: Robert Brack
: Rechnung mit einer Unbekannten Tolonen-Trilogie
: Pendragon Verlag
: 9783865325365
: 1
: CHF 0.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 360
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Tolonen ist sturzbetrunken. Auf einem Presseball wird er um Mitternacht 40. Das stürzt ihn in eine tiefe Sinnkrise. Alkohol und eine Wette mit seinem Kollegen Kreissberg sollen helfen, den Abend zu überstehen. Allerdings geht die Rechnung nicht auf. Tolonen torkelt nach Hause und muss hilflos zusehen, wie die Schauspielerin Hanna Marenka, mit der er gerade noch geflirtet hatte, direkt vor seinen Augen entführt wird. Filmriss! Am nächsten Morgen wacht der Journalist schwer verkatert auf. Da kommen ihm die zwei seltsamen Gestalten, die sich als Mormonen ausgeben, gerade recht. Merkwürdig nur, dass sie über seine Eskapaden bestens informiert sind. Mit nachlassenden Kopfschmerzen kehrt allmählich sein Erinnerungsvermögen zurück. Tolonens Neugier ist geweckt. Doch gerade, als er erste Spuren verfolgt, taucht Hanna Marenka wieder auf der Bildfläche auf. Der Fall scheint gelöst zu sein. Wären da nicht die vermeintlichen Mormonen und weitere dubiose Gestalten, die ihn in die Mangel nehmen ...

Robert Brack wurde 1959 als Ronald Gutberlet in Fulda geboren und lebt seit 1981 in Hamburg; nach dem Studium der Soziologie freier Autor; früher sehr viel Journalismus, jetzt fast ausschließlich Buchprojekte; neben Romanen und Erzählungen auch Sachbücher; Übersetzungen aus dem Englischen/Amerikanischen im Krimi-Bereich (u.a. Robert B. Parker), außerdem Krimi-Kritik und gelegentlich Anthologie-Projekte.

1

Sie klingelten Sturm. Fünf Minuten lang. Es war zum Wahnsinnigwerden. Als ich mich endlich aus dem Bett schwang, stieß ich die offene Mineralwasserflasche um. Um meinen linken Fuß sammelte sich kaltes Wasser. Ich stolperte durch das dunkle Zimmer in den Flur und riss die Tür auf.

Draußen standen zwei Stoppelköpfe und grinsten mich an.

„Grüß Gott!“, sagten sie.

Sie waren tadellos gekleidet. Dunkelblaue Anzüge, hellblaue Hemden, Krawatten mit dem Hamburger Wappen. Ich zog meine Boxershorts zurecht. Mormonen! Das hatte mir gerade noch gefehlt. Wie spät war es? Ein bohrender Schmerz meldete sich in meinem Hinterkopf.

„Wir stören Sie doch nicht?“, sagte der Größere der beiden. Er war der Ältere, etwa Anfang 30, hatte ein kugelrundes, leicht aufgedunsenes Gesicht und ungeheuer große Hände. Die Nasenlöcher der etwas zu kleinen Nase wirkten in seinem breiten Gesicht unverhältnismäßig groß. Eine Schönheit war er nicht. Wieso trug er einen Ehering an der einen Hand? Ich sah mir seine andere an. Waren Mormonen nicht Polygamisten? Der hier trug jedenfalls nur einen Ring. Oder reichte der auch für mehrere Frauen aus?

„Wir wollen mit Ihnen über Gott sprechen“, sagte der Große.

„Für Gott ist es nie zu spät“, erklärte der andere. Er hatte eine hohe Stimme und ein extrem bleiches Gesicht. Er trug überhaupt keinen Ring, hielt aber einen schwarzen Aktenkoffer in der einen Hand. Beide Männer sprachen mit amerikanischem Akzent und stellten das sauberste Lächeln zur Schau, das man sich überhaupt vorstellen kann.

„Zu früh“, sagte ich, „es ist noch zu früh für den lieben Gott. Ich muss wieder ins Bett zurück. Wenn Sie mir ein Gesangbuch verkaufen wollen, müssen Sie später wiederkommen.“

„Wir wollen Ihnen nichts verkaufen, wir wollen Ihre Seele retten“, sagte der Große.

Mir wurde kalt. Die beiden gingen mir auf die Nerven.

„Meine Seele hab ich momentan nicht bei mir …“

Ich drehte mich um und suchte nach dem Türgriff. Dann trat ich einen Schritt zurück, um die Tür zu schließen. Wie auf ein Kommando ruckten sie einen Schritt nach vorn. Das ärgerte mich. Ich hatte nicht die geringste Lust, mich mit ihnen herumzustreiten. Ich holte tief Luft und wollte losbrüllen.

Der Große fing plötzlich an, breit zu lächeln, und streckte mir die Hand entgegen:

„Herzlic