: Verena Maatman
: Frau Beethoven Die unsterbliche Geliebte/historischer Roman
: Piper Verlag
: 9783492987202
: 1
: CHF 6.20
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 475
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
»Leb wohl! O liebe mich fort. - Verkenne nie das treueste Herz Deines Geliebten! Ewig Dein - ewig mein - ewig uns.« Ludwig van Beethoven an seine unsterbliche Geliebte.  Der Komponist und seine größte Muse. Voller großer Gefühle, voller Musik - ein historischer Roman um die große Liebe Beethovens.  Wien, 1799: Um ihr Klavierspiel zu perfektionieren und damit auf dem Heiratsmarkt der Wiener Noblesse zu punkten, erhält die zwanzigjährige Josephine von Brunsvik Unterricht bei dem angesagten Pianisten Ludwig van Beethoven. Fasziniert von seiner Virtuosität am Klavier und seinem Charme verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn. Ihr junger Lehrer hegt ähnliche Gefühle für sie. Doch eine Verbindung zwischen einer Adligen und einem Bürgerlichen ist undenkbar. Josephine muss stattdessen einen wesentlich älteren Grafen ehelichen, und die trauten Klavierstunden nehmen ein Ende. Fünf Jahre später ist Josephine Witwe und Mutter von vier Kleinkindern. In dieser verzweifelten Situation trifft sie Ludwig van Beethoven wieder und die alten Gefühle flammen wieder auf. Hat ihre verbotene Liebe nun eine Chance? »Sehr schön geschrieben, mit viel musikalischen Hintergrund, dieses Buch hat mich sehr berührt!« ((Leserstimme auf Netgalley)) »Frau Beethoven - ein zartes, leidenschaftliches Buch, das ab Seite eins in den Bann zieht. « ((Leserstimme auf Netgalley))

Verena Maatman, geboren und aufgewachsen im Rheinland, ist Diplom-Übersetzerin für Italienisch, Französisch und Englisch. Nach ihrem Studium an der Universität Mainz arbeitete sie zunächst als Übersetzerin und Lektorin in Bonn und im norditalienischen Modena, heute ist sie im Sprachendienst eines Schweizer Unternehmens tätig. In ihrer Freizeit widmet sie sich dem Schreiben und der Musik und ist als Geigerin in mehreren Kammermusikensembles und Orchestern aktiv. Sie lebt mit ihrem Mann in der Bodensee-Region.

4


Am nächsten Tag übte sich Therese die Finger wund. Josephine hatte gar keine Chance, ans Klavier zu kommen. Dabei wünschte sie sich nichts so sehr, wie auf van Beethoven einen guten Eindruck zu machen. Seine Musik, die sie in Martonvásár gespielt und gehört hatte, erfüllte sie auf eine ganz besondere Weise. Was für ein Mensch er wohl war? Er musste noch ziemlich jung sein, nur ein paar Jahre älter als Therese.

Als Therese nach Stunden eine Pause machte, spurtete Josephine ans Klavier und spielte Mozart und Haydn. Sie suchte schwierige Stücke heraus; schließlich wollte sie sich vor dem jungen Klaviervirtuosen nicht als musikalisches Mauerblümchen geben, das im Schatten der großen Schwester stand.

Therese tippte ihr auf die Schulter. »Ich muss weiterüben, Pepi. Bitte lass mich wieder ans Klavier.«

»Noch ganz kurz«, sagte Josephine und wiederholte in Windeseile einen Lauf, der noch nicht richtig saß.

Mama klatschte in die Hände. »Lass Therese ans Klavier! Von ihr hängt es ab, ob euch van Beethoven als Schülerinnen annimmt oder nicht.«

Schmollend stand Josephine auf und verzog sich mit einer Lektüre von Rousseau auf ihr Bett. Sie wollte auch als Pianistin glänzen, nicht nur Therese.

 

Tags darauf war es so weit. Nach einem späten Frühstück blies ihre Mutter zum Aufbruch. Josephine war merkwürdig aufgeregt. Bestimmt zwanzigmal hatte sie vor dem Spiegel bereits ihre Frisur überprüft und die Schleife ihres rosa Hutes neu gebunden, der perfekt zu ihrem cremefarbenen Kleid passte.

»Du siehst wunderschön aus, Pepi«, neckte Therese sie. »Allerdings gehen wir nicht zu einem Heiratsanwärter, sondern zu einem potenziellen Klavierlehrer. Du musst dich also nicht herausputzen.«

Doch Josephine wollte sich von ihrer besten Seite zeigen, wenn sie sich schon beim Klavierspiel zurückhalten sollte.Vielleicht ist das auch gar nicht so verkehrt, dachte sie. Denn ihre Finger waren kalt und feucht.

Ihre Mutter kam herein. Sie trug wie immer eine hochgeschlossene schwarze Witwenrobe. »Seid ihr endlich fertig? Die Kutsche steht bereit.«

Ein nervöses Kribbeln erfasste Josephine. Fast wollte sie schon eine Magenverstimmung oder Kopfschmerzen vortäuschen, um nicht mitgehen zu müssen. Doch dann riss sie sich zusammen und folgte ihrer Mutter und ihrer Schwester. Schließlich war sie neugierig auf den gefeierten Klaviervirtuosen.

Wien war am Tag sehr viel geschäftiger als am Abend. In den Straßen wimmelte es von Fuhrwerken und Fiakern. Die Kutsche kam nur im Schritttempo vorwärts. Es war warm, und im Innern der Kutsche wurde es stickig. Aber Mama wollte das Verdeck nicht öffnen lassen, damit sie keinen Sonnenstich bekamen.

Schließlich erreichten sie den Petersplatz. Der Kutscher ließ sie aussteigen. Sogleich befanden sich die Brunsvik-Damen inmitten von parkenden Fuhrwerken, die haushoch mit Lebensmitteln beladen waren. Ein paar Handlanger entluden die Ware und trugen sie schwitzend in eine Gaststätte.

»Vorsicht!«, rief ein bärtiger Mann und wuchtete sich einen Kartoffelsack über die Schultern. Josephine sprang zur Seite. Fast wäre sie auf einem Kohlblatt ausgerutscht.

Mama bekam sie am Handgelenk zu fassen. »Die Gegend ist alles andere als vornehm«, konstatierte sie. »So leid es mir tut, der junge Beethoven war nicht gewillt, sich zu uns ins Hotel zu begeben. Daher müssen wir nun sehen, wie wir heil zu seiner Wohnung gelangen.«

Josephine achtete jetzt auf jeden Schritt. Sie raffte ihre Röcke, damit der Saum ihres hellen Kleids nicht den ganzen Schmutz der Straße aufnahm, und folgte ihrer Mutter, die ihr und Therese den Weg durch das Getümmel wies.

»Hier muss es sein.« Mama deutete mit ihrem Schirm auf ein hohes Mietshaus. Josephine ließ den Blick die graue Hauswand hinaufwandern.Nicht sehr einladend! Sie wunderte sich, dass es sich ein einfacher, wenngleich berühmter Musiker herausnehmen konnte, Damen von Adel in dieses unwirtliche Mietshaus kommen zu lassen.Er muss wirklich außergewöhnlich sein, schlussfolgerte sie.

Mama hatte indes die Haustür aufgestoßen und winkte sie und Therese herbei. Über eine enge, knarzende Holztreppe begannen sie den Aufstieg zur obersten Etage. Spielende Kinder turnten auf den Treppenabsätzen herum, Wäscheleinen waren notdürftig an Haken