: Sina Müller
: Josh& Emma - Portrait einer Liebe
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783962153687
: 1
: CHF 4.50
:
: Gegenwartsliteratur (ab 1945)
: German
: 340
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der zweite Teil der Josh& Emma Reihe! Die Zeit heilt selbst die tiefsten Wunden. Aber ein Jahr ist nicht genug. Als Josh und Emma erneut aufeinander treffen, merken sie, dass das Herzklopfen noch immer da ist. Der Start ins neue Leben scheint perfekt, doch dann holt ein Fehltritt aus der Vergangenheit die beiden ein und Emmas Leben steht wieder einmal Kopf. Ihr neuer Job sorgt für Ablenkung, bringt aber auch jede Menge Wirbel mit sich. Wohin wird Emmas Weg sie führen?

Sag Ja


Eine einzelne Träne kullerte aus meinem Augenwinkel. Sie sah so glücklich aus. Der kleine Stachel namens Neid bohrte sich tiefer in das kalte versteinerte Etwas, das bis vor gut einem Jahr einmal mein Herz gewesen war. Ich versuchte, tapfer zu lächeln und freute mich für sie. Wirklich. Aber ich fragte mich, ob ich jemals wieder so etwas wie Glück empfinden würde. Ich schloss die Augen. Gleich würdeHallelujah kommen, das Lied, von dem sich Liv gewünscht hatte, dass es Joshua mit seiner einzigartigen, gefühlvollen Stimme für sie singen würde.

Ich hatte ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zu wissen, dass eigentlich er das Lied gesungen hätte, war fast genauso schlimm, als wenn er mir nun tatsächlich gegenübergestanden hätte. Ich seufzte und hoffte inständig, dass kein Laut aus meinen mit Lipgloss zugekleisterten Lippen gedrungen war.

Ich zwang mich dazu, die Augen zu öffnen, als ich die ersten Töne des Klassikers von Leonard Cohen hörte. Toms Stimme erfüllte den Innenraum der St. Anna-Kirche und hallte an den Wänden wider. Er klang wie ein gefallener Engel. Klar, verletzlich. Der Song schleuderte mich unvermittelt in meine Vergangenheit zurück. Ich erinnerte mich. An damals, als ich noch lebte. Damals, als diese Musik ein Teil von mir gewesen war. Ich schluckte, versuchte durchzuhalten und die Bilder von mir fernzuhalten. Das Strahlen der dunklen, tiefgründigen Augen. Die Grübchen. Die wuscheligen Haare, die jeden Tag anders aussahen. Die Muskeln, die sich unaufdringlich unter seinen T-Shirts spannten. Ich versuchte die Erinnerung an seine Küsse zu unterdrücken, an sein Lachen und seine sanften Berührungen. Ich erschauderte. Endlich. Applaus.

Erleichtert atmete ich durch. Ich hatte es überstanden und erhob mich, um ebenfalls zu klatschen. Mit einem gequälten Lächeln auf den Lippen. Sonnenlicht sickerte wie eine klebrige Flüssigkeit durch die bunten Gläser der Kirche und ließ die Farben in ihrem Inneren tanzen.

Liv strahlte mit der Sonne um die Wette, als sie sich zu mir wandte. Ich streckte den Arm aus, um ihre Hand zu drücken. Von meinem angestammten Platz als Trauzeugin in der ersten Reihe hatte ich sogar eine realistische Chance, sie zu erreichen. Doch im nächsten Moment wurde sie von ihren Verwandten umzingelt, die allesamt mit feuchten Augen ihre Glückwünsche ausriefen.

Ich versuchte, so schnell es meine Stöckelschuhe und das enge Kleid zuließen, aus der kleinen Kirche zu stürmen, um meine Gedanken abzuschütteln. Der heutige Tag gehörte Liv und Lukas. Meine Trauer um Joshua hatte hier nichts zu suchen.

Ich stellte mich etwas abseits unter einen der alten Kastanienbäume, die den Kirchplatz säumten, und blinzelte in die Sonne. Wer bitte heiratete mitten im August? Richtig: glückliche, total verliebte