: James Lee Burke
: Mein Name ist Robicheaux Ein Dave-Robicheaux-Krimi, Band 21
: Pendragon Verlag
: 9783865326690
: Ein Dave Robicheaux-Krimi
: 1
: CHF 16.20
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 600
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Dave Robicheaux wacht mit zerschundenen Händen auf. Er kann sich nicht erinnern, was zuvor passiert ist. In der gleichen Nacht wurde der Mann, der Robicheauxs Frau überfahren hat, ermordet. Ihm ist sofort klar, dass man ihn verdächtigen wird. Um sich zu entlasten muss er unbedingt herausfinden, wo er war und was er getan hat. Aber ist Robicheaux wirklich unschuldig? Enthält als Bonus die Short Story »The Wild Side of Life«, die ebenfalls erstmals auf Deutsch erscheint.

James Lee Burke wurde 1936 in Houston?/?Texas geboren und wuchs in Louisiana auf. In der Küstenregion des »Bayou State« spielen auch die Krimis um Dave Robicheaux. Burke wurde für sein Werk mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter mehrfach mit dem Edgar Alan Poe Award, dem Hammett Prize und dem Deutschen Krimi Preis. Burke lebt mit seiner Frau auf einer Ranch in Montana und in New Iberia?/?Louisiana.

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In melancholischen Momenten, wenn ich das Gefühl habe, dass das Leben auf dieser Erde zu viel für uns ist und wir schon bald von unserer Macht, alles zu bekommen und zu verschwenden, ausgelöscht werden, fühle ich mich wie ein Dichter des frühen 19. Jahrhunderts dazu genötigt, eine Pause einzulegen und meine Erfahrungen mit den Toten zu reflektieren und wie sie unser Leben beeinflussen.

Dies mag wie eine makabre Sichtweise auf das eigene Leben erscheinen, doch ab einem bestimmten Punkt scheint es die einzige zu sein, die wir haben. Sterblichkeit ist nichts Nettes, und lasst euch von keinem etwas anderes einreden. Falls es so etwas wie Weisheit gibt, und soweit es mein eigenes Leben betrifft, hege ich diesbezüglich ernsthafte Zweifel, liegt sie in der Akzeptanz des menschlichen Daseins und vielleicht noch in dem Wissen, dass jene, die von uns gegangen sind, immer noch bei uns sind, irgendwo dort draußen im Nebel, dass sie uns den Weg weisen und manchmal aus den Schatten heraus auch leise zur Vorsicht mahnen, uns manchmal in unseren Träumen besuchen, so hell wie eine Kerze, die in einem fensterlosen Keller brennt.

An einem Wintermorgen, zwischen weißen Nebelwolken draußen auf dem Spanish Lake, sah ich die Jungs der Konföderierten in ihren nussbraunen Uniformen, wie sie durch die überfluteten Zypressen platschen, die Musketen hoch über den Kopf erhoben, die Ausrüstung mit Lumpen umwickelt, damit nichts klappert. Ich stand keine drei Meter von ihnen entfernt und doch nahmen sie keine Notiz von mir, als ob sie wüssten, dass ich noch nicht geboren war und ihre Mühen und Opfer nicht von mir geschultert werden mussten.

Ihre Gesichter waren ausgezehrt von den Entbehrungen, wachsbleich, das Haar nicht geschnitten und die Risse in ihren Uniformen nur unbeholfen mit Schnur geflickt. Ihre Münder waren zusammengekniffen, in den Augen leuchtete die Vorsicht. Der jüngste Soldat, ein Trommler, konnte nicht älter als zwölf gewesen sein. Einmal ging ich ins Wasser, um mich zu ihnen zu gesellen. Selbst da nahm niemand meine Anwesenheit wahr. Der Trommler-Junge stolperte und konnte sich nicht mehr aufrichten, kämpfte mit dem Lederriemen um seinen Nacken und dem Gewicht der Trommel. Ich streckte die Hand aus, um ihm zu helfen, und spürte, wie sie durch seine Schulter glitt. Ein Sonnenstrahl stach durch die Baumkronen und verwandelte den Nebel in weiße Seide; in weniger als einer Sekunde war die Kolonne verschwunden.

Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, mir oder anderen solche Ereignisse zu erklären. Wie viele meines Alters glaube ich, dass man Menschen in Gruppen aus dem Weg gehen sollte, dass es töricht ist, sich mit anderen zu streiten, und dass das Wissen einer Generation nicht an die nächste weitergegeben werden kann. Das mögen zynische Ansichten sein, doch es gibt gewisse Wahrheiten, die man für sich behält und nicht verteidigt, aus Furcht, sie sonst herabzuwürdigen und dann ganz zu verlieren. Solche Wahrheiten haben weniger mit den Toten zu tun, als eher mit der Erkenntnis, dass wir nicht anders sind als sie, dass sie immer noch bei uns sind und wir immer noch bei ihnen,