„Und am Sonnabend feiern wir dann im ‚Weißen Rössl‘ Revierförster Petzolds Dienstjubiläum“, meinte der Sägewerkbesitzer Adrian Brunndobler. „Sämtliche Honoratioren der Gemeinde Gommershof werden vertreten sein …“
„Bis auf den Gutsbesitzer, der mit seiner Frau verreist sein soll“, unterbrach Bertram Siegler den feschen Sägewerkbesitzer, mit dem er seit seiner Kindheit befreundet war.
Die Eltern der beiden, die nun schon nicht mehr lebten, hatten freundschaftlich miteinander verkehrt. Auch Bertram und Adrian hatten später den Kontakt zueinander nie abbrechen lassen.
Allerdings zeigte sich immer deutlicher, dass die beiden Burschen wenig gemeinsam hatten. Während Adrian das leichte Leben liebte, arbeitete Bertram auf dem Bergbauernhof, den er von seinen Eltern geerbt hatte, von früh bis spät.
Frauengeschichten, wie sie bei Adrian an der Tagesordnung waren, gab es bei Bertram nicht. Seine Bemerkung über die Abwesenheit des Gutsbesitzers zielte auch auf so eine skandalöse Geschichte, über die Adrian allerdings nur herzhaft lachen konnte.
„Wenn dir mal nicht eines Tages das Lachen vergeht“, brummte Bertram. „Hast du geglaubt, dein Gspusi mit Ulrike von Hagen könnte in einer kleinen Landgemeinde wie Gommershof geheim bleiben?“
„Nein.“ Adrian schüttelte den Kopf und grinste.
„Bildest du dir denn ein, der Gutsbesitzer nimmt es geduldig hin, dass seine Frau ihm Hörner aufsetzt?“, fragte Bertram, der für die Leichtfertigkeit des Freundes kein Verständnis aufbringen konnte.
„Das müssen die Eheleute unter sich ausmachen“, erwiderte Adrian Brunndobler. „Für eine temperamentvolle Frau wie Ulrike ist der Gutsbesitzer viel zu schwerfällig. Er hätte sich vor der Hochzeit sagen müssen, dass sie ihm nie treu sein wird.“
„Unterschätze von Hagen net. Notfalls wird er seiner Frau die Mittel kürzen, um sie so zur Häuslichkeit zu zwingen“, äußerte Bertram mit ernster Miene.
„Wie wenig du von Frauen verstehst“, meinte Adrian. „Ulrike wird umgehend Ersatz finden. Und genau das weiß von Hagen. Aber er will Ulrike ja net verlieren. Er will sie nur eine Zeit lang von mir fernhalten.“
„Eine Zeit lang?“, wiederholte Bertram in fragendem Tonfall. „Willst du, wenn die beiden von der Reise zurückkommen, dein Verhältnis mit Ulrike von Hagen fortsetzen?“
„Oder sie ihres mit mir. Nimm es, wie du willst“, antwortete Adrian lachend. „Aber jetzt muss ich weiter“, sagte er, plötzlich ernst werdend. „Ich bin noch mit einem Kunden verabredet. Drück mir mal die Daumen, dass er sich zu einer Vorauszahlung breitschlagen lässt.“
„Sitzt du wieder in der Klemme?“, fragte Bertram, der die ständigen Finanzprobleme seines Freundes kannte.
„Wie immer“, entgegnete Adrian, der schon wieder lachen konnte. „Aber wie immer werd ich aus der Misere auch wieder herauskommen. Servus, Bertl!“
„Servus, Adrian. Bis Sonnabend. Wir sehen uns im ‚Weißen Rössl‘.“
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Im „Weißen Rössl“ herrschte schon Hochbetrieb, als Adrian Brunndobler eintraf. Der Sägewerkbesitzer steuerte sofort auf Förster Petzold zu, um den Jubilar zu beglückwünsc