: Sylvia Kling
: Ab 40 wird's einfach nicht schwer Roman
: Bookspot Verlag
: 9783956691492
: 1
: CHF 6.20
:
: Erzählende Literatur
: German
: 288
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ist das Alter 40 etwa eine Grenze, die Lebensläufe teilt und Flügel stutzt? Doch die Endvierzigerin Silke wollte schon immer fliegen. 'Wenn es sein muss, auch allein.' So beginnt alles. Nachdem ihr Sohn Julian das Nest verlassen hat, stürzt sich Silke kopfüber ins eigene Leben. Mit Peter erlebt sie intensive zwei Wochen, bevor ihre Alarmglocken läuten und sie den Sonderling auf die Straße setzt. Eine aufregende Ü40-Party wirbelt Reini in ihr Leben, einen extrovertierten, modernen Lebemann, der beim Reden 'durch die Haut atmet'. Begegnungen, die von Silkes Freundinnen Sandra und Anett natürlich nicht unkommentiert bleiben. Beißende 'Diven-Dialoge' strapazieren Silkes Bauchmuskeln und geben ihrem Herzen Halt. Von Nachbarin Lydia, so bezaubernd wie betagt, erfährt Silke berührende Geschichten, die sie nie wieder loslassen. Als Silke schließlich ihren Sohn in Berlin besucht, wird sie vom bunten Großstadtleben verschlungen. Doch die spannenden Erlebnisse sind von Schmerz durchdrungen, denn in Berlin ist Silkes beste Freundin Martina begraben. Ein Auf und Ab, wie im wahren Leben: 'Ab 40 wird's einfach nicht schwer' ist witzig, nachdenklich& stimmungsvoll - ganz wie man es von Sylvia Kling gewohnt ist!

Sylvia Kling, geboren 1967 bei Dresden, drei Kinder, lebte 40 Jahre in Dresden und zog 2019 nach Meißen. Sie schreibt seit 1979 Gedichte, seit 2008 auch Erzählungen, Kurzgeschichten, Aphorismen sowie Liedtexte. In ihren poetisch-musikalischen Lesungen kann man Sylvia Kling nicht nur als Autorin und Lyrikerin, sondern auch als Sängerin und Entertainerin erleben. Mit 'Ab 40 wird's eng' hat Sylvia Kling im Jahr 2019 ihren ersten Roman vorgelegt, in dem sie ihre Protagonistin auf einer frech-einfühlsamen Suche nach sich selbst begleitet.

2. Kapitel


Hans, der Träumer


»Leben! Das strahlen deine Bilder aus.
Leben und Sinn, ja, sogar Sinnlichkeit!«

Peter Meyer

An einem sonnigen Mittwochvormittag war es so weit. Silkes Kater Whiskey schlich ihr zuvor die ganze Zeit um die Beine, als ob er mit ihr gemeinsam aufgeregt wäre.

»Mensch, Tier, störe mich jetzt nicht! Ich muss perfekt aussehen, verstehst du? Und mach mich jetzt nur nicht mit Katzenhaaren voll!«

Rote Katzenhaare auf einer weißen Sommerjeans, welch ein Grauen. Whiskey schien zu verstehen. Beleidigt zog er sich in den Flur zurück und starrte sie aus der Ecke heraus an. Silke überprüfte ihr Make-up, puschte ihre vollen Haare immer wieder auf und stellte fest, dass sie wieder mal zugenommen hatte. Egal jetzt. Darum konnte sie sich später kümmern.

Endlich klingelte es. Sie ging betont langsam zur Tür. Whiskey schlängelte sich an ihren Hosenbeinen an ihr vorbei und während sie die Tür öffnete, sagte sie laut:

»Geh weg, du Doofer!«

»Was für eine zauberhafte Begrüßung!«, lächelte sie der Träumer an.

»Nein, nein, ich meinte Whiskey …«, stotterte Silke, peinlich berührt, auf den davonlaufenden Kater zeigend.

»Und was für ein zauberhafter Name für einen Kater!«, konterte er wieder. Das Eis war gebrochen. Silke lachte. Sie erinnerte sich an die Bemerkung des Nachbarn von gegenüber, als sie eines Abends ihr Tier ins Haus rufen wollte.

»Whiskey!? Whiskey!? Wo ist mein feiner Whiskey, ja, wo ist er denn?!«

Der Nachbar, der mit ein paar Freunden gegrillt hatte, schrie rüber:

»Bist wohl schon zum Alki mutiert, hä?«, und seine Gäste hatten sich schiefgelacht. Aber das wollte sie dem träumenden Hans vielleicht später erzählen. Sie hatten ja Zeit. Hoffentlich.

»Komm erst mal rein.« Mit einer einladenden Geste öffnete sie die Tür.

»Gern doch, sehr nett«, entgegnete er galant und trat ein. Während sie ihn in ihr Wohnzimmer führte, betrachtete sie ihn genauer. Er war einige Zentimeter größer als sie, auf jeden Fall über eins achtzig, und von sehr schlanker Gestalt. Das gefiel ihr. Wie bei vielen Männern dieses Alters musste er sich keine Mühe mehr beim Haarekämmen geben, denn da war nicht viel zu richten und wie sie an den wenigen Muzeln, die sich wie ein Kranz um seinen Kopf legten, erkennen konnte, war sein Haar rot. Was ihr aber besonders ins Auge fiel, war seine ausgesprochene Blässe, typisch für Rothaarige. Die Nickelbrille passte zu ihm. Während sie ihn musterte, betrachtete er ihr Wohnzimmer.

»Schön hast du es hier, wirklich sehr geschmackvoll«, lobte er und sah sich sehr genau um.

»Setz dich doch«, meinte sie. Jetzt wäre es angebracht, sich gemütlich zu unterhalten.

»Bitte sei nicht böse, lass mich noch einige Minuten stehen. Ich saß gerade eine Stunde im Auto«, bat er und betrachtete den Inhalt der Glasvitrine an ihrer antiken Kommode an.

»Warum wir hemmungslos verblöden‹, ›Einigkeit und Recht und Doofheit‹ und ›Generation Doof‹ – ich habe es gewusst.« Er lächelte versonnen.

»Was hast du gewuss