An dem heißen Freitagnachmittag, an dem alles begann, saß ich schwitzend in meiner Detektei, badete die Füße in einer Schüssel mit kaltem Wasser und tippte zerstreut auf meiner Schreibmaschine herum. Seit Tagen zeigte das Thermometer über fünfunddreißig Grad Celsius. Selbst mein im Untergeschoss gelegenes Büro hielt der Hitze nicht länger stand. Träge waberte warme Luft durch den Raum. Der Ventilator auf meinem Schreibtisch machte mehr Lärm als Wind. Eine dicke Fliege zog müde brummend ihre Runden.
Es juckte mich unter dem Hut.
Normalerweise ist dies ein sicheres Anzeichen dafür, dass Gefahr im Anzug ist. Doch ich konnte weit und breit keine Gefahr erkennen. Ganz im Gegenteil. Die Fälle der Detektei Donnerschlag waren in letzter Zeit für meinen Geschmack viel zu harmlos gewesen: Wir hatten entflogene Kanarienvögel gerettet, verlorene Geldbörsen wiedergefunden und einen Bonbondiebstahl aufgeklärt. Kleinkram dieser Art ist das tägliche Brot jeder Detektei. Doch mein Herz schlug für die großen, wilden, gefährlichen Fälle. Leider schienen alle Gauner und Gangster im Urlaub zu sein.
Wieder juckte es mich unter dem Hut.
Ich nahm den Hut ab, kratzte mich ausgiebig und erklärte meiner Kopfhaut, dass sie sich irrte. Gefahr war zurzeit Mangelware.
Ich hatte den Hut gerade wieder aufgesetzt, als auf meinem Mobiltelefon eine Nachricht meiner Kollegin Wiebke einging.
»Detektiv-Regel Nummer 13«, hatte Wiebke geschrieben, »einem echten Detektiv ist nichts peinlich. Er tut, was die Ermittlungen erfordern, ohne Rücksicht auf sein persönliches Befinden.«
Was sollte das heißen? Wollte Wiebke mir demonstrieren, dass sie meine Detektiv-Regeln auswendig wusste? Oder steckte mehr dahinter?
Ich beugte mich wieder über mein Telefon. Doch bevor ich weiterlesen konnte, klopfte es energisch an die Tür meiner Detektei.
»Herein!«, rief ich mit fester Stimme.
Ein großer, dünner Mann mit spärlichem Haar und einer randlosen Brille betrat den Raum. Unter den Achseln seines hellblauen Hemdes hatten sich dunkle Schweißflecken gebildet. Interessiert blickte er sich um. »Moin! So sieht es also aus in eurer Zentrale, aha, aha.«
»Wir sagen: Detektei«, korrigierte ich ihn. »Die drei mit der ›Zentrale‹ sind von einer anderen Firma. Was führt Sie zu mir? Weshalb klopfen Sie an meine Tür wie ein wohnungsloser Specht?«
Der geheimnisvolle Fremde lächelte.
»Dazu gleich mehr. Wie weit bist du denn mit den Übungsaufgaben? Nach den Ferien schreiben wir eine Klassenarbeit, das weißt du ja, Harald. Nicht dass du wieder so unterirdisch abschneidest wie letztes Mal.«