: Maeve Haran
: Und sonntags aufs Land Roman
: Blanvalet Taschenbuch Verlag
: 9783641263034
: 1
: CHF 8.90
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: German
Drei Frauen und drei romantische Abenteuer mit jeder Menge Turbulenzen!

Eigentlich hält sich Catherine Hope für eine sturmerprobte Mutter mit liberalen Erziehungsmethoden – bis ihre 18-jährige Tochter Rachel plötzlich beschließt, sich statt auf das Abitur auf den Verlust ihrer Jungfräulichkeit vorzubereiten. Und als Großmutter Lavinia auch noch zu einer Bürgerinitiative überläuft und mit ihrer großen Jugendliebe einen zweiten Frühling feiert, gerät die Welt der Familie Hope endgültig aus den Fugen…

Mit ihren turbulent-witzigen Geschichten über die Liebe, Freundschaft, Familie und die kleinen Tücken des Alltags erobert SPIEGEL-Bestsellerautorin Maeve Haran die Herzen ihrer Leser im Sturm!

»Maeve Haran erweist sich immer wieder als Spezialistin für locker-amüsante Geschichten mit Tiefgang!«Freundin
br>Maeve Haran hat in Oxford Jura studiert, arbeitete als Journalistin und in der Fernsehbranche, bevor sie ihren ersten Roman veröffentlichte. »Alles ist nicht genug« wurde zu einem weltweiten Bestseller, der in 26 Sprachen übersetzt wurde. Weitere erfolgreiche Romane folgten. Maeve Haran hat drei Kinder und lebt mit ihrem Mann in London.

2. Kapitel


»Wo ist denn Rachel geblieben?«

Christopher hatte den Wein und die Pralinen, pflichtbewusste Gaben für seine Mutter, bereits im Auto verstaut. Lavinia behauptete stets, kein Geld für solche Luxusartikel zu haben, obwohl sie in einem beneidenswert schönen Cottage wohnte, ein Rover Cabrio fuhr und Mrs. Wright zweimal die Woche zum Putzen kam. Da Christopher überdies einer der Testamentsvollstrecker seines Vaters war, wusste er ganz genau, dass es ihr am nötigen Kleingeld nicht mangelte. Und so nahmen sie sämtliche Sparmaßnahmen Lavinias – Kerzenreste einzuschmelzen, Papierservietten mehrmals zu verwenden, einen Teebeutel für drei Tassen zu nehmen – mit einer nachsichtigen Toleranz hin, die Lavinia aufbrachte.

»Vor zehn Minuten hat sie gesagt, sie sei fertig«, erklärte Catherine. »Das ist nur eine Verzögerungstaktik, weil sie keine Lust hat.«

Bevor Catherine aus dem Wagen steigen und nach ihrer Tochter rufen konnte, kam Rachel schon die Stufen heruntergehopst. Sie trug eine weit ausgestellte schwarze Samthose, Turnschuhe mit Plateausohlen und ein nabelfreies T-Shirt, das über der Brust die AufschriftSEMTEX trug.

»Rachel«, kreischte ihre Mutter, »so kannst du nicht mitfahren. Gran kriegt einen Anfall. Zieh wenigstens ein anderes Oberteil an.«

»Das soll ein Witz sein, Mum.«

Catherine fing den Blick ihres Mannes auf und stellte fest, dass er sie anlachte. Trotz allem lächelte sie zurück. »Okay, okay«, gab sie nach, »komm mir nicht mit einer strukturalistischen Analyse. Humor ist das Zusammentreffen des Erwarteten mit dem Unerwarteten. Geschmacklosigkeit kann lustig sein. Ich hoffe nur, dass sie nicht irgendwelchen Leuten von der Friedensbewegung über den Weg läuft.«

»In Maxted?«, fragte Rachel zurück und stieg hinten ins Auto. »Da würden sie wahrscheinlich ohne Vorwarnung erschossen.«

In ihrem hübschen Häuschen am äußersten Ortsrand des kleinen Marktfleckens Maxted bereitete sich Lavinia darauf vor, ihren Sohn und seine Familie zu empfangen. Der Garten, Lavinias große Liebe, war zu dieser Jahreszeit spärlich bewachsen, aber sie hatte dennoch ein Arrangement aus Christrosen, flechtenbewachsenen Zweigen und Efeu zustande gebracht, das sich auch in der »künstlerischen« Abteilung der Blumenschau Maxteds nicht hätte verstecken müssen. Ja, es kam sogar so gut an, dass sie eine zweite, größere Version für die Kirche anfertigte. Sie hatte diese Woche Blumendienst, und die Vorweihnachtszeit war immer heikel. Manche der anderen ließen sich dazu herab, rote Glaskugeln oder gar Kerzen in Engelsform auf Tannenzweige zu stecken, was in Lavinias Augen hoffnungslos unpraktisch war, da diese Dinger, abgesehen von ihrer Geschmacklosigkeit, vermutlich die Kirche in Brand stecken würden, wenn man sie je anzündete. Das Schlimmste für Lavinias hohe Ansprüche waren allerdings diejenigen, die auf seidene Chrysanthemen zurückgriffen, eine vulgäre Pflanze, selbst die echten, aber als Imitat wirklich jenseits von Gut und Böse. Lavinia lächelte aus Vorfreude auf das Lob, das ihr Gesteck von den kunstsinnigeren Gemeindemitgliedern erhalten würde.

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