: Maeve Haran
: Ich fang noch mal von vorne an Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641262976
: 1
: CHF 5.40
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: German
Mit starken Frauen an deiner Seite kannst du auch die schwersten Zeiten des Lebens meistern!

Gerade als Lily Brandon kurz vor dem ersehnten Durchbruch als Theater-Schauspielerin steht, erkrankt ihre Mutter Charlotte lebensgefährlich. Sie bittet Lily inständig, ihre florierende Modefirma, die sie aus dem Nichts aufgebaut hat, weiterzuführen. Lily ist ratlos: Soll sie alle Zelte in London abbrechen und auf ihre Karriere verzichten? Das wäre ein Opfer, zu dem ihre erfolgreiche Mutter selbst nie bereit gewesen wäre. Als dann auch noch Lilys exzentrische Tante Evie aus Australien hereinplatzt, ist das Durcheinander perfekt. Doch schnell zeigt sich, dass drei Frauen gemeinsam – fast – alles meistern können: die Liebe, den Beruf und das Leben ...

Mit ihren turbulent-witzigen Geschichten über die Liebe, Freundschaft, Familie und die kleinen Tücken des Alltags erobert SPIEGEL-Bestsellerautorin Maeve Haran die Herzen ihrer Leser im Sturm!

»Maeve Haran erweist sich immer wieder als Spezialistin für locker-amüsante Geschichten mit Tiefgang!«Freundin
br>Maeve Haran hat in Oxford Jura studiert, arbeitete als Journalistin und in der Fernsehbranche, bevor sie ihren ersten Roman veröffentlichte. »Alles ist nicht genug« wurde zu einem weltweiten Bestseller, der in 26 Sprachen übersetzt wurde. Weitere erfolgreiche Romane folgten. Maeve Haran hat drei Kinder und lebt mit ihrem Mann in London.

1. Kapitel


Lily Brandon ließ sich vom Beifall überfluten, der süß wie Honig war und für den sie hart gearbeitet hatte. Das Ensemble wurde fünfmal zurück auf die Bühne gerufen, und das Klatschen schien nicht abnehmen zu wollen. Hier war nichts von jener halbherzigen Anerkennung zu spüren, die alle Schauspieler fürchten, da sie wissen, dass während der letzten fünfzehn Minuten die Gedanken des Publikums nicht beim Höhepunkt des Stückes sind, sondern beim Abendessen und wie man auf schnellstem Weg dazu kommt. Dieses Publikum war wie Wachs in ihren Händen gewesen. Und das Herrlichste, so musste Lily zugeben, war, dass der lauteste Beifall ihr gegolten hatte.

Sie winkte dem Publikum zu und verbeugte sich tief. Alle Wesenszüge der ernsthaften und nüchternen Figur, die sie soeben gespielt hatte, waren verschwunden. Sie hatte ihr Herz und ihre Seele in diese Rolle gelegt, und es hatte sich ausgezahlt.

»Wenn das nicht im West End gespielt wird«, zischte Ray, der männliche Hauptdarsteller, als das Klatschen allmählich nachließ und die Zuschauer nach ihren Mänteln zu greifen begannen, »mache ich einen Antiquitätenstand in Brighton auf.«

Lily drückte seine Hand. Es ging das Gerücht um, dass Londons einflussreichster Theaterkritiker in der dritten Reihe gesessen und wie ein Irrer geklatscht hatte.

Wie sie alle wussten, konnte das Stück eventuell, nur eventuell – wenn die Kritiken gut und die Kartennachfrage heftig genug war –, nach der Spielzeit hier ins West End aufsteigen. Lily gestattete sich nicht, daran zu denken. Was auch immer geschehen mochte, heute war der beste Abend ihrer Laufbahn. Wenn auch noch Ben hätte hier sein können, wäre alles perfekt gewesen.

Aber Ben hatte sich schon vor Monaten zur Preisverleihung in einer Schauspielschule verpflichtet und konnte dort nicht mehr absagen. Ben Winter war der faszinierendste Schauspieler auf Londons Bühnen, der bereits Fernsehangebote hatte und kurz vor Beginn einer Filmkarriere stand. Aber wenigstens würde er zu ihrer Premierenfeier in das italienische Restaurant um die Ecke kommen. Wie jedes Mal durchzuckte Lily beim Gedanken daran, Ben zu sehen, ein Anflug von Erregung, den auch die sechs Monate ihrer Bekanntschaft nicht im Geringsten dämpfen konnten. Sie fühlte sich immer noch wie das dicke Mädchen auf der Party, verblüfft, dass der Herzensbrecher es zum Tanzen auffordert.

Zurück in ihrer Garderobe – Kabuff wäre eine treffendere Bezeichnung gewesen –, kostete Lily ihre Freude ganz für sich allein aus. Wenn sie in diesem winzigen Kämmerchen hätte herumtanzen können, hätte sie es getan, aber hier war nicht einmal Platz genug für ein paar Schritte, geschweige denn einen Freudentanz, und die ohnehin geringe Fläche wurde durch die riesigen Blumensträuße und Glückwunschkarten noch weiter eingeengt.

Ray steckte den Kopf zur Tür herein. »Wir sehen uns in zehn Minuten drüben. Wenn du zu spät kommst, esse ich dein Antipasto auf. Kommt unser Goldjunge auch?«

Alle wussten von Ben. Sie nickte.

»Das wird den Regisseur auf die Palme bringen. Er hasst es, wenn ihm jemand die Schau stiehlt. Spitze. Übrigens, Herzchen, du warst phantastisch.«

Lily schlüpfte aus ihrem Kostüm und hängte es sorgfältig auf, während sich ihre Gefühle in die Lüfte schwangen wie eine Lerche an einem Sommermorgen. Sie wusste, dass sie gut gewesen war, das hatte sie im Innersten gespürt. Vor dem heutigen Abend hatte sie nicht gewagt,