: Robert Brack
: Die siebte Hölle Polnische Trilogie
: Pendragon Verlag
: 9783865325211
: 1
: CHF 0.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 338
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Europa im Jahr des Umbruchs 1989: Um ihre chronischen Geldprobleme in den Griff zu bekommen, nehmen die beiden Exil-Polen Jerzy und Marek den Auftrag an, zwei tschechoslowakische Oldtimer von Hamburg nach Lissabon zu transportieren - gegen eine erstaunlich hohe Bezahlung. Auch den betagten Tadeusz Estreicher führt es in die portugiesische Hauptstadt, wo er als Anarchist an einem Kongress der 'Internationalen Arbeiter­-Assoziation' teilnehmen will. Zeitgleich verbringt Teodor Kronstad, Major der Warschauer Kriminalpolizei, seinen Urlaub in Lissabon, wo er sehr bald Zeuge von Geschehnissen wird, die seine detektivische Neugier anstacheln. Im dritten Band seiner Polnischen Trilogie führen entfesselte Leidenschaften, schräge Zufälle und eine geschickt eingefädelte, betrügerische Intrige dazu, dass alle in einen Strudel krimineller Ereignisse geraten.

Robert Brack, Jahrgang 1959, lebt als freier Autor, Übersetzer und Journalist in Hamburg.

Prolog

Eine grell strahlende dicke Glühbirne unter einem verbeulten Metallschirm hing an einem schwarzen Kabel von der hohen Scheunendecke fast bis zur Erde herunter, wurde von einem Luftzug erfasst und begann, leicht hin und her zu pendeln. Ihr breiter Lichtkreis bewegte sich zitternd in der Mitte des großen Raums über den strohbedeckten Boden. Eine fette Ratte huschte unter einen Strohballen in eine dunkle Ecke.

Der Mann, der den verrotteten Lichtschalter betätigt hatte, knipste seine Taschenlampe aus und zog an dem schmutzigen Seil, das von der Scheunendecke herabhing. Die grell strahlende Lampe glitt langsam und ruckartig nach oben und tauchte das Scheuneninnere in ein hässliches weißes Licht. Zur rechten Seite des Mannes waren einige Boxen abgeteilt, in denen irgendwann einmal Kühe gestanden haben mussten. Zu seiner Linken stapelten sich uralte Strohballen. Einige waren heruntergefallen, andere auseinandergeplatzt.

Der Mann band das Seil an einen rostigen Nagel, den er vor vielen Jahren einmal in einen Balken geschlagen hatte und schlurfte dann träge durch das Stroh. Er setzte sich auf einen Ballen und schob seinen verbeulten Filzhut in den Nacken. Der Mann trug eine uralte Arbeitshose, die einmal dunkelblau gewesen sein musste, inzwischen aber von unzähligen schwarzen und grauen Ölflecken übersät war. Über seinen schmächtigen Oberkörper hatte er einen dicken braun gelb gemusterten Wollpullover gezogen, seine Füße steckten in ausgelatschten Armeestiefeln.

Er schnaufte laut und kurzatmig. Er war nicht mehr der Jüngste, das merkte er jeden Tag. In ein paar Monaten würde er 70 werden – falls er es bis dahin schaffen sollte. Eigentlich glaubte er nicht daran. Es war ihm ohnehin nicht wichtig. Seit seine Frau gestorben war und die Kinder in den Westen gegangen sind, spürte er täglich die Einsamkeit um sich herum wachsen. Als alter Mann, der auf einem allein gelegenen Bauernhof lebte und sich noch nicht einmal vom Pfarrer überreden ließ, in die Stadt zu ziehen, war er an diesem Schicksal natürlich selbst schuld. Aber was konnte er schon dafür, dass er immer älter wurde? Er starrte auf seine Arme, die auf seinen Oberschenkeln lagen. Trotz des Schmutzes konnte man das Zickzack-Muster erkennen, in dem der Pullover gestrickt war. Damals, als seine Frau ihm ihr We