: Jürgen Reitemeier, Wolfram Tewes
: Letzte Runde Jupp Schulte ermittelt
: Pendragon Verlag
: 9783865326997
: 1
: CHF 10.80
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 320
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wird für Jupp Schulte die letzte Runde eingeläutet? Im nunmehr zehnten Lippe-Krimi des Duos Reitemeier?/?Tewes kommt es für ­Schulte knüppeldick. Eigentlich wollte er nur helfen, aber plötzlich steht er unter Mordverdacht, sein Gedächtnis lässt ihn im Stich, seine Kollegen wenden sich von ihm ab. Und je heftiger er sich zur Wehr setzt, desto fester zieht sich die Schlinge um seinen Hals zusammen.

Jürgen Reitemeier, geboren 1957 in Hohenwepel-Warburg/Westfalen. Nach einer handwerklichen Ausbildung zum Elektromaschinenbauer studierte er Elektrotechnik, Wirtschaft und Sozialpädagogik an den Hochschulen Paderborn und Bielefeld. Seit vielen Jahren verheiratet, lebt und arbeitet er seit mehr als zwanzig Jahren in Detmold. Wolfram Tewes, geboren 1956 in Peckelsheim/Westfalen. Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern lebt mit seiner Ehefrau in Horn-Bad Meinberg. Er arbeitet seit vielen Jahren für eine regionale Tageszeitung.

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Es war schon wieder knackekalt und sehr dunkel. Klar, es war kurz vor Neumond. Die noch bis vor drei Tagen geschlossene Schneedecke hatte sich in gefrorenen Matsch verwandelt. Bei solchen Lichtverhältnissen konnte man schnell schwermütig werden. Doch setzte der Sonnenschein, der heute den ganzen Tag über geherrscht hatte, den anrückenden Selbstmordgedanken etwas entgegen.

Schulte drehte mit seinem Hund Monster die übliche Abendrunde. Auch ihm ging dieses Wetter mittlerweile ziemlich an die Nieren. Da der Hund nicht mehr der Jüngste war und ziemlich langsam hinter seinem Herrn hertrottete, verlegte Schulte die Wartezeiten auf das Tier jeweils an Orte, die von einer Straßenlaterne beschienen wurden. Hier betrachtete er Eiskristalle, die wie viele Tausend Diamanten glitzerten. Dieser Eindruck entschädigte ihn für das deprimierende Grau in der Dunkelheit. Wieder schnüffelte der Hund unendlich lange an einem nichtssagenden Ort. Das nervte langsam. Schulte sah auf die Uhr. Es war kurz vor neun. Verdammt, das Bayern-Spiel hatte schon angefangen, und dieser blöde Köter hatte nichts Besseres zu tun, als sich irgendwelche Duftstoffe durch die Nase zu ziehen.

„Monster, los jetzt! Wir müssen nach Hause.“ Der Hund hob den Kopf und sah in die Richtung seines Herrn. Dann pinkelte er auf die Stelle, die er eben noch so intensiv berochen hatte. Erst danach setzte das Tier seinen massigen Körper langsam in Bewegung. Schulte reichte es. Er kramte in seiner Jackentasche, zog eine Leine hervor. Ab jetzt bestimmte er das Tempo. Der Hund ließ sich mehr oder weniger von ihm ziehen und trottete nur widerwillig hinter seinem Chef her.

In der Einfahrt seines Hauses bewegte sich Schulte sehr vorsichtig. Erst gestern war er ausgerutscht, war gestürzt und hatte sich empfindlich wehgetan. Die Gelenkigkeit vergangener Jahre war ihm längst abhandengekommen.

Als er seine Haustür aufschloss, umhüllte ihn eine wohlige Wärme. In seinem Wohnzimmer prasselte das Feuer im Ofen. Wie hatte er nur all die Jahre auf diese Form der Gemütlichkeit verzichten können? Schulte hängte seine Jacke an einen Haken, holte sich eine Flasche Detmolder aus dem Kühlschrank und machte es sich auf dem Sofa gemütlich. Der Fernseher meldete mit drei Orgeltönen, dass er betriebsbereit war. Im nächsten Moment stand das Bild. Links oben am Rand konnte Schulte in einem kleinen Kasten lesen, dass es schon 1:0 für Bayern München stand. Der Abend schien schon wieder verdorben. Doch da, ein langer Pass auf Nöthe. Ein Fehler von Demichelis und Nöthe schob den Ball ganz cool ins Tor. Fürth hatte ausgeglichen.

„Jawohl!“, brüllte Schulte begeistert und gönnte sich den ersten Schluck des Abends. So hatte er es sich vorgestellt. An einem gemütlichen Abend auf dem Sofa liegen, ein bisschen ins Feuer gucken, die eine oder andere Flasche Bier trinken und am Ende würden die Bayern womöglich noch verlieren. Je älter man wird, desto weniger braucht man, um zufrieden zu sein, dachte Schulte.

Die Titelmelodie aus dem Easy-Rider-Film,Born to be wild, störte seine Gedanken. Wer konnte das sein? Schulte hatte Feierabend und heute keinen Bereitschaftsdienst. We