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Da Jesses Büro für den Menschenauflauf nicht groß genug war, begab man sich ins Besprechungszimmer des Reviers. Jesse saß am Kopfende des Konferenztisches, neben ihm Martin Reagan, der stellvertretende Staatsanwalt von Essex County. Molly und Suitcase Simpson hatten sich an der Tür postiert. Bo Marino und seine Eltern saßen auf der einen Seite des Tisches, während Troy Drake und seine Mutter gegenüber Platz genommen hatten. Die beiden Familien wurden von zwei Anwälten einer großen Kanzlei aus Boston vertreten, die sich ans andere Ende des Tisches gesetzt hatten. Die Wortführerin war eine fesche rothaarige Anwältin namens Rita Fiore. Der andere Anwalt war ein kleiner Mann mit eingefallenem Gesicht und grauem Bart. Sein Name war Barry Feldman.
»Hier ist der Stand der Dinge«, sagte Jesse. »Ich hoffe, noch alle Fakten präsent zu haben. Aber notfalls wird mir Marty hier unter die Arme greifen müssen.«
Rita lächelte.
»Dann mal los«, sagte sie.
»Wir haben eine eidesstattliche Erklärung von Kevin Feeney, dass er, Bo Marino und Troy Drake Candace Pennington vergewaltigt und anschließend nackt fotografiert haben.«
»Und Kevin ist auf diesen Fotos eindeutig identifizierbar?«, fragte Rita.
»Eindeutig«, sagte Jesse.
»Wie mutig von ihm, das auch zuzugeben«, sagte Rita.
»Wir haben die eidesstattliche Erklärung von Candace Pennington, dass sie von Kevin Feeney, Bo Marino und Troy Drake vergewaltigt und nackt fotografiert wurde.«
»Wobei sie ja wohl kaum als neutraler Beobachter bewertet werden kann«, sagte Rita.
»Rita«, sagte Martin Reagan, »lassen Sie uns doch damit warten, bis der Fall wirklich vor Gericht verhandelt wird. Wir haben uns heute hier nur versammelt, um die Beschuldigten zu hören – und die Beschuldigten legten Wert darauf, zu diesem Termin mit ihren Anwälten zu erscheinen.«
»Der dann wohl ich wäre«, sagte Rita mit einem Blick zu Feldman, »und Barry natürlich auch.«
»Barry Feldman«, ergänzte der zweite Anwalt.
Jesse nickte. Er schaute zu Troy Drake herüber.
»Gibt es irgendetwas, was du zum Fall sagen willst, Troy?«
Troy Drake hatte extrem blonde Haare und volle Lippen, die Jesse an den Schmollmund von Carly Simon erinnerten. Troys Mutter hatte die gleichen Lippen und war genau so blond wie er.
»Ich habe meinen Klienten empfohlen, sich nicht zum Fall zu äußern«, sagte Rita.
Feldman nickte.
»Habt ihr vor, euch an diese Empfehlung zu halten?«, fragte Jesse.
Niemand am Tisch regte sich.
»Okay«, sagte Jesse, »dann wird ein Inspektor jetzt eure Rechte vorlesen und euch dann zu den Zellen führen.«
»Sie haben mich doch schon einmal festgenommen und dann wieder freilassen müssen«, sagte Bo.
»Das betraf eine andere Straftat«, sagte Jesse. »Dies hier ist ein neuer Fall.«
»Können die das wirklich machen?«, fragte Mrs. Drake.
»In ein paar Stunden hab ich sie wieder frei«, sagte Rita.
»Ich werde Untersuchungshaft beantragen«, sagte Reagan.
»Marty, machen Sie sich doch nicht lächerlich«, sagte Rita. »Es handelt sich hier um Kinder.«
»Genau wie bei Candace Pennington«, sagte Reagan.
»Sie können meinen Sohn nicht ins Gefängnis stecken«, sagte Mrs. Drake. »Ich weiß, dass er nichts Schlimmes angestellt hat.«
Mrs. Marino brach in Tränen aus