: Michael Gehler
: Europas Weg Von der Utopie zur Zukunft der EU
: StudienVerlag
: 9783706560689
: 1
: CHF 17.90
:
: Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
: German
: 376
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
KOMPAKT UND ANSCHAULICH ERZÄHLT: VON DEN ANFÄNGEN EUROPAS BIS ZUR EU IN AKTUELLEN KRISENZEITEN Die Zukunft der EU und der gegenwärtige Zustand Europas beherrschen die politischen Diskussionen unserer Tage. MICHAEL GEHLER liefert einen umfassenden Überblick über die lange Geschichte Europas - von den Anfängen bis zur Gegenwart der Europäischen Union in stürmischen Krisenzeiten. Entstehung, Aufbau und Funktionen der Institutionen sowie die Entwicklung von der Montanunion bis zur EU werden allgemein verständlich dargestellt. Chronologie, Glossar, Literatur sowie zahlreiche Bilder und Karten veranschaulichen die Entwicklung der europäischen Integration.

MICHAEL GEHLER, geboren 1962. Seit 2006 Professor und Leiter des Instituts für Geschichte und Jean Monnet Chair für Vergleichende Europäische Zeitgeschichte an der Stiftung Universität Hildesheim. Senior Fellow am Zentrum für Europäische Integrationsforschung (ZEI) in Bonn seit 2000. 2013 bis 2017 Direktor des Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Mitglied der Verbindungsgruppe der Historiker bei der EU-Kommission, Korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Ausland. Gastprofessuren an den Universitäten in Rostock, Salzburg, Leuven, an der Babe?-Bolyai Universität Cluj-Napoca sowie an der Ege Universitesi Izmir.

II. Der Weg zum Europa der Institutionen


Europa-Konzepte erlebten nach 1945 ihre stärkste Konkretisierung und institutionelle Verankerung. Der Gedanke der Integration wurde „eine der machtvollsten Ideen internationalen ordnungspolitischen Denkens“ (Peter R. Weilemann). Europäischer Bürgerkrieg (1918–1941), Zweiter Weltkrieg (1941–1945), der Zusammenbruch des Transport- und Versorgungssystems (1945/46) sowie die Herausforderung des Kalten Krieges (ab 1947) machten eine koordinierte Europapolitik zur zwingenden Notwendigkeit. Sie erreichte im westlichen Teil des Kontinents eine noch nie dagewesene Gestaltungskraft, wobei dasSpannungsfeld zwischen Nationalstaat und Supranationalität (S. 119 ff.) bis zuletzt bestand. Verglichen mit anderen geschichtlichen Perioden stellen die Jahrzehnte nach 1945 in Westeuropa eine lange Ruhe- und Stabilitätsphase dar. Die wesentlichen Motive waren der Wunsch nach politischer Kooperation und Friedenssicherung, Behebung der Not, Sicherheit vor der Sowjetunion und Schaffung von Wohlstand. Das machte einen engeren Zusammenschluss der Europäer erforderlich. Angesichts ihrer Schwäche war die militärische Hilfe der USA fast unvermeidlich.

Zunächst ging es um die Beseitigung der kriegsbedingten Zerstörungen, die Rekonstruktion der Wirtschaft und den Aufbau demokratischer Strukturen. Die Einigungsbestrebungen beginnend mit der Marshall-Plan-Institution Organization for European Economic Cooperation (OEEC) 1948 in Paris bis zur Errichtung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt im ausgehenden 20. Jahrhundert zeigten, dass ein europäischer Bundesstaat nicht Grundbedingung für den Aufholprozess des Produktivitätsrückstandes, die Herstellung des „Binnenmarktes“ und die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) war. Hierfür reichten politische Kooperation und partielle Übertragung von Hoheitsbefugnissen aus.

DerOst-West-Konflikt bildeteden integrationspolitischen Hintergrund (S.135 ff.). Die Bundesrepublik war al