II. Der Weg zum Europa der Institutionen
Europa-Konzepte erlebten nach 1945 ihre stärkste Konkretisierung und institutionelle Verankerung. Der Gedanke der Integration wurde „eine der machtvollsten Ideen internationalen ordnungspolitischen Denkens“ (Peter R. Weilemann). Europäischer Bürgerkrieg (1918–1941), Zweiter Weltkrieg (1941–1945), der Zusammenbruch des Transport- und Versorgungssystems (1945/46) sowie die Herausforderung des Kalten Krieges (ab 1947) machten eine koordinierte Europapolitik zur zwingenden Notwendigkeit. Sie erreichte im westlichen Teil des Kontinents eine noch nie dagewesene Gestaltungskraft, wobei dasSpannungsfeld zwischen Nationalstaat und Supranationalität (S. 119 ff.) bis zuletzt bestand. Verglichen mit anderen geschichtlichen Perioden stellen die Jahrzehnte nach 1945 in Westeuropa eine lange Ruhe- und Stabilitätsphase dar. Die wesentlichen Motive waren der Wunsch nach politischer Kooperation und Friedenssicherung, Behebung der Not, Sicherheit vor der Sowjetunion und Schaffung von Wohlstand. Das machte einen engeren Zusammenschluss der Europäer erforderlich. Angesichts ihrer Schwäche war die militärische Hilfe der USA fast unvermeidlich.
Zunächst ging es um die Beseitigung der kriegsbedingten Zerstörungen, die Rekonstruktion der Wirtschaft und den Aufbau demokratischer Strukturen. Die Einigungsbestrebungen beginnend mit der Marshall-Plan-Institution Organization for European Economic Cooperation (OEEC) 1948 in Paris bis zur Errichtung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt im ausgehenden 20. Jahrhundert zeigten, dass ein europäischer Bundesstaat nicht Grundbedingung für den Aufholprozess des Produktivitätsrückstandes, die Herstellung des „Binnenmarktes“ und die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) war. Hierfür reichten politische Kooperation und partielle Übertragung von Hoheitsbefugnissen aus.
DerOst-West-Konflikt bildeteden integrationspolitischen Hintergrund (S.135 ff.). Die Bundesrepublik war al