: Tereza Vanek
: Lockruf der Fremde Roman | Ein historischer Roman um eine junge Frau im schillernden Berlin und im mystischen Peru
: Piper Verlag
: 9783492985710
: Südamerika-Saga
: 1
: CHF 5.40
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: German
: 592
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwischen dem schillernden Berlin und dem mystischen Peru in den 1920er Jahren: Ein packender historischer Roman um eine junge Frau auf der Suche nach der Liebe. Für alle LeserInnen von Lydia Conradi und Laila El Omari Alice Wegener ist längst nicht mehr so unerfahren wie vor ein paar Jahren. Als bekannte Künstlerin kehrt sie nun mit ihrem Sohn Paul nach Berlin zurück. Die schillernde Großstadt ist genau der richtige Ort, um ihre Bilder auszustellen. Auch Paul findet schnell Anschluss - und seine große Liebe: Friderike von Greifen. Doch das junge Glück wird überschattet, denn Friderikes Bruder hat sich den Nazis angeschlossen und versucht die Beziehung zu zerstören. Paul und Friderike geben nicht auf. Selbst dann nicht, als Paul Deutschland verlässt, um an einer archäologischen Expedition in Peru teilzunehmen. Friderike zieht los, um ihren Geliebten dort zu finden. Sie gerät in eine faszinierende, archaische aber auch gefährliche Welt, in der sie bald um ihr Leben kämpfen muss ... Bei diesem Roman handelt es sich um die Fortsetzung von 'Der Duft des Regenwaldes'. Die Bände sind unabhängig voneinander lesbar und nur lose miteinander verbunden. »Ich konnte mir die Farbenvielfalt Perus, die Gerüche und die Hitze vorstellen, als wäre ich selbst dort. Ein Buch welches man kaum aus der Hand legen konnte.« ((Leserstimme auf Netgalley)) »Tereza Vanek hat ihren Roman wieder brillant und spannend geschrieben. Sie lässt die politischen Wirren aller drei Länder gut einfließen. Sie schafft es den Leser mit auf Reisen zu nehmen. Wunderbar unterhaltend.« ((Leserstimme auf Netgalley)) »Man wird unweigerlich auf eine kunterbunte Reise mitgenommen. Ich habe das Buch verschlungen. Einfach wunderbar geschrieben.« ((Leserstimme auf Netgalley))

Ich wurde 1966 in Prag geboren und zog drei Jahre später mit meinen Eltern nach München, wo ich nach dem Abitur Sprachen und Literatur studierte. Es stand für mich schon früh fest, dass ich Autorin werden wollte, da ich Bücher liebte und mir gern Geschichten ausdachte. Auch das Interesse an fernen Ländern und historischen Themen entwickelte ich bereits als Teenager. Beruflich war ich zunächst als Lehrerin und Übersetzerin sowie in einigen anderen Bereichen tätig. Dabei lebte ich auch einige Jahre im Ausland. Seit 2007 widme ich mich intensiv dem Schreiben sowie Reisen an die Schauplätze meiner Romane und auch dem Erlernen weiterer Sprachen, die für Recherchezwecke nützlich sind.

Kapitel 1


Berlin, Februar 1931

Leonora versuchte, so tief wie möglich in den Wollstoff ihres Mantels zu kriechen. Leider hatte der Wind in Deutschland Messer, die durch jede Ritze stachen und so ungehindert in ihren Körper eindringen konnten. Sie hätte niemals gedacht, dass Kälte schmerzen konnte, doch nun, eine Woche nach ihrer Ankunft in der Heimat ihrer Mutter, hatte sie es endgültig begriffen.

Sie sah sich nach ihrer Mutter um, die auch bei diesen frostigen Temperaturen einen sehr eleganten Eindruck machte. Der dunkelblaue Mantel passte zu dem in Locken gelegten Blondhaar, auf dem ein farblich abgestimmtes Barett saß. Bei milderen Temperaturen hätte Leonora darunter gelitten, dass ihr eigenes Kleid weitaus zerknitterter war und ständig verrutschte. Der deutsche Winter hatte auch Vorteile, überlegte sie. Man konnte sich in einen weiten Mantel hüllen wie eine Nonne in ihren formlosen Habit, der alle Eitelkeit überflüssig machte.

Leonoras Mutter wippte ungeduldig mit dem Fuß, während sie ihren Blick über den Bahnsteig schweifen ließ. »Wo bleibt er denn nur? Hierzulande ist man pünktlich«, murmelte sie verärgert.

»Vielleicht hat dein Galerist begriffen, dass du die chaotischen Verhältnisse in Mexiko lieber magst, und will dir einen Gefallen tun«, murmelte Leonora.

Die Mutter drehte sich zu ihr um und warf ihr einen Blick zu, der einen Hauch von Unmut ausdrückte. Leonora senkte beschämt den Kopf. Sie hatte scherzen wollen, aber im Umgang mit ihrer Mutter bekam jedes ihrer Worte ein zusätzliches Gewicht, das es schwer und sperrig machte.

»Ich meinte nur, dass …«, begann sie, aber bevor sie ihre Erklärung hatte vollenden können, erschien Paul auch schon, gefolgt von einem Trolley, den ein uniformierter Mann schob.

»Es ging ganz schnell!«, rief er. »Das ist das Schöne an Deutschland. In Mexiko hätten wir wahrscheinlich zwei Stunden gewartet und dann mindestens einen falschen Koffer bekommen.«

Er lachte. Die Mutter stimmte ein.

»Dann hätten wir Wetten abschließen können, was vielleicht in dem falschen Koffer steckt«, meinte sie. »Das Leben in Mexiko kann sehr spannend sein.«

Sie umarmte ihren Sohn. Leonora wurde noch ein wenig kälter, da ein heftiger Wind über den Bahnsteig fegte. Ihre Zähne schlugen klappernd aufeinander, und sie stieß einen kläglichen Laut aus.

Die Mutter merkte es nicht, doch Paul drehte sich zu ihr um und legte seinen Arm um Leonoras Schultern. »Kopf hoch! Als ich zum Studium hierher kam, hatte ich Angst, den ersten Winter nicht zu überleben. Aber zwei Jahre später mochte ich den Schnee sogar.«

Leonora fror schlagartig weniger, als könnte die Gegenwart ihres Bruders sogar dem Wind seine Schärfe nehmen.

»Da! Da kommt er!«, rief ihre Mutter nun und begann zu winken.

Ein hochgewachsener Mann schritt durch die tanzenden Schneeflocken auf sie zu. Auch er wirkte tadellos elegant auf die klassisch-schlichte Weise der Deutschen, bewegte sich zielgerichtet und diszipliniert. Leonora spürte, wie sie instinktiv ihre Schultern straffte, um keinen schlechten Eindruck auf den Galeristen ihrer Mutter zu machen. Immerhin war es auch ihm zu verdanken, dass es ihnen trotz der politischen Unruhen in ihrer Heimat niemals wirklich schlecht gegangen war.

Als Tobias Winter vor ihnen stand, staunte Leonora vor allem über seine Größe. Er überragte sie um mindestens zwei Köpfe, wirkte mit den grau melierten Schläfen und dem schmalen Gesicht distinguiert und dadurch auch anziehend.

Sie sah das strahlende Lächeln ihrer Mutter, und ihr Magen verkrampfte sich in einer bösen Vorahnung.

Alice Wegener del Rio verstand, mit Männern umzugehen, rief sie sich in Erinnerung. Ein weiterer Grund, warum es ihnen niemals so schlecht gegangen war wie einigen anderen Familien in Mexiko zur Zeit der Revolution. Während der Vater sich für Reformen engagiert hatte und stets mit einem Fuß im Gefängnis gestanden war, hatte seine Frau unbeirrt ihre Bilder gemalt und gelernt, sie gewinnbringend zu verkaufen. Sie hatte jeden porträtiert, der dafür gezahlt hatte, ganz egal zu welchem politischen Lager er gehörte. Insgesamt hatte sie sich aus den Konflikten herausgehalten, indem sie sich stets darauf berufen hatte, Ausländerin zu sein. Dass sie eine überzeugte Anhängerin der Liberalen war und den starken Einfluss der Kirche in der Gesellschaft nicht guthieß, wussten nur ihre Familie und ihre engen Freunde.

Leonora hatte immer gedacht, der Zweck all dieses taktischen Vorgehens seitens ihrer Mutter hätte darin bestanden, den Vater bei seinem Kampf um ein freies, gerechtes Mexiko zu unterstützen. Doch jetzt war das Land endlich zur Ruhe gekommen, der Vater hatte ein Amt in der Regierung inne, seiner Familie gehörte ein schönes Haus, und ihre Mutter hätte das entspannte Leben einer Frau der gehobenen Mittelschicht führen können.

Stattdessen war sie überstürzt mit zweien ihrer Kinder nach Deutschland aufgebrochen.

»Es ist mit eine Ehre, Sie in Ihrer Heimat zu begrüßen, Frau del Rio«, sagte Tobias Winter mit einem höflichen Nicken. »Ihr letzter Aufenthalt liegt nun schon viele Jahre zurück.«

Ihr