Da war es wieder, dieses verrückte Lachen. Ich blickte mich um, konnte aber nicht ausmachen, woher es kam. Es schien ein Teil der Dunkelheit selbst zu sein. Schwarzes Wasser schwappte über meine Füße, als ich auf den Steg aus filigranen Eisengittern trat. Ich glaubte, eine Kinderstimme „Rette mich, rette mich“ rufen zu hören und ging darauf zu. Doch unter mir sah ich gesichtslose Gestalten. Sie streckten mir ihre weißen Arme entgegen und riefen: „Hilf uns zuerst.“
Das Lachen wurde lauter, bis es mich überwältigte. Ich rannte los. Wasser spritzte unter meinen Füßen und als ich auf meine Schuhe hinabblickte, sah ich, dass sie schwarz waren. Da begriff ich, dass es gar kein Wasser war. Es war Blut.
Ich erwachte mit klopfendem Herzen und richtete mich auf. Meine Hände klammerten sich an die kühle Wirklichkeit der Laken, ehe mir bewusst wurde, dass ich in meinem Zimmer war. Während sich die Stille des leeren Hauses um mich herum in mein Bewusstsein drängte, saß ich eine Weile reglos da und fragte mich, was dieser Traum mir sagen wollte. Ich träumte ihn in dieser Woche schon zum dritten Mal. Beim ersten Mal hatte ich es auf ein exotisches, mongolisches Essen bei meinen Freundinnen auf der anderen Seite des Patchin Place geschoben (sie durchlebten gerade eine nomadische Phase), aber da ich nun zum dritten Mal dasselbe geträumt hatte, musste mehr als meine Verdauung dahinter stecken.
In meiner Heimat in Irland waren Träume immer sehr ernst genommen worden. Meine Mutter wäre auf der Stelle in der Lage gewesen, diesen zu deuten. Wobei ich glaube, dass ihre Interpretation dadurch beeinflusst worden wäre, dass ich in ihren Augen ungezogen war, die Älteren nicht respektierte und auf ein schlimmes Ende zusteuerte. Doch ich erinnere mich an die Frauen, die bei einer Tasse Tee in unserem Cottage zusammengesessen und erörtert hatten, ob der Traum von einer schwarzen Kuh von zukünftigem Reichtum oder einem Todesfall in der Familie kündete. Was hätten sie wohl zu einem Meer aus Blut gesagt? Ich erschauderte und schlang die Arme um mich.
Mein Leben war sehr turbulent gewesen, seit ich von meinem Auftrag am Hudson zurückgekehrt war, doch ich konnte mir nicht erklären, was einen solch entsetzlichen Alptraum auslösen mochte. Natürlich war da mein furchteinflößendes Martyrium im Fluss. Das könnte für einen Traum von Wasser verantwortlich sein. Und ich hatte die kleine Bridie O’Connor beinahe an den Typhus verloren. Sie hatte sich noch immer nicht vollständig erholt und war nach Connecticut in ein Lager für kränkliche Kinder geschickt worden, geleitet von den Damen aus dem Siedlungsbau in der 6th Avenue. War es ihre Stimme, die ich im Traum gehört hatte? Rief sie nach mir, damit ich zu ihr kam? Hätte ich aufs Land rausfahren sollen, um bei ihr zu sein?
Ich stand auf und lief zum Treppenabsatz. Unter meinen nackten Füßen spürte ich das kalte Linoleum. Ich hielt an der Tür inne, hinter der Bridie und Shamey gelebt hatten und erwartete beinahe, den gleichmäßigen Atem der Kinder zu hören. Doch das einzige Geräusch war das rhythmische Ticken der Uhr unten auf dem Kaminsims. Ich zitterte plötzlich, obwohl es noch Hochsommer und die Nacht warm war. Ich kehrte ins Bett zurück, hatte aber zu viel Angst, um wieder einzuschlafen. Mir ging auf, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben allein in einem Haus war. Normalerweise wäre ich stolz gewesen, die Herrin meines eigenen Hauses zu sein, aber im Augenblick verspürte ich nichts als überwältigende Einsamkeit. Ich saß da, hatte die Knie an meine Brust gezogen und starrte aus dem Fenster auf die tanzenden Schatten an der Hauswand auf der anderen Seite der Gasse. Als sich am Himmel ein erster Streifen der Morgendämmerung zeigte, stand ich auf, machte mir eine Tasse Tee und beobachtete aus dem Augenwinkel das Fenster, bis ich meine Nachbarin Gus herauskommen sah, die bei der Clement Family Bakery um die Ecke in der 6th Avenue ihre Frühstücksbrötchen holte.
Ich brauchte gerade dringend Gesellschaft. Ich wusste, dass ich in ihrem Haus immer willkommen war, aber mein Stolz und der Ekel über meine eigene Schwäche l