: Robert Brack
: Die Spur des Raben Polnische Trilogie
: Pendragon Verlag
: 9783865325228
: 1
: CHF 0.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 396
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der ehemalige Reformaktivist Janusz Kosak ist vom polnischen Geheimdienst mundtot gemacht worden. Doch sind es nicht nur der Staat und die Partei, die eine Rechnung mit ihm zu begleichen haben. Kosaks alter Jugendfreund Roman Bandrowski, mit dem er einst politische Ideale teilte, ist jetzt sein Todfeind. Der geschickte Intrigant und Opportunist hat es im Laufe der Jahre geschafft, im Staatsapparat in entscheidende Machtpositionen aufzusteigen. Doch der 'Rabe' ahnt, dass Kosak ihn zu Fall bringen kann - und das hat tödliche Konsequenzen. Robert Brack beschreibt im zweiten Band seiner Polnischen Trilogie die Jahre 1983 bis 1987, als nach der Niederschlagung der Solidarno??-Bewegung der polnische Frühling unter dem Kriegsrecht ein jähes Ende fand.

Robert Brack, Jahrgang 1959, lebt als freier Autor, Übersetzer und Journalist in Hamburg.

1

Sopot, Herbst 1983

Der Saxophonist in derKawiarnia Bałtyk blies sich die Seele aus dem Leib. Wie jeden Samstagabend zu fortgeschrittener Stunde wagte er sich an sein LieblingsstückI Did It My Way von Frank Sinatra. Er spielte nur die Melodie, ohne Variationen, aber er spielte sie mit Gefühl. Er fand kein Ende, immer wieder begann er einen neuen Chorus, ganz so, als wolle er der Wahrheit der Melodie noch ein Stück näherkommen, als hätte er sein ganzes Leben darauf gewartet, sie spielen zu dürfen. Bis vor einer halben Stunde hatte er lediglich als schmeichlerischer Begleitmusiker die dralle blonde Sängerin namens Danuta begleiten dürfen, und keiner hätte ihm diese Inbrunst zugetraut. Nun aber schwitzte er aus allen Poren seines gedrungenen Körpers, und jedermann konnte erkennen, wie ernst es ihm war. Schweißbäche ergossen sich über sein breites Gesicht, das von der abenteuerlichen Lichtorgel abwechselnd mit rotem oder grünem Geflacker erleuchtet wurde. Die Band zog wacker mit, und auf der Tanzfläche drängten sich engtanzende Paare.

Janusz Kosak saß am anderen Ende des Saales an der Bar und überlegte, ob er nach Hause gehen sollte. Das Bier war bereits zur Neige gegangen, und wenn er noch länger bleiben wollte, würde er auf Wodka umsteigen müssen. Bevor er hergekommen war, hatte er sich vorgenommen, standhaft zu bleiben. Am letzten Wochenende hatte er sich in reichlich angetrunkenem Zustand von einem ebenso unzurechnungsfähigen alten Mann in eine politische Diskussion ziehen lassen, die darin gegipfelt hatte, dass der Alte laut brüllend verlangte, man solle den Staatsapparat „von diesem Judenpack“ reinigen. Kosak hatte den Mann am Kragen gepackt und versucht, ihn aus dem Lokal zu zerren. Der Misshandelte hatte gebrüllt wie am Spieß und verlangt, man solle die Miliz rufen. Kosak hatte es daraufhin mit der Angst bekommen, den Alten in Richtung der tratschenden Garderobenfrauen geschubst und war nach Hause getorkelt. Bei dem Gedanken daran schüttelte er den Kopf – in diesem Zustand noch den Moralisten spielen zu wollen war wirklich absurd.

Als er sah, dass die blonde Danuta ihm vom anderen Ende der Bar herüber einen vielversprechenden Blick zuwarf, bestellte er doch noch einen Wodka. Auf diese Entfernung macht sie einen ganz passablen Eindruck, dachte er. Das enge Kl