, welche unsere Welt vor neue Aufgaben stellt. 23 Autorinnen und Autoren schreiben über das Gefühl des Unbehaustseins. Über Grenzen und Grenzerfahrungen. Über Heimat, Flucht, Reise und Suche. Über jene, die man liebt, und Orte, an denen man sich behaust fühlt. Mit Friedrich Ani, Kat Kaufmann, Benedict Wells, David Wagner, Selim Özdogan, David Safier, Marcus Braun, Anik Feit, Christoph Silber, Florian Wacker, Matthias Sachau, Jule Müller, Robin Baller, Jürgen Hobrecht, Judith Poznan, Manfred Theisen, Tina Ger, Michel Birbæk, Linda Rachel Sabiers, Norbert Kron, Ramona Raabe, Moritz Rinke und Alexander Broicher. »Ein wirklich lesenswertes, vielschichtiges Buch.« Benedict Wells »Wer bin ich? Woher komme ich? Essentielle Fragen, die jeden ein Leben lang begleiten. Eine Anthologie, die das Fremdsein in Ansporn verwandelt, Grenzen zwischen uns und Anderen niederzureißen und in der Fremde einen Gewinn, eine Bereicherung für das eigene Leben zu finden.« DIE WELT Der NDR hat die Anthologie zum Buch des Monats erkoren.

Benedict Wells wurde 1984 in München geboren. Seine Bücher erschienen bisher in 31 Sprachen, sein vierter Roman"Vom Ende der Einsamkeit" stand über achtzig Wochen auf der Bestsellerliste. Er wurde u.a. mit dem European Union Prize For Literature ausgezeichnet und zum Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels 2016 gewählt. Nach einigen Jahren in Barcelona lebt Wells wieder in Berlin und Bayern.

David Wagner


Die letzten Tage der Grünen Autonomen Republik Berlin (West)


Es sind wahrscheinlich die letzten Tage der Grünen Autonomen Republik Berlin (West). Die Söldner der DDR werden, wir rechnen damit, bald einmarschieren. »Humanitäre Mission« werden sie es nennen – und nicht einmal ganz Unrecht haben, es gibt ja kaum noch etwas zu essen in dieser Stadt, die keine funktionierende Stadt mehr ist.

Hinter der Ruine der Staatsbibliothek, wo einmal, lange her, vor dem Zweiten Weltkrieg, der Potsdamer Platz lag, erstreckt sich ein Birken- und Robinienhain bis zum Neuen Brandenburger Tor. Von der anderen Seite der Mauer, von drüben, glitzern hell erleuchtete Glastürme herüber. In ihrem Schein kann ich lesen, nachts gibt es nur hier noch Licht.

Dass die Mauer, in deren Nähe ich sitze, früher einmal, lange vor den Analogunruhen, dazu da war, um niemanden aus dem Osten herauszulassen, das mutet heute an wie ein Witz. Kinder, denen ich davon erzähle, wollen es nicht glauben. Sie lachen, wenn sie hören, dass die Mauer um unser Berlin früher einmal dazu da war.

Wie fing das an? Wie hat die DDR den Westen überholt? Die radikalen Reformen haben sie damals wohl am Westen vorbeikatapultiert. Im Rückblick sieht es so einfach aus, ja, die DDR hat den Westen durch Digitalisierung überholt – und sich schon im Jahr 2000 in Deutsche Digitale Republik umbenannt. Die Abkürzung blieb praktischerweise die gleiche.

Zur Sicherung ihrer Grenze hatte die DDR schon in den frühen achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts ein elektronisches Überwachungsnetz mit Kommunikationsmöglichkeiten und mobile Drohnen entwickelt. Staatsbetriebe begannen diese Überwa