: Jessica Kremser
: Frau Maier ermittel (Vol.2)
: Pendragon Verlag
: 9783865326508
: 1
: CHF 8.90
:
: Historische Kriminalromane
: German
: 624
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
FRAU MAIER SIEHT GESPENSTER Eigentlich hätte Frau Maier allen Grund zufrieden zu sein, denn sie hat eine neue Arbeitsstelle gefunden - im prächtigen Schloss auf einer Insel im Chiemsee. Doch kaum hat sie ihren Dienst angetreten, stolpert sie auch schon über Ungereimtheiten - und bald auch über eine Leiche. Und damit nicht genug: Frau Maier wird das Gefühl nicht los, ständig Gespenster zu sehen. Denn wer könnte die Gestalt sonst sein, die ihr als König Ludwig II. verkleidet nachstellt? Und wer flüstert ständig ihren Namen? Frau Maier will sich keinesfalls in die laufenden Ermittlungen einmischen, aber sie hat für Verbrechen einfach eine zu gute Nase und ihre Neugierde ist mehr als geweckt. Auch der dritte Fall von Frau Maier ist mit viel Humor und hoher Spannung garniert. Aber Vorsicht: Suchtgefahr! FRAU MAIER WIRBELT STAUB AUF In ein paar Tagen hat Frau Maier Geburtstag. Jetzt, da sie endlich Freunde hat, ein Grund zum Feiern. Doch dann findet sie auf einem Parkplatz die Leiche eines angesehenen Bürgers des Dorfes und die Lust aufs Feiern vergeht ihr. Eigentlich wollte Frau Maier sich ja aus Kriminal­fällen heraushalten - wenn da nur nicht ihr untrügliches Gespür wäre. War es der fremde Mann, der sich neuerdings im Dorf aufhält und von dem keiner weiß, wer er ist? Oder liegt das Motiv in der Vergangenheit des Opfers? Als ein zweiter Mord passiert, muss Frau Maier unbedingt weiter ermitteln und gerät in große Gefahr.

Jessica Kremser wurde in Traunstein geboren und wuchs am Chiemsee auf. Zum Studium der englischen und italienischen Literatur und der Theaterwissenschaften zog es sie nach München, wo sie als Redakteurin für verschiedene Zeitschriften schreibt.

Erstes Kapitel
Mittwoch

 

I

„Alles voller Staub“, murmelte Frau Maier und strich mit dem Finger über die dicke Schicht auf der obersten Schachtel. Sie hob den Deckel an und nieste. Vorsichtig schlug sie das Tuch in der Schachtel zurück.

Da war es. Das alte Kaffeeservice ihrer Mutter.Unser Hochzeitsservice, hatte sie es genannt, und ihre Stimme hatte traurig geklungen. Als kleines Mädchen hatte Frau Maier nie verstanden, warum. Eine Hochzeit war doch etwas Schönes. Und das Kaffeeservice war auch schön. Weiß mit roten Blumen. Da gab es keinen Grund, traurig zu sein.

Alles handbemalt. Frau Maier hatte damals versucht sich vorzustellen, wer die beiden Tassen und die Untertasse, die vom Service noch übrig waren, wohl mit der Hand verziert hatte. Sie hatte sich einen alten Mann mit dicker Brille und langen Fingern vorgestellt. Dem einzigen Teller, der den Transport überlebt hatte, fehlte eine Ecke, aber er wirkte trotzdem noch sehr elegant.

Einmal hatte sie sich eine Tasse genommen und Kakao daraus getrunken. Da war ihre Mutter sehr böse geworden. Sie hatte den Kakao in den Ausguss geschüttet und Frau Maier aus der Küche geschickt.

Frau Maier, die damals noch nicht Frau Maier, sondern ein kleines Mädchen war, hatte lange geweint. Weil sie nicht verstand, was sie falsch gemacht hatte.

Und wegen des guten Kakaos, der einfach im Abfluss verschwunden war.

II

Es war Herbst, aber es war kein goldener Herbst. Die Blätter hatten sich zwar in prächtigen Gelbund Rottönen verfärbt, aber seit Tagen schon war es so düster, dass man die strahlenden Farben kaum wahrnahm. Es wehte ein kräftiger Wind, der Himmel war dunkel verhangen und immer wieder peitschten heftige Regenschauer über den See. Das Wasser war grau.

Es war ungewöhnlich kalt und Frau Maier fror, als sie sich auf den Weg ins Dorf machte. Sie schlug den Mantelkragen hoch. Aber es half nichts.

Sie hatte einen Termin mit Elfriede. Elfriede Gruber leitete die Filiale der Sparkasse in Kauzing, aber sie war in den letzten Jahren auch eine gute Bekannte geworden. Und sie hatte Frau Maier überredet, ein Sparkonto anzulegen. Darüber wollte sie jetzt anscheinend mit ihr sprechen. Obwohl ich nicht weiß, was es da zu besprechen gibt, dachte Frau Maier. Bei den paar Kröten, die auf meinem Konto liegen.

Auf dem kleinen Parkplatz direkt hinter dem Wäldchen, in dem Frau Maiers Haus sich befand, stand nur ein einziges Auto. Kein Wunder, bei diesem Wetter hatte niemand Lust auf Spaziergänge.

Elfriedes Büro war angenehm warm und eine dampfende Tasse stand schon bereit. Mit einem dankbaren Seufzer ließ sich Frau Maier in den Besucherstuhl sinken. „Ich würde Sie niemals hierherbitten, ohne einen Kaffee fertig zu haben“, sagte Elfriede lächelnd.

Obwohl die beiden Frauen sich in den letzten Jahren immer besser kennengelernt hatten, waren sie immer noch per Sie. Elfriede wartete darauf, dass Frau Maier ihr das Du anbot, denn sie war schließlich die Ältere. Und Frau Maier wartete darauf, dass Elfriede es ihr anbot, denn sie hatte keine Ahnung, wie man so etwas machte.

Frau Maier trank einen Schluck. „Gibt es ein Problem mit meinem Konto?“, fragte sie dann.

„Ein Problem?“, fragte Elfriede erstaunt. „Nein, überhaupt nicht. Warum denn?“

„Na ja, Sie haben mir doch geschrieben, dass wir uns deswegen zusammensetzen sollten.“

„Geschrieben habe ich, weil Sie noch immer kein Telefon haben.“ Elfriede sagte das in einem übertrieben vorwurfsvollen Ton, der spaßhaft klingen sollte, aber es war durchaus ein Funken Ernsthaftigkeit dabei. Sowohl sie als auch Dr. Frank Schön, der Psychologe, mit dem Frau Maier sich angefreundet hatte, drängten sie immer wieder, sich endlich ein Telefon in