Ich darf das eigentlich nicht tun. Ich soll mich in der Schule »normal« verhalten, nicht auffallen, auf keinen Fall auch nur ansatzweise meine antrainierten außergewöhnlichen Fähigkeiten preisgeben. So haben sie es uns auf der Agentenakademie eingebläut. Und so mahnt mich auch immer wieder mein direkter Vorgesetzter, den ich nur »den Prof« nenne. Schön und gut. Ich habe mich bisher dran gehalten. Auch wenn es manchmal schwerfällt. Aber weder unsere Ausbilder in der Agentenakademie noch der Prof müssen in der Schule mit Typen wie Gonzo auskommen. Gonzo ist der ätzendste Typ in meiner Klasse, vermutlich der gesamten Schule. Keine Gelegenheit lässt er aus, andere zu mobben, zu terrorisieren, zu bedrohen oder sonst wie Ärger zu machen. Besonders mich hat Gonzo auf dem Kieker. Klar, in seinen Augen bin ich der Schwächste in der Klasse, die größte Niete auf diesem Planeten. Logisch, dass er das denkt, weil ich ihm und allen anderen genau diesen Schwächling vorspielen muss, um meine wahre Identität geheim zu halten.
Wie gesagt, bisher hat das einigermaßen gut geklappt. Aber seit kurzer Zeit ist Gonzo noch verbissener hinter mir her, weil er eifersüchtig ist. Wir haben nämlich eine neue Mitschülerin: Abena ist aus Ghana nach Deutschland gekommen, spricht für die kurze Zeit, die sie hier ist, erstaunlich gut Deutsch und hat mich als ihren ersten Ansprechpartner in der Klasse auserkoren. Das hatte sich so ergeben, weil sie zufällig neben mir sitzt. Mir ist das ganz recht, denn Abena ist ausgesprochen nett. Und genau das wurmt Gonzo, der vom ersten Tag an ein Auge auf sie geworfen hat. Aber Abena will nichts von ihm wissen, was auch wieder sehr für sie spricht. Nun sitzt Gonzo aber genau hinter uns und nervt die ganze Zeit: mich, eben weil er eifersüchtig ist, und Abena, weil er einfach nicht von ihr ablässt.
Gestern Nachmittag habe ich nach Schulschluss noch ein knappes Stündchen mit Abena im Klassenraum verbracht, um mit ihr Deutschvokabeln zu lernen. Und deshalb will Gonzo mich heute Morgen verprügeln! Einfach so. Da ich mich einerseits nicht von ihm verhauen lassen will, andererseits mich nicht anständig wehren undihn verprügeln darf, bin ich gerade mal wieder auf der Flucht vor diesem Blödmann. Ich bin einfach in eine Toilettenkabine gerannt. Nicht besonders einfallsreich, und klar, dass er mich hier findet. Soll er auch. Die Tür habe ich deshalb auch nicht verriegelt.
Ich muss nicht lange warten. Schon höre ich, wie er angepoltert kommt.
Da steht er auch schon vor mir.
»Hab’ ich dich!«, ruft er und grinst mich voller Vorfreude an, mir gleich eine verpassen zu können. »Für so dämlich hab’ ich dich gar nicht gehalten, dass du vergisst, die Tür abzuschließen.«
»Du täuschst dich«, antworte ich, »ich schließe noch ab.«
Gonzo lacht. »Aber …«, will er sich gerade über mich lustig machen. Da packe ich ihn blitzschnell am Kragen, ziehe ihn nah zu mir, drehe mich mit ihm um 180 Grad und werfe ihn auf die Kloschüssel. Gonzo fällt, kann sich zwar gerade noch an der Schüssel festhalten, doch schon bin ich draußen aus der Kabine, ziehe die Tür von außen zu und schließe sie ab.
In der Agentenakademie habe ich dasÖffnen von Schlössern aller Art gelernt. Aber das funktioniert auch umgekehrt. Mit meinem Türöffner-Agententool kann ich Türen auchverschließen. An dem Schloss gibt es nämlich einen kleinen, versteckten Riegel, an den man auch von außen herankommt, um die Tür zu verschließen. Um herauszukommen, müsste Gonzo über den ve