: Thomas Franke
: Soko mit Handicap: Der Tote und der Taucher Kriminalroman
: Gerth Medien
: 9783961224463
: 1
: CHF 11.70
:
: Erzählende Literatur
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Theo Marquardt ist Anfang 20 und lebt in einer Berliner Wohngemeinschaft für Menschen mit Behinderung. Ohne seinen Rollstuhl kommt er nicht weit, denn er leidet an Kongenitaler Muskeldystrophie. Als er eines Morgens erfährt, dass ein Mitbewohner die Nacht nicht überlebt hat, sitzt der Schock tief. Doch offenbar sind zur nächtlichen Stunde seltsame Dinge geschehen. Warum ist der Autist Keno wie aufgelöst und spricht immer wieder von einem Taucher? Was hat die kleine Wunde am Arm des Verstorbenen zu bedeuten, und warum hat es dessen Familie so eilig, ihn unter die Erde zu bringen? Die Fragen lassen Theo nicht los, und er beschließt, der Wahrheit auf den Grund zu gehen ... Ein spannender, tiefgründiger und nicht zuletzt dank des liebenswerten 'Sondereinsatzkommandos mit Handicap' ganz besonderer Kriminalroman.

Thomas Franke ist Sozialpädagoge und bei einem Träger für Menschen mit Behinderung tätig. Als leidenschaftlicher Geschichtenschreiber ist er nebenberuflich Autor von Büchern. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. www.thomasfranke.net Foto: © Studioline Erlangen

Nacht


Theo schlug die Augen auf. Unwillkürlich lauschte er. Etwas hatte ihn geweckt etwas Beunruhigendes. Ein leises Brummen lag in der Luft, doch sonst war alles still. Mit der Benommenheit des gerade Erwachten versuchte er zu begreifen, was ihn aufgeschreckt hatte. Doch die Erinnerung verblasste so rasch wie ein Traumbild in den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne.

Wo bin ich hier überhaupt? Theo blinzelte ein paarmal und starrte in das verschwommene Zwielicht des Raums. Ohne Brille war er aufgeschmissen. Gedämpftes orangerotes Licht zeichnete bizarre Muster an die weiße Decke. Ein Schweißtropfen rann ihm über die Stirn. Es war warm, und er hatte seine Atemmaske nicht auf. Irgendetwas stimmte hier nicht.

Theo tastete nach seiner Brille. Zu dumm, dass sein Bewegungsradius mittlerweile auf einen knappen halben Meter eingeschränkt war. Anstelle seines Nachttisches ertastete er nur weiche Kissen. Mühsam drehte er den Kopf. Die Matratze unter ihm bewegte sich und blubberte leise. Neben ihm lag etwas, das verdächtig nach einem Plüschherz aussah.

Das ist nicht mein Bett, ging es ihm durch den Kopf.Ich muss auf dem Wasserbett im Snoezelenraum eingeschlafen sein.

Er versuchte, seine trägen Synapsen in Bewegung zu bringen. Gestern Abend hatten die Mitglieder seiner WG ihren monatlichen Karaoke-Abend zelebriert. Theo mochte seine Mitbewohner, er mochte sie sogar sehr. Aber Singen, im Sinne der korrekten Wiedergabe einer vorgegebenen Melodie, zählte nicht zu ihren Begabungen. Im Snoezelenraum war man vor den akustischen Konsequenzen dieses Events einigermaßen sicher. Deshalb hatte er sich aufs Wasserbett legen lassen. Wie spät es wohl war? Er linste in Richtung Uhr. Es war drei Uhr mitten in der Nacht.Die haben mich hier vergessen.

Ungünstigerweise hatte das Blubbern des Wasserbetts eine inspirierende Wirkung. Er spürte seine volle Blase.

Hallo? , rief er. Seine Kehle fühlte sich trocken an. Wahrscheinlich hatte er geschnarcht wie ein komatöser Seeelefant. Hallo!

Waren da Schritte im Flur zu hören? Er war sich nicht sicher.

Angestrengt lauschte er nichts. Er musste sich getäuscht haben.

Auch auf die Gefahr hin, seine Mitbewohner zu wecken, holte er tief Luft und rief: Ic