: Lisa Glauche, Matthias Löwe
: Tod an der Sparrenburg
: Pendragon Verlag
: 9783865322678
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 280
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bröker ist Privatier und führt in einer der besten Wohngegenden Bielefelds ein beschauliches Leben. Ohne Stress und mit viel gutem Essen. Ein Todesfall in der Nachbarschaft reißt ihn aus seinem Trott und weckt seinen detektivischen Spürsinn. Bröker wittert Mord. Unerwar tete Unterstützung erhält er von dem jugendlichen Hacker Gregor, der am Sparrenberg seine Sozialstunden ableisten muss. Als er endlich die Polizei davon überzeugen kann, dass das Opfer nicht an einer natürlichen Todesursache starb, ist der ansonsten eher gemütliche Bröker schon mitten in einem spannenden Fall. Das Autorenduo Löwe& Glauche legt mit seinem Debüt einen spannendenKrimi vor, der durch seinen Humor, seine liebevoll beschriebenen Charaktere und vor allem durch viel Lokalkolorit zu einem lesenswerten Ereignis wird. 'Tod an der Sparrenburg' ist der erste Band einer neuen Krimireihe.

Matthias Löwe wurde 1964 in Löhne (Westfalen) geboren. Er studierte in Bielefeld und wohnte in der Teuto-Stadt - mit Unterbrechungen - von 1985 bis 1998. Nach einigen Lehrtä­tigkeiten in der Bundes­republik und den Niederlanden ist er seit 2003 Professor für Mathematik in Münster.

Kapitel 1
Tod in der Tomatensuppe


Ein Mensch kann sich daran gewöhnen, am Morgen allerlei Seltsames in seiner Zeitung zu finden, ohne dass ihn dies aus seiner gewohnten Ruhe brächte. Er kann von einer Schuhverkäuferin lesen, die tagtäglich ihrer Arbeit nachgeht, um sich nach einem durchwachsenen Wetterbericht im Radio mit ihren beiden Kindern vom Balkon zu stürzen. Er kann im gleichen Blatt fünf Tage später von einem 28-Jährigen erfahren, der in seiner Wohnung fünfzehn Hunden Asyl gewährt, dann aber, als ihm der sechzehnte Hund gebracht wird, Amok läuft und dabei drei Menschen schwer verletzt. Oder er kann sich in einem populärwissenschaftlichen Artikel bestätigen lassen, dass Versuchspersonen bereit sind, anderen Menschen Stromstöße von mehr als 220 Volt zu versetzen, wenn man ihnen einredet, diese lernten dadurch schneller. Ein Mensch kann sich daran gewöhnen, all das allmorgendlich zu lesen, und trotzdem schmeckt das Salamibrötchen und der Orangensaft zum Frühstück kein bisschen schlechter. Man fühlt sich ein wenig nachdenklich, sinniert, wie die Welt beschaffen und zu erklären sei, und schenkt sich Kaffee nach.

Bröker wollte sich nicht gewöhnen. Er liebte es aber zu frühstücken. Jeden Morgen um halb elf, direkt nach dem Aufstehen. Er genoss sein Brötchen mit altem Gouda, am besten solchen, der ganz krümelig war, wenn man ihm vom Laib schnitt, und sein weiteres Brötchen mit Lachs und vor allem mochte er seine Rühreier mit Schinken. Und er liebte es, dazu Miles Davis’ Version vonPorgy and Bess zu hören oder, wenn er melancholisch war, Louis Armstrong oder Stan Getz. Was blieb ihm also anderes übrig, als die großen überregionalen Tageszeitungen abzubestellen. Doch das war bei einem so ausgedehnten Frühstück, wie Bröker es mochte, nicht lange gut gegangen. Die Zeit war ihm lang geworden, die Mahlzeit ein wenig freudloser und Bröker hatte sich dabei ertappt, wie er begann, seine Lieblingssalami hastig in sich hineinzustopfen.

So hatte er schließlich einen Kompromiss gefunden und die beiden Bielefelder Lokalblätter, dieNeue Westfälische und dasWestfalen-Blatt abonniert. Natürlich berichteten auch diese über die Amokläufe dieser Welt. Doch ihr Budget gab nicht viel mehr her, als die üblichen Agenturmeldungen zu drucken, die man schnell überblättern konnte, und so blieben die einzigen wirklichen Hiobsbotschaften die Berichte über die Abstiege des heimischen Fußballclubs, der Arminia, aus der ersten Liga, die zwar seltener als Weihnachten, aber häufiger als die Schaltjahre waren. Dafür konnte man über die neuen Blitzgeräte am Ostwestfalendamm lesen, die Bröker als Nicht-Autofahrer beifällig nickend zur Kenntnis nahm, über archäologische Funde an der Sparrenburg, die das Gerücht von einem Fluchttunnel, der einst von der Burg bis zum Bunker Ulmenwall geführt haben sollte, neu belebten, oder von Bielefelds stadtbekanntem Flitzer, der sich, inzwischen mehr als 60-jährig, dieses Mal auf dem Zehnmeterturm des Wiesenbades entkleidet hatte, von dort jedoch entkommen war, bevor die Bademeister ihn hatten einfangen können.

Solche Nachrichten versetzten Bröker in die richtige Stimmung für ein ausgedehntes Frühstück, das er, sobald die Jahreszeit es zuließ, auch gerne im Freien zu sich nahm. Freilich, der Garten des gelben Stadthauses, das an einer Kreuzung am Sparrenberg l