: Ulrich Eggers
: Gott suchen in der Krise Glaube und Corona
: SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag
: 9783417229912
: 1
: CHF 5.40
:
: Lebenshilfe, Alltag
: German
: 160
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Was bedeutet die Pandemie für Christen? Gott hat uns ein Leben in Fülle verheißen. Aber was ist mit der Corona-Pandemie? Wir wissen, dass Gott gut ist - aber wir wissen auch, dass vieles um und von ihm ein Geheimnis bleibt, das zu ertragen ist. Corona ist Anlass und Spiegel, grundsätzlich darüber nachzudenken, ob und wie der Glaube trägt. Wer Gott ist - und auf welche Weise er verlässlich ist. Namhafte Autorinnen und Autoren berichten ehrlich, wie sie mit solchen Glaubensfragen umgehen und wie ihre Beziehung zu Gott in Krisenzeiten belastbar und offen bleibt.

Ulrich Eggers (Jg. 1955) gründete Zeitschriften wie family, AUFATMEN, JOYCE oder andersLEBEN und verantwortet das Magazin AUFATMEN weiterhin als Redaktionsleiter. Bis zum Herbst 2021 war er Verleger und Geschäftsführer der SCM Verlagsgruppe und lebt in Cuxhaven. Ehrenamtlich ist er 1. Vorsitzender von 'Willow Creek Deutschland' und Leiter der Lebensgemeinschaft 'WegGemeinschaft e.V.', die das christliche Tagungszentrum Dünenhof trägt. www.aufatmen.de

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Einen anderen Glauben finden?


Von Ingolf Ellßel


In die Corona-Krise gehe ich mit einer ganz eigenen Biografie.

Man müsste sich auf einen Berg setzen und die momentanen Wirren des Lebens mit mehr Abstand betrachten. Da würde der Blick freier werden von den ständigen Nahaufnahmen der aktiven Krisen, die uns täglich fordern oder in den Medien serviert werden.

Zunächst sollten all die Dinge betrachtet werden, die gut sind. Da sollte jeder fündig werden. So könnte man Gott inmitten der Krise doch noch danken. Und überhaupt könnte man so den Weisungen der Bibel leichter nachkommen, die uns empfiehlt, »alle Bitten mit Danksagung vor Gott zu bringen« (vgl. Philipper 4,6).

Nun folge ich aber dem einsichtigen Trend »Wir bleiben zu Hause« und sitze an meinem Schreibtisch. So bleibt mir nur der gedankliche Berg.

Eine Freundin von uns kümmert sich indes um meine Frau Sigrid, die vor zweieinhalb Jahren während einer Dienstreise in Jerusalem ein Aneurysma erlitt, einen Monat im Koma lag und sich an der Schwelle des Todes aufhielt. Gott sei Dank, sie lebt. Ist aber halbseitig passiv und mit Pflegegrad 4 plus braucht sie mich rund um die Uhr. Und nun noch Corona. Das Virus wäre medizinisch gesehen ihr Todesurteil, da der linke Lungenflügel auch von der Passivität betroffen ist.

Von meinem gedanklichen Berg schaue ich auf meine Berufung zum Pastor. Als Student der Fachrichtung Maschinenbau saß ich in einem lutherischen Gottesdienst in Sittensen und hörte eine Predigt von Pastor Döring über die Mission Jesu. Das war die Wende. Ich wechselte 1975 zur Theologie, heiratete die Tochter des Pastors und startete 1979 als Vikar in Tostedt. 35 wunderbare Jahre warteten dort auf uns. Wir bekamen vier Kinder und noch einen Pflegesohn. Die Gemeindearbeit boomte – von anfänglich 20 Gottesdienstbesuchern auf über 500. Alle Kinder fanden den christlichen Glauben, heirateten und bescherten uns bis heute insgesamt 12 Enkelkinder. Die Jahre waren prall gefüllt mit Ereignissen, die es uns leicht machten, Gott dankbar zu sein.

Man könnte mir diesen Blick in die Vergangenheit als Nostalgie ankreiden. Doch ich fliehe nicht vor der harten Wirklichkeit, die mich umgibt. Stattdessen ist das für mich eine Übung, die den Glauben stärkt. Wir sollen nicht vergessen, was Gott Gutes in unserem Leben getan hat. Zu oft habe ich diese wertvollen Weisungen in der Bibel gelesen und gelernt, dass man eben genauso seinen Glauben regeneriert.

Dazu fällt mir David ein, als er noch kein König war. Er steht vor seinem übermächtigen Gegner Goliat und erinnert sich zuvor dankbar daran, wie Gott ihm in den lebensbedrohlichen Auseinandersetzungen mit Bären und Löwen geholfen hat, bevor er sich der aktuellen Herausforderung stellt. Gewiss, Dankbarkeit in schweren Zeiten ist zunächst ein emotionales Opfer, öffnet aber das Herz erst für das Eingreifen Gottes. In Psalm 50,23 lese ich: »Wer Dank opfert, verherrlicht mich und bahnt so einen Weg; ihn werde ich das Heil Gottes sehen lassen.« Wenn man solche Zusagen Gottes aus der Bibel einmal im Glauben in Besitz genommen hat, entsteht sogar ein emotionales Wunder: Vorfreude!

Und ich denke an Paulus und Silas, d