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Ivy
Universität von Louisiana.
Hauptstudium
Erstmals vereinen wir unsere »Gaben«. Und ich bin nervös wie nie.
Sehr viel nervöser als bei meiner ersten inoffiziellen Aufgabe, als ich Darcy geholfen habe, die Beziehung zum Jahrgangssprecher unserer Schule zu beenden.
Bryce senkt das Kinn, neigt den Kopf zur Seite, sieht Loreen mit großen braunen Welpenaugen an. »Du brauchst jemanden auf deiner Wellenlänge, der eine Familie gründen und ein Haus mit weißem Zaun drum rum besitzen will. So einer bin ich nicht. Ich würde mich verraten, wenn ich so ein Mensch sein wollte. Darum möchte ich nicht, dass wir weiter zusammen sind, denn dann müsste ich dich hassen.«
Sei ehrlich und bring die Dinge auf den Punkt.
Bryce seufzt und fasst sein Gerede zusammen. »Du hast Besseres verdient: jemanden, der all das möchte, sich für Kunst begeistert, gern Wiederholungen vonSex and the City schaut und nicht allergisch gegen deine Katze ist.«
Er verzieht den Mund zu einem melancholischen Lächeln. »Jemanden, der dich und dein Talent schätzt, Popcorn in der Mikrowelle zu rösten, ohne dass es verbrennt oder Maiskörner am Boden zurückbleiben. Jemanden, der es toll findet, wie du dich um ihn kümmerst, wenn es nach Regen aussieht, und dafür sorgst, dass er immer genug Schnupftücher und Hustenbonbons in der Tasche hat. Jemanden wie …«
Führe Positives auf und sprich über das Gute, das dein Partner für dich getan hat.
Meine Finger krümmen sich in nervöser Erwartung. Das macht er prima. Nur noch etwas mehr …
»Vielleicht jemanden wie Ethan Filmore.«
Volltreffer. Erwähne einen attraktiven Studienkollegen, der womöglich Interesse hat. In Laurens Fall ist es Ethan, der demnächst seinen Abschluss in Kunst& Design macht und den Lauren seit zwei, drei Semestern aus Seminaren kennt.
Danke, Darce! Um dies einzufädeln, hat sie ihre Magie spielen lassen.
»Gut gemacht«, murmle ich, während ich das Paar über einige Tische weg im Innenhof des Cafés beobachte. »Jetzt, Darce«, flüstere ich ins Mikrofon meines Ohrhörers.
Schon taucht Ethan auf. Sein künstlerisches Auftreten ist klischeehaft, doch er hat Ausstrahlung, das muss ich ihm lassen – vor allem mit der Baskenmütze, die er immer trägt.
»Ach«, fängt Lauren an, »mach dich doch nicht schlecht, Bryce.« Sie umfasst seine Hand auf dem kleinen runden Tisch. »Du warst genau, was ich brauchte, aber wo du es jetzt sagst …« Sie verstummt nachdenklich.
»Du nimmst es mir also nicht übel?«, fragt er leise, drückt kurz und sanft ihre Rechte, entzieht ihr dann die Hand.
Genau wie wir es geübt haben.
Verlassen sollen sie sich besser fühlen als vorher.
Laurens Mund öffnet sich. Ihr Blick springt zwischen Bryce und Ethan hin und her, der sich dem Tisch nun nähert.
»Entschuldigt die Störung.« Ethan sieht verlegen drein, und sein Blick gleitet zu Bryce, ehe er ihn mit brennender Intensität auf Lauren richtet. »Ich wollte fragen, ob du am Freitag mit mir in die Ausstellung gehen magst.«
Sie errötet. »Ich, äh, ja. Sehr gern.« Jetzt ist sie knallrot.
Das geht ja echt leicht! Sicher, Lauren und Bryce waren nur vier Monate zusammen, aber laut Bryce begann ihre Entfremdung vor acht Wochen. Solche problemlosen Trennungen helfen uns, die weit schwierigeren durchzustehen. Jeder braucht mal eine Atempause, sogar ich.
Leuten beim Beenden ihrer Beziehung zu helfen ist anstrengender, als man denkt.
»Toll, eine Begleitung zu haben, die sich auskennt.« Ethan tritt von einem Fuß auf den anderen. Sofort straffe ich mich und versuche ihm telepathisch zu vermitteln, er solle selbstbewusst bleiben und das ausstrahlen. »Und obendrein eine Schönheit ist.«
Lauren macht große Augen und öffnet staunend den Mund. »Das ist echt total –«, beginnt sie, bremst sich aber, weil Bryce noch dabeisitzt.
Der lächelt sie freundlich an, zwinkert ihr zu, steht auf. »Macht ihr zwei mal hübsch Pläne fürs Wochenende.«
»Bye, Bryce!« Sie lächelt dankbar und konzentriert sich wieder au