: Robert B. Parker
: Das dunkle Paradies Ein Fall für Jesse Stone, Band 1
: Pendragon Verlag
: 9783865323620
: 1
: CHF 8.00
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Jesse Stone muss sich entscheiden: Seine Ehe liegt in Trümmern und sein Alkoholproblem droht übermächtig zu werden. Der Cop tritt die Flucht nach vorn an - nur weg aus Los Angeles. Dass er auf Anhieb einen Posten als Polizeichef in dem kleinen Städtchen mit dem verheißungsvollen Namen Paradise erhält, überrascht niemanden mehr als Stone selbst. Doch schon bald merkt er: Die Neu-England-Idylle trügt. Mehrere brutale Morde erschüttern Paradise. Bei seinen Ermittlungen stößt Stone auf politische Verstrickungen und korrupte Beamte, die ihm das Leben schwer machen. Den kaltblütigen Machenschaften steht Jesse Stone ganz allein gegenüber, denn in Paradise kann er niemandem trauen.

Robert B. Parker wurde 1932 geboren. 1973 erschien sein erster »Spenser«-Roman und bereits 1977 erhielt er für den Titel »Beute für Profis« den Edgar-Allan-Poe-Award für den besten Kriminalroman des Jahres. Insgesamt 39 »Krimis hat Robert B. Parker seinem Spenser gewidmet. Die Jesse-Stone-Reihe - übrigens erfolgreich mit Tom Selleck (u. a. »Magnum«) in der Hauptrolle verfilmt - umfasst 9 Bände, die komplett in deutscher Übersetzung vorliegen. 2010 verstarb Robert B. Parker in Massachusetts.

26


Die Freedom’s Horsemen probten eine Parade in dem Waldstück neben den Eisenbahngleisen hinter der High School. In voller Kriegsmontur, mit Tarnanzug und einem .45er-Revolver mit weißem Griff in einem Schulterholster, dirigierte Hasty Hathaway seine Truppen mit einem Megafon.

»Die erste Abteilung nimmt Aufstellung entlang des Bahndamms auf der rechten Seite!«

Durch das Megafon wirkte seine Stimme nicht mehr wie die eines Menschen.

»Die zweite Abteilung nimmt Aufstellung auf dem Hügel hier unter den Bäumen!« Die mechanische Stimme klang seltsam hier am bewaldeten Rand der Salzmarsch, die von den Eisenbahngleisen durchzogen wurde.

»Ihr verteilt euch unter den Bäumen, damit die Hubschrauber euch nicht sehen können, und ihr haltet euer Feuer niedrig, damit es sich mit dem der ersten Abteilung kreuzt, so wie wir es besprochen haben. Unteroffiziere bleiben bei der Mannschaft und warten auf meinen Befehl!«

Die Luft des Spätsommernachmittags war erfüllt vom Zirpen der Grillen und das Zwitschern eines Vogels klang eher wie Schluckauf als Gesang. In der Salzmarsch gab es zahlreiche Insekten mit großen, durchsichtigen Flügeln, die dicht über der Oberfläche des brackigen Wassers zwischen den Salzgrashügeln schwebten. Im Wasser zwischen den Seegrasklumpen dümpelten einige bunte Strandbälle.

Die mechanische Stimme aus dem Megafon meldete sich wieder.

»Feuer frei!«

Eine Gewehrsalve peitschte über die Marsch hinweg. Die Strandbälle explodierten, als die Kugeln sie durchschlugen. Das Wasser zwischen den Grashügeln spritzte auf und schäumte, als die Kugeln hineinklatschten. Es war gemischtes Feuer. Man hörte das Knallen der Pistolen, das härtere Krachen der Gewehre und das hohle Kläffen der Schrotflinten.

Nach einigen Augenblicken Dauerfeuer dröhnte die mechanische Stimme wieder: »Feuer einstellen!« Und die Marsch, die gerade unter dem Klang der Salve erzittert war, lag schlagartig wieder ruhig da, diesmal aber ohne den Schluckauf des Vogels und das Zirpen der Grillen. Nicht ein einziges Insekt flog über die Wasseroberfläche und die Strandbälle waren allesamt verschwunden. Nur ein leuchtendes Stück Plastik hing an einem Strauch als Beweis dafür, dass da einmal etwas gewesen war.

»Abteilung vortreten!«, brüllte das Megafon. Die Männer, die alle wie Soldaten gekleidet waren, traten zwischen den Bäumen hervor oder kamen vom Bahndamm herübergelaufen und umringten Hathaway, der sich auf einen Stapel Eisenbahnschwellen gestellt hatte, etwa hundert Meter vom Footballfeld der High School entfernt. Er hob wieder das Megafon und hielt seine Rede.

»Freunde, lasst mich euch zuerst gratulieren. Wenn dies ein Ernstfall und keine Übung gewesen wäre, hätten wir uns großartig behauptet. Das Kreuzfeuer war perfekt, die Disziplin ebenfalls. Jeder von euch hat seine Aufgabe bravourös erfüllt, ich bin stolz auf alle.