: James Lee Burke
: Straße der Gewalt Ein Dave-Robicheaux-Krimi, Band 13
: Pendragon Verlag
: 9783865325822
: Ein Dave Robicheaux-Krimi
: 1
: CHF 8.00
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 520
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Pater Jimmie Dolan wurde brutal zusammengeschlagen, mitten in New Orleans. Nicht das Revier von Dave Robicheaux. Nicht mehr. Doch den Sheriff im ruhigen New Iberia holt die Vergangenheit in den fiebrig rauen Straßen wieder ein. Jimmie Dolan ist ein vertrauter Teil jener wütenden Vergangenheit und so lässt die Frage Robicheaux keine Ruhe, wer es auf seinen Freund abgesehen hat und vor allem: Warum? Dave mischt sich ohne Auftrag in den Fall ein, unterstützt von Clete Purcel. Bald sitzt dieser im Knast und auf die eindringliche Warnung, sich aus den Angelegenheiten herauszuhalten, hätten vorsichtigere Zeit­genossen als Dave Robicheaux gehört. Als ein rücksichtsloser Auftragskiller ins Spiel kommt, eskaliert die Gewalt. Aus Dave Robicheauxs Vergangenheit wird eine brandheiße Gegenwart.

James Lee Burke, 1936 in Louisiana geboren, wurde Ende der 1960er Jahre als neue Stimme aus den Südstaaten gefeiert. Mitte der 1980er Jahre begann er Kriminalromane zu schreiben, in denen er die unvergleichliche Atmosphäre von New Orleans mit starken Geschichten verbindet.

2

Junior Crudups Enkelin hatte ein Gesicht wie ein Goldfisch, ihre helle Haut war mit Sommersprossen übersät, und die Brille verwandelte ihre Augen in wässrig braune Kugeln. Sie saß in einem Polstersessel, wedelte sich mit einer Illustrierten frische Luft zu, ihre Fettrollen prall unter dem Kleid, darauf wartend, dass ich mit meiner Untersuchung der Stella-Gitarre, die dreißig Jahre lang in einer Ecke ihres Dachbodens gelegen hatte, zu einem Ende kam. Die Saiten waren weg, die Wirbel eingerostet, das Schallloch mit Spinnweben überzogen. Ich drehte die Gitarre auf den Bauch und betrachtete die drei Worte, die in die Rückseite des Halses gekratzt waren:Huddie Love Sarie.

„Leadbellys richtiger Name war Hudson Ledbetter, aber alle nannten ihn Huddie. Seine Frau hieß Sarie“, sagte ich.

Junior Crudups Enkelin sah aus einem Seitenfenster zu zwei Kindern hinaus, die auf einer Schaukel spielten, die am Ast eines Pekannussbaums befestigt war. Sie hieß Doris. Sie reckte immer wieder die Schultern, als ob ein großes Gewicht auf ihre Lungen drückte. „Wassn die wee-at?“, fragte sie.

„Kann ich nicht sagen“, erwiderte ich.

„Vier oder fünf Songs lagen unten im Gitarrenkoffer, jeder mit Juniors Unterschrift“, sagte Father Jimmie.

„Yeah, wassn die wee-at?“, fragte Doris.

„Da müssen Sie schon jemand anderen fragen“, sagte ich.

Sie warf Father Jimmie einen schrägen Blick zu, dann erhob sie sich von ihrem Sessel und ging mit meiner Tasse in die Küche, obwohl ich den Kaffee darin noch gar nicht ausgetrunken hatte.

„Ihr Mann ist vor drei Jahren gestorben. Letzten Monat hat der Sozialarbeiter ihr die Unterstützung gestrichen“, sagte Father Jimmie.

„Warum?“

„Dem Sozialarbeiter war halt danach. So läuft das eben. Kommen Sie, gehen Sie mal kurz mit mir vor die Tür“, sagte er.

„Ich muss jetzt langsam nach Hause.“

„Dafür haben Sie noch Zeit“, sagte er.

Wir gingen hinaus in die sonnenhelle, vom Regen gewaschene Schönheit des Herbstnachmittags. Der Pekannussbaum im Garten neben dem Haus plusterte sich im Wind auf, und ein sandfarbener Hund wälzte sich auf dem Rücken im Dreck, während die Kinder daneben auf ihrer Schaukel vor und zurück schwangen. Aber als ich Father Jimmie einen Hang hinunter Richtung Wald hinter dem Haus folgte, spürte ich deutlich, wie sich die Topographie unter meinen Füßen änderte, als ob ich auf einem Schwamm ginge.

„Was ist das für ein Geruch?“, fragte ich.

„Sagen Sie’s mir.“ Er riss eine Handvoll Gras aus dem Boden und hielt mir die Wurzeln unter die Nase. „Das wird hier aus dem ganzen Süden angekarrt. Doris’ Lungen nutzen ihr so viel wie verfaulter Kork. Die Leute hier in der Gegend haben Eimer in den Autos, wegen des permanenten Durchfalls ihrer Kinder.“

Ich stützte mich am Stamm eines verdorrten Kakibaums ab und sah mir die Sohlen meiner Schuhe an. Sie waren mit einer schwarzgrünen Substanz verschmiert, als wäre ich durch eine Fabrikhalle gegangen. Wir überquerten auf einem Holzsteg einen Regengraben. Auf der Wasseroberfläche trieb ein buntschillernder Film, der in langen Bläschenketten vom Grund des Grabens aufzusteigen schien. Entlang des Waldrands zogen sich etwa zwanzig Absetzbecke